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DFB-Gegner: Einmal Oliver Kahn bezwingen...

Die chinesische Nationalmannschaft geht als krasser Außenseiter in die Partie gegen Deutschland. Trainer Zhu Guanghu hofft dennoch auf eine Überraschung - er hat "Löcher" im Team von Jürgen Klinsmann ausgemacht.

Nach Deutschlands Niederlage gegen die Türkei schöpfen Chinas Spieler neue Hoffnung. Vor dem ersten Spiel gegen den Vize-Weltmeister am Mittwoch in Hamburg stellte der chinesische Stürmer Xie Hui fest: "Diese Mannschaft ist nicht ohne Mängel." Er träumt davon, Oliver Kahn zu bezwingen. "Einige der Verteidiger sind ziemlich jung. Wir sollten eine Chance haben." Andere chinesische Spieler äußerten in Interviews aber auch die Befürchtung, dass die DFB-Kicker nun vor heimischen Fans stark unter Druck stehen und ihnen das Spiel umso schwerer machen werden.

Trotzdem lästerten einige Kicker auf dem Flug nach Deutschland über den Favoriten: "Wenn sie uns mit einem Biss schlucken wollen, sollen sie aufpassen, dass ihnen nicht etwas im Hals stecken bleibt." Kein Wort mehr von dem befürchteten "Gemetzel", von dem Chinas Zeitungen noch vorige Woche gesprochen hatten. Nationalcoach Guanghu spricht von "Löchern" in der DFB-Auswahl, wenn sie von Abwehr auf Angriff umstelle. Immerhin habe sie zuletzt immer Gegentore kassiert.

"Jetzt fehlt nur noch etwas Glück."

Vor der historischen Begegnung in Hamburg, das wegen seiner 300 chinesischen Firmen auch als "Chinas Tor nach Europa" gilt, kann das Team neue Hoffnung gut gebrauchen. Denn das Selbstbewusstsein der Nationalmannschaft hatte durch zwei Niederlagen gegen chinesische Liga-Clubs noch mehr als sonst gelitten. Doch sieht der Trainer seine Akteure für die Deutschen gut gerüstet: "Ich habe das Gefühl, wir haben alle Arbeit getan. Jetzt fehlt nur noch etwas Glück."

Und doch ist es ein ungleicher Kampf. Zwar konnten sich die Chinesen in der Weltrangliste von Platz 101 (2003) auf 54 verbessern, doch Deutschland belegt Rang 17 in der FIFA-Tabelle. China hat sich nicht einmal für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland qualifiziert. Die erste WM-Teilnahme 2002 in Südkorea und Japan war bisher der größte Erfolg, endete aber mit drei Niederlagen und 0:9 Toren.

"Wollen kein Tor kassieren"

Der erst als Held gefeierte serbische Trainer Bora Milutinovic zog sich zurück, ihm folgte der Niederländer Arie Haan. Er machte China zumindest zum Vizemeister beim Asienpokal. Nach dem Aus in der WM-Qualifikation Ende 2004, als Kuwait dank des besseren Torkontos weiterkam, erklärte Haan seinen Rücktritt. Sein chinesischer Co- Trainer Zhu Guanghu, der in den vergangenen Saison den Club Shenzhen Jianlibao zur Meisterschaft führte, rückte zum Nationaltrainer auf.

Der 55-Jährige ist ein Freund der Fußball-Philosophie von Real Madrids Coach Vanderlei Luxemburgo. Er hat sich viele Videos der deutschen Mannschaft angesehen - auch das Türkei-Spiel. "Wir konzentrieren uns darauf, kein Tor zu kassieren. Das kann nicht nur mit der Verteidigung geschehen. Mit unserem Angriff wollen wir den Angriff der Deutschen in Schach halten. Wir wollen den Deutschen zeigen, dass sie nicht ohne ihre Verteidigung auskommen."

Kein gemeinsames Training vor der Reise nach Deutschland

Problematisch ist, dass die chinesische Mannschaft vor der Reise nach Deutschland kein gemeinsames Training hatte. Fünf Kicker spielen bei europäischen Clubs und stoßen erst in Hamburg dazu. Verteidiger Sun Jihai und Stürmer Dong Fangzhuo spielen bei Manchester United, Mittelfeldspieler Li Tie bei Everton, Stürmer Shao Jiayi bei 1860 München und Verteidiger Du Wei bei Celtic Glasgow.

DPA / DPA
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