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Flugzeugabsturz eines Fußball-Teams: Gott ist grün oder das Wunder von Chapecoense

Beim Flugzeugabsturz starben 71 Menschen des brasilianischen Vereins Chapecoense. Der Klub war tot. Doch er stand wieder auf. Von einem Wunder, das wahr wurde.

Flugzeugabsturz eines brasilianischen Fußball-Teams

Beim Flugzeugabsturz gab es nur drei Überlebende Spieler: Jakson Follmann (mit Prothese), Alan Ruschel und Neto Anfang April 2017

Es gibt diese Momente im Fußball, vielleicht nur im Fußball, die 71. Minute im ersten Heimspiel der neuen Saison, zu Gast Palmeiras, der brasilianische Meister, es steht 0 : 0. Da stehen die Zuschauer auf und klatschen, eine Minute lang klatschen sie, immer in der 71. Minute, im Gedenken an die 71 Opfer des Flugzeugunglücks. Ein Moment, magisch und würdevoll, und dann kommt in dieser 71. Minute der Pass in die Spitze, und Rechtsaußen Rossi dribbelt an allen vorbei und schießt und abgewehrt und Nachschuss und …

"Goool", schreien 15 000 Zuschauer im vollen Stadion.

"Goool", schreit Verteidiger Neto auf der Tribüne, der das Unglück überlebte.

"Goool", schreit über ihm in der Radiokabine Reporter Rafael Henzel ins Mikrofon, auch er ein Überlebender.

"Goool", schreit neben ihm die Witwe Jacqueline Madrid, die ihren Mann Anderson verlor.

"Die 71. Minute", sagt sie ungläubig, und dann fließen Tränen über ihre Wangen und mischen sich mit dem Regen, der als Orkan durch die Arena Condá in der Kleinstadt Chapecó fegt.

Vor sechs Monaten verloren sie ihr Team in den Anden. Jetzt gewinnt der Außenseiter Chapecoense den Heimauftakt gegen den Meister mit 1 : 0. "Força Chape", singen die Zuschauer noch lange in die Regennacht von Südbrasilien, "Chape, Chape, Chape."

Nach dem Flugzeugabsturz lag Neto zehn Tage im Koma

Der nächste Morgen in der Arena Condá, Nieselregen, grau, acht Grad. Ein neuer Anlauf für Neto, 31 Jahre alt, 1,95 Meter lang. Er stemmt Gewichte im Fitnessraum, die Luft voll Männerschweiß und süßem Parfüm, aus den Lautsprechern Sertaneja, brasilianische Countrymusik. Schon 12 von den 15 verlorenen Kilos Muskelmasse hat er zurück, "50 Gramm mehr als gestern", sagt er triumphierend. Das sind jetzt seine Meilensteine: 50 Gramm Muskeln. Das Comeback ist seine Mission. Die Frage lautet: Kann ein Spieler nach einer solchen Tragödie zurückkommen? Und ein Klub? Und eine Stadt?

Nach dem Flugzeugunglück lag Neto zehn Tage im Koma. Im Januar konnte er noch nicht laufen. Im Juli will er wieder spielen, acht Monate nach Knochenbrüchen, Netzhautriss, Fleischwunden, Kreuzbandrissen, nach einem Fall aus 3000 Metern in die Bergwelt von Kolumbien.

19 Spieler starben bei dem Absturz; ihre Särge wurden im Dezember 2016 ins Stadion von Chapecó gerollt

19 Spieler starben bei dem Absturz; ihre Särge wurden im Dezember 2016 ins Stadion von Chapecó gerollt

Am 28. November waren Neto und Chapecoense auf dem Weg nach Medellín: Finale im Copa Sudamericana, das Hinspiel, absoluter Höhepunkt für diesen kleinen Klub, dieses Städtchen vom Land, Chapecó, 200.000 Einwohner, ein Fußballmärchen, als würde der SC Freiburg es ins Finale der Europa League schaffen.

"Ich habe den Absturz in der Nacht vorher geträumt", sagt Neto. Wie zum Beweis zeigt er die Whatsapp-Konversation mit seiner Frau."Guten Flug", schreibt sie, "Gott segne dich." – Neto: "Bete für mich, dass mein Albtraum nicht wahr wird." – "Ich liebe dich", schreibt sie. "Gehe in Frieden." Eine Konversation wie ein Abschiedsbrief.

Die Geschichte bricht jetzt aus Neto heraus, er erzählt atemlos, als überwältige ihn eine Kraft: "Ich schlief, müde von der langen Reise, hinter mir die Spieler Alan und Follmann, draußen Regen, Dunkelheit. Dann plötzlich Stille, das Bordlicht geht aus, der Motor setzt aus, furchtbare Stille, nur der Wind rauscht. Warum diese Stille?, dachte ich, vielleicht landen wir wie ein Segelflugzeug, ich bete: Jesus, sei unser Pilot. Dann erinnere ich mich an nichts mehr."

71 Menschen sind tot. Sechs überleben

Der Charterflug LMI-2933 von Santa Cruz nach Medellín hat über dem Ort La Ceja keinen Sprit mehr. Der Pilot hätte bei der Distanz – 2959 Kilometer – eine Zwischenlandung einplanen müssen. Die Avro RJ-85 mit 77 Passagieren prallt am 28. November um 21.58 Uhr 18 Kilometer vor dem Ziel in den Bergrücken des Cerro Gordo. 71 Menschen sind tot. Sechs überleben.

Die Tragödie überwältigt Neto noch immer, er sitzt im Bauch des Stadions, neben ihm ein selbst gebasteltes Ehrenmal der Fans, die 71 Opfer als Pappfiguren. Im Gesicht noch die Schrammen, auf der Stirn wulstige Narben, die für ihn keine Narben sind, sondern Erinnerungen einer übernatürlichen Rettung. "Ich war der letzte Überlebende", erzählt er, "acht Stunden lag ich in den Trümmern, die Notärzte waren schon abgezogen. Da hörte ein Helfer mein Röcheln, entdeckte mich zitternd unter Ästen und Wrackteilen. Es folgten zehn Tage Koma, dreimal war ich klinisch tot. Als ich aufwachte, sprachen alle Spanisch, und mein Schienbein war ein Stäbchen. Meine Frau zeigte mir Fotos von offenen Beinen und Händen, ich war ein Zombie." Er holt jetzt die Fotos auf sein Smartphone. Er zeigt den offenen Kopf, das offene Bein, immer noch kommt beim Duschen Dreck aus den Poren, tief verbohrt im Körper. Kolumbianische Erde.

Rui Costa baut den Klub aus Chapecoense neu auf.

Rui Costa baut den Klub aus Chapecoense neu auf.

Es ist ein langer Weg zurück. Der Arzt sagte ihm: "Neto, du erlittest nicht nur Kreuzbandrisse, die dauern sechs Monate. Du erlittest einen Flugzeugabsturz, das kann Jahre dauern." Aber Neto ist ungeduldig, er will weiter, keine Pause, der Klub setzt auf ihn als Herzstück der neuen Mannschaft und er auf den Klub seines Herzens. Ein besonderer Klub, findet er, schon vor der Tragödie, eher Familie als Unternehmen. Alle waren Freunde, es gab wenig Eitelkeiten, man traf sich beim Bäcker, so klein ist die Stadt. Der Präsident lud die Familien nach Hause zum Grillen ein. "Chape ist die Essenz von Fußball", sagt Neto, "Real Madrid ist Konsumismus."

"Papa, hat der Pilot diesmal genug getankt?"

Wie zum Beweis ein Spaziergang durch die Stadt: Grüße, Umarmungen, Küsse, es ist eher ein Triumphmarsch denn ein Gang. Die Menschen sagen: "Wir haben für dich gebetet, Neto, wir brauchen dich, Neto." Er ist jetzt das Gesicht von Chape, die Hoffnung, das Symbol, ja mehr als ein Symbol, er ist der Beweis, dass es Gott gibt, sagen sie: "Schau, da läuft Neto, das Gotteswunder, o milagre."

So ist dies eine Stadt voller Hoffnung, auch wenn das ziemlich eigenartig klingen mag, wenn 71 Menschen tot sind. Vor ein paar Wochen flog Neto zurück an den Absturzort, er nahm seine Frau mit und die Zwillinge, zehn Jahre alt. "Meine Tochter fragte: Papa, hat der Pilot diesmal genug getankt?" Er muss jetzt schlucken.

Neto trat an die Unfallstelle, ein Loch im Bergwald, damals bremsten die Bäume den Aufprall und retteten ihn. "Die Rückkehr war die beste Therapie", sagt er. "Der Verein gab mir zwar Therapeuten, aber ich bin mein eigener bester Therapeut. Ich spreche ständig darüber. Die Freunde meiner Kinder haben alle ihre Papas verloren. Wie kannst du da nicht sprechen?"

Die Maschine Avro RJ-85 stürzte am 28. November 2016 über Kolumbien ab

Die Maschine Avro RJ-85 stürzte am 28. November 2016 über Kolumbien ab

Hinter ihm im Flugzeug saß sein Kumpel Alan Ruschel, 27, Linksverteidiger. Sie saßen in der Mitte der Unglücksmaschine, auch Alan überlebte und Torwart Jakson Follmann neben ihm. Alan setzte sich kurz vor dem Start noch um, "nimm neben Follmann Platz", befahl Sportdirektor Cadu Gaúcho. Alan lebt, Cadu Gaúcho ist tot. "Nur Gott weiß, warum", sagt Alan.

Follmann kann nicht mehr spielen, ein Bein wurde amputiert. Er will zu den Paralympics. Alan dagegen wird wieder spielen. Er war um ein Haar querschnittgelähmt, jetzt ist er auf dem Sprung zurück. Trainiert schon mit der Mannschaft, wie an diesem Montag, es schüttet ohne Ende, er läuft und grätscht und kämpft wie alle anderen, im Hintergrund liebliche Hügel wie auf der Schwäbischen Alb.

Es ist ein etwas anderer Klub, kleines Budget, ohne Schulden, ohne Sprüche, ein schwäbischer Aufstieg

Wie viele Tage fehlen noch bis zum Comeback? Alan bemisst das nicht in Tagen, sondern in Kilos. "Ein Kilo Muskeln noch", sagt er nach dem Training. Auch für ihn sind die Muskeln jetzt Meilensteine, ansonsten aber geht er anders mit der Katastrophe um als Neto. Er redet nicht gern darüber, er will nur wieder spielen, gern bei Chape, sonst woanders. Die beste Therapie für ihn ist Normalität, kein Rückblick, keine Betroffenheit. Die Toten ehren – das ja. Ihn selber ehren – nein. "Ich will keinen Mitleidseinsatz, weil ich Überlebender bin. Ich will den harten Konkurrenzkampf." Er sei deutschstämmig, sagt er trotzig, Nachname Ruschel, geboren in Nova Hartz. Wenn er nicht in die Top 11 gehört, dann scheiße, aber so ist Fußball. Er will das stärkste Team für Chape, "die Neuen kamen nicht für Geld, sondern für Ruhm, das sind echte Kerle".

Associação Chapecoense de Futebol, gegründet 1973, dieser Newcomer des brasilianischen Fußballs war vor acht Jahren noch viertklassig. Es folgte ein rasanter Aufstieg, lokale Unternehmer packten an, die Mittelklasse spendete, viele Deutschstämmige. "Alles ist so sauber", sagt Neto über Chapecó. "Alles geordnet", sagt Alan, "Autofahrer halten für Fußgänger." Sie sind stolz auf das Bier, das Deutsch in der Schule, es ist ein etwas anderer Klub, kleines Budget, ohne Schulden, ohne Sprüche, ein schwäbischer Aufstieg.

Neto, der hier ein Bild von sich im Krankenhaus zeigt, will ab Juli wieder mitspielen.

Neto, der hier ein Bild von sich im Krankenhaus zeigt, will ab Juli wieder mitspielen.

Und dann der Absturz. Ein Klub ohne Team, ohne Ärzte, ohne Präsident und Manager. Am vierten Tag nach dem Unglück kam der Anruf bei Rui Costa: "Kannst du helfen?" Rui Costa, 44, ein bekanntes Gesicht Brasiliens, vier Jahre Sportdirektor bei Grêmio, einem großen Klub, machte sich sofort auf den Weg. Noch unterwegs kamen bessere Angebote von anderen Vereinen, "aber ich habe sofort zugesagt, es war mir eine Ehre". Sein Vorgänger Cadu war unter den Toten, ein Freund, er wusste, er unterschreibt hier keinen Vertrag, er unterschreibt eine Mission.

"Da saß ich also, wo ich jetzt auch sitze, und hatte drei Spieler", sagt er. Costa sitzt im Innenraum des Stadions vor einer grünen Wand, alles hier ist grün, die Kantsteine, die Wimpel in Schaufenstern, die Sitze im Stadion. Ein Stadion für Romantiker, Beton statt Glas, es riecht nach Bratfett und Bier, der Präsident verteilt zur Halbzeit Kuchen an Fans. Ein Fußballerlebnis aus einer vergangenen Zeit.

Altstar Ronaldinho wollte helfen, aber das wäre Show gewesen

Rui Costa sagt: "Ich kam im Anzug, um den Klub mit Stil zu vertreten, aber der Präsident reichte mir eine grüne Trainingsjacke. Da wusste ich: Das ist die Uniform eines Sportdirektors hier. Ich habe sie nie wieder abgelegt. Chape ist Ausdruck der kulturellen Identität dieser Region."

Innerhalb von vier Wochen stellte Rui Costa das neue Team zusammen, 26 neue Spieler. Das Hauptkriterium war Klasse, aber gleich danach kamen Aufopferung, Solidarität, Menschlichkeit. Der Altstar Ronaldinho wollte helfen, aber das wäre Show gewesen, nicht Klasse. Die Liga wollte drei Jahre lang den Nichtabstieg festschreiben, aber Mitleid wollten sie nicht. "Ich hielt an alle eine Rede: Das ist eure Chance. Die Welt schaut auf euch. Ihr könnt Geschichte schreiben. Alle hier in der Stadt trauern. Schenkt ihnen etwas. Macht sie etwas glücklicher."

Dem ersten, Douglas Grolli, sagte er: "Grolli, ich weiß nicht, ob ich ein Team zusammenkriege, aber ich brauche dich."

Chapecoense hat zurzeit eine Siegesserie. Das Pokalspiel Ende Mai gegen Zulia FC gewannen sie mit 2 : 1

Chapecoense hat zurzeit eine Siegesserie. Das Pokalspiel Ende Mai gegen Zulia FC gewannen sie mit 2 : 1

Ein neuer Tag, wieder Regen, Douglas Grolli, 27, tritt nach dem Training auf den Rasen des Stadions – zum Gedenken, Erinnern, es wirkt wie Meditation. Er hatte einen Vertrag beim Spitzenklub Grêmio, als Rui Costas Anruf kam. "Sportlich und finanziell war Chape ein Rückschritt", sagt Grolli, "aber ich bin in der Nähe aufgewachsen und habe die Jugendteams durchlaufen. Ich habe viele Freunde verloren. Ich spiele auch für sie." Spricht Grolli über Chape, fallen Worte wie Liebe und Zuneigung, die sonst im Fußball wenig Platz haben. "Chape ist meine DNA, meine Heimat, wir spielen für die Region und für die Hinterbliebenen. Wir wollen ein Märchen schreiben."

Ein Dienstagabend, wieder Nordseewetter, Grolli läuft im Stadion ein, blonde Haare, groß und schlank, die Großmutter Deutsche. "Alles gut?", grüßt er auf Deutsch. Drei Tage nach dem Palmeiras-Spiel tritt Chapecoense im Copa Libertadores gegen den Zulia FC aus Venezuela an, das entscheidende Gruppenspiel. Sie müssen gewinnen, liegen aber lange zurück, 0: 1. Dann brechen die letzten Minuten an, alle im Strafraum, auch Grolli, da kommt der Schuss im Gewühl, 1 : 1, der Ausgleich. Das Stadion ein Tollhaus, ein Beben, der alte Beton vibriert, dann der Anstoß und der nächste Angriff, wieder Rossi, der Rechtsaußen, Flanke, Kopfball … "Gol, Gol, Goool, 2 : 1", brüllt Henzel in seiner Reporterkabine. "Wahnsinn, sind die alle verrückt?" Neto, Alan, Rui Costa, Jacqueline, alle: "Goool, Wahnsinn." Wieder ein Märchenabend.

Jetzt sind auch die Fußballmuffel Chape-Fans

Gut sechs Monate nach dem Unglück zeichnet sich tatsächlich ein Fußballmärchen ab. Das spontan zusammengewürfelte Team aus Leihspielern gewann zuerst die Meisterschaft im Staat Santa Catarina. Sie qualifizierten sich für das Achtelfinale im Copa Libertadores, wurden aber wegen des Einsatzes eines gesperrten Spielers wieder ausgeschlossen. Und momentan, nach dem vierten Spieltag in der brasilianischen Liga, sind sie Tabellen führer. Das alles mit einem Fünftel des Budgets der großen Klubs, drei statt 15 Millionen Dollar.

Sportdirektor Rui Costa sagt: "Vorher gab es in der Stadt entweder Chape-Fans oder Fußballmuffel. Jetzt sind auch die Fußballmuffel Chape-Fans. Aber wir brauchen eine neue Geschichte. Wir werden die Opfer nie vergessen, aber wir wollen nicht der Klub der Tragödie sein. Die Marke Chapecoense ist jetzt in der Welt bekannt. Dies ist unsere Chance für eine neue Kultur: gutes Wirtschaften, ehrlicher Fußball, Solidarität. Warum sollen wir wie die Boston Red Sox nicht auch eine Krebsklinik für Kinder aufmachen? Warum sollen sie nicht auch in China unser grünes Trikot tragen?"

Jacqueline Madrid hat das Bild ihres toten Mannes Anderson auf T-Shirts drucken lassen. Er war Zeugwart des Klubs.

Jacqueline Madrid hat das Bild ihres toten Mannes Anderson auf T-Shirts drucken lassen. Er war Zeugwart des Klubs.

Jacqueline Madrid, 45, trägt den ganzen Tag grün. Sie ist eine der 71 Witwen, eine schmale Frau aus Uruguay, der die Trauer zehn Kilo genommen hat. Ihr Mann Anderson, 37, war Zeugwart, er war mit dem Team aufgestiegen, "er liebte den Job wie ein Kind", sagt sie. "Für das Finale hatte er sich etwas Besonderes ausgedacht."

Sie holt ein Foto hervor, es zeigt die Kabinen der Spieler. Jeder Spind bekam stets ein großes Spielerfoto, doch für das Finale hatte er heimlich Fotos aller Familien gemacht und mit auf den Flug genommen. Er wollte sie aufhängen mit dem Spruch: "Werdet Champions für eure Familien."

"Meine beste Therapie ist Chape"

Heute macht sich Jacqueline auf den Weg zur Polizei. Die letzten Habseligkeiten aus Medellín sind angekommen, Taschen, Kleidung, die Witwen sollen sie identifizieren. Sie hofft auf Andersons Reisepass, aber vieles aus dem Wrack ist geklaut worden. Nur der Ehering wurde gefunden, sie trägt ihn an einer Kette um den Hals.

Jacqueline durchsucht die Sachen, aber es ist nichts dabei, keine Tasche, kein Pass, nicht die Fotos der Familien. Nur ein letztes Foto auf dem Handy ist ihr geblieben. Es zeigt sie beide eng umschlungen. Anderson schickte es ihr einen Tag vor dem Unglück, am 27. November, ihrem 13. Hochzeitstag. "Wir feiern nach, Liebling", ließ er sie wissen. Dann stieg er ins Flugzeug. Sie hat einen Job beim Klub bekommen.

Das Stadion ein Tollhaus: Die Anhänger trotzen dem Regen im Süden von Brasilien.

Das Stadion ein Tollhaus: Die Anhänger trotzen dem Regen im Süden von Brasilien.

Sie macht die Stadionansagen auf Spanisch, sie übersetzt bei der Pressekonferenz. "Ich bin Teil des Teams", sagt sie, "ich würde verrückt werden allein zu Hause. Jeder versteht, wenn man mal weint, wir haben alle unsere Lieben verloren." In dem Moment muss sie mal wieder weinen.

Jacqueline sagt: "Ich habe eine Therapie begonnen, aber die half nicht. Am besten fühle ich mich im Stadion, bei der Arbeit mit Spielern, beim Klatschen in der 71. Minute. Ich habe beschlossen: Meine beste Therapie ist Chape."

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