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Pokal-Halbfinale Werder gegen Bayern: Diskussion über strittigen Elfmeter: "Warum geht er nicht raus und schaut sich die Szene am Monitor an?"

Es war ein packender Pokalabend in Bremen. Mit 3:2 setzten sich am Ende die Bayern gegen Gastgeber Werder durch. Und doch haftet dem Sieg ein fader Beigeschmack an. Schuld war ein Pfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert.

Robert Lewandowski verwandelt Strafstoß gegen Bremen

Den umstrittenen Elfmeter verwandelt Bayern-Stürmer Robert Lewandowski zum 3:2 Endstand

DPA

Max Kruse konnte sich nach Ansicht der TV-Bilder nur schwer im Zaum halten. Sein Verein hatte gerade ein packendes Pokal-Halbfinale gegen die Bayern mit 3:2 verloren, als der Bremer Kapitän vor dem ARD-Mikro gebeten wurde, die spielentscheidende Szene zu kommentieren. Bremens Verteidiger Gebre Selassie hatte Bayern-Stürmer Kingsley Coman im Strafraum mit einem hauchdünnen Schubser zu Fall gebracht, was Schiedsrichter Daniel Siebert umgehend mit einem Elfmeter-Pfiff ahndete. Als Kruse die Bilder sah, war er fassungslos: "Das ist lächerlich. Also, wenn das ein Elfmeter ist… Ganz leichter Kontakt. Oh Gott, ey!"

Kruse sprach damit wohl ganz Fußballdeutschland mit Ausnahme der Bayern-Fans aus dem Herzen. Alle einte das Gefühl, durch einen überzogenen Schiedsrichter-Pfiff um eine packende Schlussphase, womöglich sogar eine Verlängerung gebracht worden zu sein.

Die Dramaturgie des Abends war zuvor in einem furiosen Doppelschlag kulminiert, als in der 74 Minute zunächst Osako und 67 Sekunden später Rashica die 2:0 Führung der Bayern zum 2:2 egalisierten. Werder war am Drücker, die Bayern wirkten angeknockt. Dazu ein tobendes Weserstadion – alles war angerichtet für dramatische Schlussminuten, ehe Siebert mit seinem Pfiff in der 78. Minute die Luft aus dem Spiel ließ.

ARD-Reporter: "Das reicht nicht!"

Selbst der eigentlich zur Neutralität verpflichtete ARD-Reporter Tom Bartels schlug sich auf die Seite der Bremer: "Ein leichter Schubser, das reicht in meinen Augen nicht für einen Elfmeter." Und Experte Stefan Kuntz wunderte sich nach dem Schlusspfiff: "Warum geht er nicht raus und schaut sich die Szene auf dem Bildschirm an?"

Auch Werder-Trainer Florian Kohfeldt stufte Sieberts Pfiff in die Kategorie unberechtigt ein: "Neun von zehn Schiedsrichtern hätten da nicht gepfiffen", sagte der Werder-Coach verärgert. Sportchef Frank Baumann sekundierte: "Da gibt es keine große Diskussionen, das war im Leben kein Elfmeter."

Kohfeldts Ärger richtete sich weniger gegen Schiedsrichter Daniel Siebert, der nach kurzer Rücksprache mit seinen Assistenten bei der Entscheidung blieb, als vielmehr gegen den Videoassistenten Robert Kampka. Der hätte stärker intervenieren müssen, meinte der Werder-Coach. "Ich bin normal ein großer Freund des Videobeweises, aber mit diesem Elfmeter-Pfiff könnte ich besser leben, wenn es keinen Videoschiedsrichter gegeben hätte", sagte Kohfeldt.

Kovac: "Da hat er sich dumm angestellt"

Dass die Bayern da naturgemäß eine andere Meinung vertraten, liegt wohl in der Natur der Sache. Trainer Niko Kovac gab immerhin zu: "Wenn er nicht pfeift, können wir uns nicht beklagen." Andererseits: "Der King fällt nicht von allein. Der Ellbogen von Gebre Selassie war schon da, den hätte er besser weglassen sollen." Und schob süffisant hinterher: "Da hat er sich ein bisschen dumm angestellt."

Thomas Müller kam nach Ansicht der TV-Bilder zur gleichen Meinung wie sein Trainer. "Es war Elfmeter. Kingsley Coman in keiner, der sich fallen lässt.

Links steht Uli Hoeneß im Anzug vor einem großen FC Bayern-Wappen, rechts liegt er als jüngerer Mann im Krankenhausbett


kng / DPA

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