DFB-Pokal Schalker Rost als Held im Pokalkrimi


Der Tag danach: Der Schalker Torwart und Kapitän Frank Rost wird von allen Seiten mit Lob übeschüttet. Währenddessen kurireren die Bremer ihren DFB-Kater aus und vergießen bittere Tränen.

"Die Stimmung kann man sich vorstellen. Sie sitzen nur da, keiner redet. So ein Erlebnis muss man erstmal verarbeiten", berichtete Bremens Sportdirektor Klaus Allofs um Mitternacht in den Katakomben der Schalke-Arena nach dem dramatischen Ausscheiden im Halbfinale des DFB-Pokals. Und Trainer Thomas Schaaf ergänzte: "Einige haben geheult."

120 Minuten mit Toren von Ebbe Sand (64.), Valérien Ismael (84.), Tim Borowski (94.) und Ailton (96.) und das an Spannung kaum zu überbietende Elfmeterschießen lösten große Emotionen aus und hinterließen sichtbare Spuren bei allen Beteiligten. Erst um 23.20 Uhr sorgte der Torhüter des FC Schalke 04 als insgesamt 14. Schütze für die Erlösung. Mit dem fast lässig vorbei am Bremer Kollegen Andreas Reinke ins rechte Eck geschobenen Strafstoß setzte Rost den Schlusspunkt zum 5:4 (2:2, 1:1, 0:0). Die Schalker Fans tobten: "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!"

Strahlender Held

Immer wieder musste der strahlende Held, der zuvor drei Elfmeter von Paul Stalteri, Tim Borowski und - ausgerechnet - dem künftigen Schalker Teamkollegen Fabian Ernst pariert hatte, die entscheidende Szene schildern. "Ich habe mich nach den gehaltenen Elfmetern sicher gefühlt", erklärte Rost. Der 31-Jährige nahm dem schon zur Ausführung bereitstehenden Mike Hanke das Leder weg und schritt selbst zur Tat, nachdem zuvor Nils Oude Kamphuis und Ailton dem Druck nicht stand gehalten hatten. "Ehe noch einer versemmelt, gehe ich lieber selber hin. Da muss man als Kapitän und erfahrener Spieler Verantwortung übernehmen und darf sie nicht einem 21-Jährigen überlassen, bei aller Wertschätzung für Mike", sagte Rost.

Nicht zum ersten Mal bewies Rost, dass er offenbar Nerven wie Drahtseile besitzt. Noch im Bremer Trikot gelang ihm im Oktober 1999 in der 3. Pokalrunde gegen Kaiserslautern ein ähnliches Husarenstück. 2:2 stand es auch damals nach Verlängerung. Im Elfmeterschießen parierte Rost Schüsse von Wagner und Strasser und vollstreckte dann selbst. Im Pfälzer Tor stand seinerzeit Andreas Reinke. Nur vier Monate zuvor hatte der "Elfmetertöter"Werder im Finale gegen Bayern München sogar den Titel beschert. Beim Stand von 4:4 im Elfmeterschießen verließen Effenberg die Nerven, Rost verwandelte, und brachte dann Matthäus zur Verzweiflung. Kein Wunder, dass sich der Keeper schon jetzt auf das Cup-Finale am 28. Mai in Berlin freut. "Egal, ob wir dort auf Bielefeld oder die Bayern treffen."

Mit leeren Händen

Trotz der Enttäuschung erwies sich Schaaf als fairer Verlierer. "Es war sensationell, was beide Teams geleistet haben. Die Partie hatte alles, was den Fußball ausmacht. Es wurde pausenlos nach vorn gespielt, beide haben sich nichts geschenkt. Natürlich ist es bitter, wenn man am Ende mit leeren Händen da steht", sagte der Werder-Coach, der aber auch Positives mitnahm: "Alle haben heute ein bisschen gewonnen, weil sie einen schönen Abend verlebt haben."

Obwohl der Meister und Cup-Verteidiger von der Weser seine letzte Titelhoffnung begraben musste, kann er aus der der Niederlage Kraft schöpfen für den Ausklang der Saison. "Wir sind wieder als Mannschaft aufgetreten. Alle wissen, dass sie stark waren, und ich hoffe, dass wir uns in den restlichen Bundesligaspielen für unsere Arbeit belohnen", sagte Schaaf, der den dritten Platz anstrebt.

Der Revierclub, der nach den Siegen 2001 und 2002 zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren den "Pott" holen kann, glaubt nach zuletzt drei Niederlagen in vier Meisterschaftsspielen an die Trendwende. "Der Sieg war eminent wichtig", schwärmte Ralf Rangnick nach dem "sensationellen Abend". Der 46-Jährige hofft nicht nur auf seinen ersten Titel als Trainer, sondern will die Saison mit dem Einzug in die Champions League veredeln. Die Bayern-Jagd in der Bundesliga ist offiziell abgeblasen: "Wir müssen uns auf die Ziele konzentrieren, die wir aus eigener Kraft schaffen können. Und das ist der 2. Platz."

Ulli Brünger/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker