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Nach Attacke des Zentralrats der Juden: DFB irritiert über Kritik an Auschwitz-Besuch

"Kolossale Geschmacklosigkeit": Der Zentralrat der Juden lässt kein gutes Haar am Besuch einer DFB-Delegation im ehemaligen KZ Auschwitz. Beim Fußballverband sorgt die Kritik für Kopfschütteln.

Die Anreise der deutschen Fußballnationalmannschaft ins EM-Quartier in Danzig wird von einer heftigen Attacke des Zentralrats der Juden überschattet. Deren Präsident Dieter Graumann hatte am Sonntag mit scharfen Worten den Besuch einer Delegation es Deutschen Fußballbundes im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz kritisiert. In einer Rede beim Gemeindetag des Zentralrats in Hamburg warf Graumann insbesondere Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff "kolossale Gefühllosigkeit und Geschmacklosigkeit" vor.

Der Zentralratspräsident wertete den DFB-Besuch als verpasste Chance. Insbesondere die Tatsache, dass nur drei Nationalspieler an der Veranstaltung teilgenommen hatten, stieß Graumann sauer auf: "Wenn die komplette Nationalmannschaft gekommen wäre, hätte man damit Hunderttausende junger Menschen erreicht, mehr als mit tausend Gedenkreden."

Die Nationalmannschaft war in der Delegation um DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in Auschwitz von Bundestrainer Joachim Löw, Manager Oliver Bierhoff und den Nationalspielern Philipp Lahm, Lukas Podolski und Miroslav Klose vertreten worden. Als Gegenbeispiel verwies Graumann in seiner Tirade auf das englische Nationalteam, das die Gedenkstätte mit der gesamten Mannschaft besuchen werde.

Keine Stellungnahme vom DFB

Offiziell will man sich beim DFB zu den Attacken nicht äußern. Manager Bierhoff hatte zuvor stets betont, das Gedenken klein halten zu wollen, um "keine PR-Aktion" daraus zu machen. Das Medienecho auf den Besuch war durchaus positiv. Viele Kommentatoren würdigten das Gedenken der Nationalspieler als vorbildliche Geste und wichtiges Signal.

Vor diesem Hintergrund sorgt die Kritik des Zentralrats der Juden beim Verband für verständnisloses Kopfschütteln. Vor allem, da Graumann, wie es heißt, über die Art und Durchführung des DFB-Besuchs in Auschwitz im Vorfeld stets informiert gewesen sein soll.

kng

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