HOME

DFB-Schiedsrichtersprecher: Fall Amerell versetzt DFB in Aufruhr

Nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" wird dem Sprecher der deutschen Schiedsrichter, Manfred Amerell, vorgeworfen, einen jungen Kollegen sexuell belästigt zu haben. Amerell bestreitet das vehement, ließ sich aber vorläufig von seinem Amt entbinden. DFB-Vize Rainer Koch gab die Zuständigkeit für die Schiedsrichter ab - wegen zurückgehaltener Informationen.

In der Angelegenheit um Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell hat der zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch wegen nicht weiter gegebener Informationen Konsequenzen gezogen. Amarell hat sich nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung von seinem Amt als Sprecher der deutschen Schiedsrichter vorläufig entbinden lassen. Koch bat den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, "die Zuständigkeit für das Schiedsrichterwesen im DFB-Präsidium neu zuzuordnen". Dies teilte der Deutsche Fußball-Bund am Mittwochabend mit.

Koch erklärte, dass der Schiedsrichterausschuss-Vorsitzende Volker Roth am 17. Dezember persönlich und detailliert über die Vorgänge informiert worden sei. Die Informationen habe dieser aber nicht an Koch weitergegeben. Das sei für Koch "nicht hinnehmbar und macht mir eine Fortsetzung meiner durch Geschäftsverteilung des DFB-Präsidiums übertragenen Zuständigkeit für den Schiedsrichterbereich unmöglich".

Zwanziger erklärt sein Bedauern


Koch ergänzte in der DFB-Mitteilung, dass er von den Vorgängen erst vor einer Woche erstmals in Kenntnis gesetzt worden sei. Er bedaure seinen Schritt sehr, "lag mir doch in den letzten zwei Jahren in hohem Maße daran, aufgetretene Spannungen zwischen dem Schiedsrichterwesen und den Spielbetriebsorganisationen zu moderieren und den aktiven Schiedsrichtern den nötigen sportpolitischen Rückhalt für ihre schwere Aufgabe zu gewährleisten", sagte Koch.

DFB-Boss-Zwanziger erklärte ebenfalls sein Bedauern, weil Koch "im Schiedsrichterwesen sehr engagiert gearbeitet hat". Er könne den Schritt aber nachvollziehen, "wenn er selbst den Vertrauensverlust aus diesem Vorgang so bewertet".

Amerell: Da lache ich mich kaputt


Die "Frankfurter Runschau" berichtet, dass sich der DFB derzeit mit der Frage, "ob und wenn ja, wie intensiv sich Amerell einem jungen Bundesliga-Schiedsrichter genähert hat", beschäftigt. Der junge Schiedsrichter soll sich demnach Ende 2009 an den Chef des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses, Volker Roth, gewandt haben. Seit Januar wisse auch DFB-Boss Theo Zwanziger von den Vorwürfen, schreibt das Blatt weiter. Amerell selbst bestreite den Vorwurf der Annäherung: "Da lache ich mich kaputt, die Vorwürfe sind haltlos und aus der Luft gegriffen", so der Ex-Schiri in der "FR". Amerell hat bereits einen Münchner Rechtsanwalt eingeschaltet.

Der 62-jährige ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter zog sich am Montag dieser Woche überraschend von seinen Ämtern im Schiedsrichter-Ausschuss des DFB zurück. Wegen "gesundheitlicher Gründe" hatte Amerell DFB-Präsident Theo Zwanziger gebeten, ihn vorläufig von seinen Aufgaben zu entbinden. Zu weiteren Fragen nach den Hintergründen könne der DFB mit Rücksicht auf die Person Manfred Amerell keine Angaben machen, hieß es.

Amerell arbeitete seit Mitte der 90er Jahre an zentraler Stelle im DFB-Schiedsrichter-Ausschuss und war unter anderem für die Schiedsrichteransetzungen und die Talentförderung zuständig. In den 80er und 90er Jahren war er selbst als Unparteiischer in der Bundesliga tätig. Zuvor arbeitete Amerell als Geschäftsführer bei den Münchner Löwen und dem FC Augsburg.

kbe/tis/DPA / DPA

Wissenscommunity