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Dortmunds Meistertrainer Klopp Kumpel und Feldherr


Mit dem Titelgewinn ist Jürgen Klopp in den Trainer-Olymp aufgestiegen. Sein Umgang mit den Profis gilt als stilbildend. Selbst seine cholerischen Ausbrüche am Spielfeldrand stören kaum.

In der Stunde seines größten Erfolgs wirkte Jürgen Klopp ungewohnt gefasst. Mehr besinnlich als berauscht betrat der ansonsten impulsivere Trainer von Borussia Dortmund nach dem 2:0 (2:0) über den 1. FC Nürnberg den Rasen und schloss jeden seiner Spieler in den Arm. Erst auf der spontanen und internen Meisterfeier Stunden später beim Edel-Italiener fiel der große Druck langsam aber sicher von ihm ab. "Es fühlt sich anders an, als ich vorher gedacht hatte. Die Erleichterung ist tausendmal größer als die Euphorie", kommentierte der Fußball-Lehrer seinen ersten Titelgewinn.

Mit dem überraschenden Triumph seiner jungen Mannschaft ging für Klopp, der nicht nur in Dortmund Kultstatus genießt, ein Kindheitstraum in Erfüllung. Nach Achtungserfolgen beim vergleichsweise kleinen FSV Mainz 05 trat er beim BVB den Nachweis an, auch bei größeren Clubs Großes leisten zu können. Spätestens mit der Meisterschaft avanciert er zum wohl gefragtesten deutschen Fußballlehrer. "Klopp war mein bisher bester Transfer als Manager", schwärmte Michael Zorc bereits vor Monaten.

Klopp steht für den Umbruch


Das Versprechen beim Amtsantritt im Sommer 2008, in Dortmund für "Vollgas-Veranstaltungen" zu sorgen, hat Klopp gehalten. Trotz schwieriger finanzieller Bedingungen leitete er in Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Zorc einen beispiellosen und kostengünstigen Umbruch ein. Selbst als die von Klopp erzeugte Aufbruchstimmung Anfang 2009 zu verpuffen schien und der BVB in der Bundesliga siebenmal sieglos blieb, kamen in Dortmund keine Zweifel an Klopp auf.

Klopp überzeugt sowohl als medienkompatibler Entertainer als auch als geschätzter Fachmann. Die Leidenschaft des einstigen Zweitliga-Profis Klopp übertrug sich auf die Mannschaft: Mit laufintensivem Spiel, großer taktischer Disziplin und unbekümmertem Jugendstil dominierte sie die Liga. Klopp beherrscht die Rollen vom lässigen Kumpel bis zum strengen Feldherren, der seine Untergebenen bis zum Äußersten antreibt, perfekt. Er ist ehrgeizig, strahlt dabei aber eine beruhigende Gelassenheit aus. Das wirkt, vor allem auf junge Spieler.

Junge Spieler entwickeln sich unter ihm


Unter der Regie des 43 Jahre alten Diplom-Sportlehrers schafften in Mats Hummels, Kevin Großkreutz, Marcel Schmelzer, Mario Götze und Sven Bender fünf Jungprofis den Sprung in die Nationalmannschafts-Kader. Willkommener Begleiteffekt: Der Wert des Teams wuchs beträchtlich.

Vielerorts wird der BVB um den Fußball-Lehrer beneidet. Seine zugleich kollegiale und autoritäre Arbeit mit den Profis gilt als ebenso stilbildend wie seine auf Forechecking und Opferbereitschaft basierende Fußballphilosophie.

Wutanfälle am Spielfeldrand


Vorbei sind Zeiten, in denen sein lässiges Outfit mit Jeans und Dreitagebart als Ausschlusskriterium für arrivierte Jobs galt. Selbst der anfangs skeptische Franz Beckenbauer kann sich Klopp mittlerweile als Trainer des Branchenführers FC Bayern vorstellen. Immer häufiger wird der von BVB-Sportdirektor Zorc als "Menschenfänger" charakterisierte Klopp gar als künftiger Nationalcoach für die Zeit nach Joachim Löw gehandelt.

Selbst die regelmäßigen Wutanfälle von Klopp am Spielfeldrand tun der großen Popularität keinen Abbruch. Sein mitunter rüder Umgang mit Schiedsrichtern kostete ihn bereits 37 000 Euro. Er spricht für ihn, dass er solche Auftritte schon wenige Minuten später selbst als "peinlich" deklariert.

Ähnlich wie in Mainz, wo er insgesamt 18 Jahre als Spieler und Trainer verbrachte, stieg "Kloppo" in Dortmund zum Liebling der Fans auf. Das gute Verhältnis zu seinen Profis und die kollegiale Zusammenarbeit mit der Vereinsführung bestärkten ihn, den Vertrag beim BVB Ende November bis 2014 zu verlängern. Derzeit spricht viel dafür, dass der Coach den verlockenden Angeboten der Konkurrenz bis dahin widersteht: "Ich bin mir sicher, dass wir nicht vor Ende der Vertragslaufzeit auseinandergehen" sagte Klopp.

tis/DPA DPA

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