EM 2008 Kommando Luxus


Den deutschen Star-Kickern soll es an nichts mangeln: 20 Millionen Euro beträgt das DFB-Budget für die EM 2008 - mehr als jemals zuvor. DFB-Boss Theo Zwanziger hält die gigantischen Finanz-Aufwendungen für mehr als angemessen - und wagt einen interessanten Vergleich.
Von Jens Fischer und Tim Schulze

In Malente war alles ganz anders. Einkaserniert in der Sportschule gab es vor der Weltmeisterschaft 1982 für die deutschen Kicker nur eines: Fußball, Fußball, Fußball. Unvergessen die Bilder, als sich Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner und Co. in Badehosen auf dem Liegestuhl räkelten, eine Art der Vorbereitung abseits von Luxus, Trainings-Analytik und modernsten High-Tech-Ernährungsplänen.

Die Zeiten haben sich geändert. Schon das deutsche "Sommer-Märchen" bei der WM 2006 im eigenen Land ließ sich der DFB 16 Millionen Euro kosten - ein Budget, in seinen Dimensionen bis zu diesem Zeitpunkt unerreicht. Aber nur der Anfang einer finanziellen Groß-Offensive des DFB, die in diesem Jahr während der EM-Vorbereitung ihren Höhepunkt erreicht hat.

DFB klotzt richtig ran

"Der Etat-Ansatz ist höher als bei der WM", bestätigt DFB-Teammanager Oliver Bierhoff. Um genau zu sein: Der DFB klotzt noch einmal richtig ran und lässt sich die Operation "EM-Titel" in diesem Jahr bis zu 20 Millionen Euro kosten. Eine gigantische Summe, die sich nicht allein mit einem Blick auf den Luxus im noblen EM-Quartier der Deutschen erklären lässt.

Den größten Anteil bilden die Prämien für Spieler und Trainer. Jedem der 23 Spieler winken im Fall des Titelgewinns 250.000 Euro - insgesamt also 5,75 Millionen Euro. Hinzu kommen die Prämien für Bundestrainer Joachim Löw und sein Assistententeam in unbekannter Höhe. Statt Malente war diesmal Mallorca für die Vorbereitung angesagt. Das Trainingslager auf der Balearen-Insel kostete nach Angaben des "Kicker" 800.000 Euro. Die Reisen während der EM schlagen mit 500.000 zu Buche. Bierhoff versicherte, dass kein Geld für unnötige Maßnahmen verschwendet werde. Die erwogene Anmietung eines Helikopters zur Spielbeobachtung sei allerdings fallengelassen worden. Das bringe nichts, sagte der Teammanager.

Spieler schlafen auf Spezial-Matrazen

Der Elite des deutschen Fußballs soll es nichts mangeln. Für das abgeriegelte Nobel-Quartier der Deutschen in Ascona am Lago Maggiore kommen 900.000 Euro zusammen. Dafür wird einiges geboten: In der Tessiner Luxus-Herberge "Giardino" stehen dem 60-köpfigen DFB-Tross 54 Doppelzimmer zur Einzelnutzung und 18 Suiten zur Verfügung. Im elf Kilometer entfernten Trainingszentrum in Tenero fehlt es ebenfalls an nichts. "Wir werden optimale Bedingungen vorfinden und den Spielern auch viele Freiräume verschaffen", schwärmte Bierhoff. Nichts wird dem Zufall überlassen: Der teameigene Sternekoch Holger Stromberg gehört ebenso dazu wie die Spezialmatratzen, auf denen die Spieler schlafen - genau abgestimmt auf Liegegewohnheiten und Wirbelsäulenbeschaffenheit.

Bierhoff rechtfertigt den hohen finanziellen Aufwand mit der optimalen Vorbereitung und Betreuung des DFB-Teams. Das sei angemessen und sinnvoll: "Mich ärgert ein bisschen, wenn man behauptet, für die Nationalmannschaft werden Unsummen ausgegeben." Bei der WM vor zwei Jahren sei ein Gewinn von 5,5 Millionen Euro erzielt worden. Auch diesmal rechnet DFB-Chef Zwanziger mit schwarzen Zahlen. Je besser das deutsche Team abschneidet, desto höher wird der Gewinn ausfallen. Bis zu 23 Millionen kann der neue Europameister kassieren, allein 7.5 Millionen Euro beträgt das Startgeld.

Zwanziger: Die Kuh füttern

Und auch Zwanziger rechtfertigt den finanziellen Aufwand im Hinblick auf die große Erwartungshaltung: "Du musst die Kuh kräftig füttern, ohne dies ist die Milch unten nicht möglich." Es gehe um einen Spitzenerfolg, der mit kleinem Budget nicht realisierbar wäre. "So etwas kann ich nicht machen, wie eine Schulklasse, die eine Jugendherberge besucht".


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