HOME

Stern Logo EM 2008

EM 2008: Portugal marschiert ins Viertelfinale

Wenn alles nach Plan läuft, muss Deutschland auf dem Weg ins Finale diese beiden Mannschaften ausschalten: Portugal und Tschechien. Im Duell um den Gruppensieg offenbarten zwar beide Teams einige Schwächen, aber die portugiesischen Superstars sorgten für den Unterschied.

Von Nico Stankewitz

In der Partie von Portugal gegen Tschechien standen sich Deutschlands vermutliche Gegner in der K.o.-Runde gegenüber. Nach dem 3:1-Sieg der Portugiesen spricht vieles für ein Viertelfinale gegen Tschechien, natürlich vorausgesetzt, die deutsche Mannschaft wird Gruppensieger, sonst ist es umgekehrt. Mit einem Sieg könnte man dann im Halbfinale auf Portugal treffen. Was hat das Schlüsselspiel der Gruppe A für Aufschlüsse über die möglichen Konkurrenten der deutschen Mannschaft gegeben?

Der absolute Schwerpunkt im tschechischen Spiel lag gegen Portugal auf den Standartsituationen. Schon in der ersten Spielhälfte schienen die Offensivspieler von Karel Brückner jederzeit mehr bemüht, Freistöße oder Ecken herauszuholen, als spielerisch die gegnerische Abwehr auszuhebeln. Folgerichtig dann auch das einzige Tor für die Tschechen durch Sionko nach einer Ecke, immer wenn ein ruhender Ball gespielt wurde, hatte Portugal Probleme. Das lag allerdings nicht nur an den gut einstudierten Standarts, sondern auch am flatterhaften und unsicher wirkenden portugiesischen Keeper Ricardo, der gerade mit hohen Bällen Probleme hatte.

Kopfbälle zwecklos

Die tschechische Innenverteidigung mit Rozehnal und Ujfalusi war vorne gefährlich und hatte - wie schon im Spiel gegen die Schweiz - die absolute Lufthoheit im eigenen Strafraum. So verpuffte in diesem Spiel eine wesentliche Waffe der Portugiesen, das gefährliche Flügelspiel. Kopfbälle dürften auch für die deutsche Mannschaft trotz Ballack und Klose kein taugliches Mittel sein. Auch ein Weitschusstreffer dürfte gegen Chelsea-Keeper Petr Cech schwer zu erzielen sein. Was bleibt sind Kombinationen, schnelles Doppelpassspiel und Konter, wo sich Tschechiens Abwehr sehr anfällig zeigte.

Portugal demonstriert Qualität

Der Kader vom ersten Viertelfinalist Portugal gilt als einer der ausgeglichensten aller EM-Teilnehmer. Portugal wird weiterhin zu Recht als Topfavorit auf den Einzug ins Halbfinale gehandelt. Fünf Treffer von fünf verschiedenen Torschützen in den ersten beiden Partien, sind ein beeindruckendes Zeugnis davon, dass Luiz Felipe Scolari in Ermangelung eines Topstürmers eine große offensive Flexibilität aufgebaut hat. Tor durch einen marschierenden Verteidiger (Pepe), einen nachrückenden Mittelfeldspieler (Raul Meireles), Doppelpass durch die Mitte (Deco), Schuss nach Querpass von rechts (Cristiano Ronaldo) oder einen nachrückenden Flügelstürmer (Quaresma) - ein beeindruckendes Potenzial nach zwei Begegnungen. Und dabei hat Kapitän und Mittelstürmer Nuno Gomes noch keinen Turniertreffer erzielt.

Offensive Flügelmonster

Die Mannschaft von Scolari hat mit Ronaldo einen Superstar in ihren Reihen, der als Ballverteiler und Torjäger Spiele alleine entscheiden kann. Schon Ronaldo zu verteidigen ist eine kaum lösbare Aufgabe für jede Abwehrformation, aber Portugal verfügt gleich über vier "Flügelmonster", vier pfeilschnelle, technisch perfekte Außenbahnspieler mit großartiger Schusstechnik und der Fähigkeit zum Schlagen von präzisen Flanken, neben dem Toptorjäger von Manchester United noch sein Vereinskollege Nani, Ricardo Quaresma (Porto) und Simao (Benfica). Nur zwei Spieler aus diesem Quartett können normalerweise gleichzeitig spielen, aber hier hat Scolari ein unglaubliches Potenzial für ein effektives und zwingendes Flügelspiel beisammen.

Es fehlt wohl einzig noch ein Mittelstürmer von Weltklasseformat, ein van Nistelrooy, Luca Toni oder Mario Gomez, dann wäre die Angriffsformation komplett und anbetungswürdig. Insbesondere für die Außenverteidiger wäre ein Halbfinale gegen Portugal ein knallharter Arbeitstag, aber auch Frings und Ballack müssten das Passspiel von Deco entscheidend einschränken, um Portugal besiegen zu können. Vorne braucht man gute Flanken um die Portugiesen zu besiegen, insgesamt wird die deutsche Elf wohl eine Sternstunde benötigen um dieses ausgezeichnete Team zu besiegen.

Wissenscommunity