Interview mit Fernando Meira "Ich kenne die Stärken und Schwächen"


Er kennt Deutschland wie kein anderer aus dem portugiesischem Team: Fernando Meira, Kapitän des VfB Stuttgart. Im Interview mit stern.de sagt der Abwehrspieler, wie er die Chancen vor dem Viertelfinale gegen Deutschland einschätzt.

Sie werden in den nächsten Tagen einiges zu tun haben?
Jetzt bin ich gespannt, was Sie meinen?

Na, wenn Sie mit Portugal jetzt gegen Deutschland spielen?


Ich kenne viele deutsche Spieler natürlich aus der Bundesliga. Das ist sicher ein Vorteil. Ich kenne ihre Spielweise und ihre Stärken.

Und Sie werden Ihre Tipps weitergeben?


Natürlich werde ich das. Ich denke, ich werde vor dem Spiel noch ausführlich mit Scolari reden."

Wie beurteilen Sie die Chancen in einem Spiel gegen Deutschland?
Ich denke, das ist bei 50:50.

Dass Sie gegen Deutschland spielen und nicht gegen Österreich ist also ein Vorteil, weil Sie die Mannschaft besser kennen?


Ich schätze Deutschland generell stärker ein als Österreich.

Obwohl Sie die Spiele der Deutschen in der Vorrunde gesehen haben?


Wir erwarten Deutschland eher in der Form des ersten Spiels. Deutschland hat eine starke Mannschaft, die sich auch in schwierigen Situationen zu wehren weiß. Ich kann Ihnen aber auch versprechen, dass Portugal nicht so spielen wird wie gegen die Schweiz.

Sie waren gegen die Schweiz zum ersten Mal Kapitän, aber Sie haben auch aus einem anderem Grund eine gewisse Beziehung zur Schweiz…


Sie meinen meine Eltern?

Genau.


Ich war ein paar Mal im Urlaub in der Schweiz damals. Es war für alle schwierig, ich blieb daheim in Portugal mit den Großeltern, und meine Eltern haben in der Schweiz in der Nähe von Basel in einem Hotel gearbeitet, um Geld zu verdienen. Diese Zeit hat mich sehr geprägt und mich vieles gelehrt. Fußball war meine einzige Chance, mich in meinem Leben durchzusetzen.

Wie alt waren Sie, als ihre Eltern in die Schweiz gingen?
Ich war acht, sie haben sieben oder acht Jahre in der Schweiz gearbeitet. Ein Jahr vorher hatte ich mit Fußball angefangen und bin in die Schule gegangen. Ich habe darauf geachtet, dass beides gut lief, das war ich meinen Eltern schuldig. Jetzt sind sie wieder in Guimareas."

Für viele gehört Portugal zu den Geheimfavoriten der EM…


Die Erwartungen sind sehr hoch. Wir sind weiter als bei der EM 2004. Die Leute haben auch die WM 2006 gesehen, und sie haben gesehen, dass wir uns als Mannschaft wieder weiterentwickelt haben.

Wer wird für Sie der Star der EM werden?


Ronaldo, eindeutig. Er kann nicht nur schön spielen, er kann auch kämpfen. Ich bin mir sicher, dass er die prägende Persönlichkeit der EM wird.

Ist einer wie Ronaldo nicht auch ein Nachteil, weil sich der Gegner nur auf ihn konzentrieren muss?


Wir haben noch einige andere im Team, die besondere Fähigkeiten haben. Denken sie an Deco, an Hugo Almeida und an Quaresma. Ronaldo weiß, er muss nicht alles alleine machen, wir werden ihm helfen. Aber es ist normal für alle, dass er auf einem anderen Niveau spielt als alle anderen.

Und wenn er mal schlecht spielt?


Schlecht ist er immer noch gut, wenn er schlecht spielt, hat er immer noch einen guten Tag. Solche Spieler, zu denen ich auch Messi, Kaka oder Lampard rechne, sind immer schwer zu halten.

Er ist ihr Kapitän, dabei ist er erst 22 Jahre alt?


Das zeigt, wie reif er ist für eine solche Position. Er ist nicht aus Zufall Kapitän, er hat seine Persönlichkeit entwickelt und hat eine enorme Ausstrahlung.

Wo sehen sie Ihre Position?


Das spielt keine Rolle, ich sehe mich als Mannschaftsspieler und bin nicht einer, der eine Position fordert. Die letzten zwei Spiele habe ich im Mittelfeld vor der Abwehr gespielt. Dass ich auch in der Viererkette spielen kann, ist sicher ein Vorteil. Unser Trainer Scolari legt zu recht viel wert auf mannschaftliche Geschlossenheit.

Was für ein Typ ist Scolari?


Er ist ein Trainer mit unheimlich viel Erfahrung, der auf Disziplin Wert legt, aber auch viel Spaß haben will. Es geht ihm um die Mannschaft, und er sucht Spieler, die eine Mannschaft werden können.

Auf ihrer Homepage sagen sie, dass sie am meisten von José Mourinho gelernt haben?


Mourinho kommt für viele arrogant rüber, aber das ist nicht so. Er ist ein unheimlich offener Typ, er ist im Training nicht nur dein Trainer, sondern auch dein Freund. Man hat den Eindruck, Ihm fällt immer etwas Neues ein, es ist nie langweilig.

Es gab lange bestimmte Urteile über Portugals Nationalmannschaft, schöner Fußball sei das zwar, aber zu wenig effektiv?


Ich denke, wir haben mit Mourinho viel gelernt, er hat uns gezeigt, dass man auch mal für ein Ergebnis spielen muss, was manchmal nicht so schön aussieht.

Interview: Oliver Trust

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