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Gewalt bei der EM Zahlreiche Verletzte bei Fan-Krawallen in Warschau


Während des EM-Spiels Polen gegen Russland ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Hooligans aus beiden Ländern und der Polizei gekommen. Polens Innenminister Jacek Cichocki sprach von dem "bislang größten Sicherheitsproblem".

Am Rande des EM-Fußballspiels zwischen Polen und Russland am Dienstagabend in Warschau hat es in der polnischen Hauptstadt schwere Krawalle gegeben. Die Polizei ging mit Tränengas, Gummigeschossen und Wasserwerfern gegen Fußballfans vor und nahm nach eigenen Angaben 184 Hooligans fest. Sieben Polen, zwei Russen und ein deutscher Anhänger sowie zehn Polizisten wurden bei den Ausschreitungen leicht verletzt.

Unter den Festgenommenen waren nach Polizeiangaben 157 Polen, 24 Russen sowie ein Spanier, ein Ungar und ein Algerier. Polens Sportministerin Joanna Mucha äußerte sich "schockiert und beschämt" über die Vorfälle. Die Hooligans hätten nichts mit "echten Fußballfans" gemeinsam. Innenminister Jacek Cichocki sagte, das Fußballspiel habe Warschau vor "das bislang größte Sicherheitsproblem" gestellt. Angesichts der historisch belasteten Beziehungen beider Länder und der dadurch aufgeheizten Stimmung war die Polizei mit rund 6000 Beamten im Einsatz.

Cichocki erklärte, gegen die Festgenommenen würden schnelle rechtliche und administrative Schritte eingeleitet. "Wir wollen, dass die Strafen weh tun", sagte der Minister. Für die russischen Staatsbürger könnte das die Ausweisung bedeuten.

Provokationen von beiden Seiten

Den Krawallen war ein Marsch russischer Fans durch das Stadtzentrum der polnischen Hauptstadt vorausgegangen. Die von Polizisten flankierten russischen Fans riefen "Wir sind gekommen, um zu gewinnen" und "Russland, Russland", als sie zum Stadion marschierten. Viele schwenkten weiß-blau-rote Russland-Flaggen - am Dienstag war zugleich russischer Nationalfeiertag.

Am Stadion riefen dutzende Polen russlandfeindliche Parolen, dabei wurde ein Böller geworfen. Daraufhin warfen einige Russen Flaschen auf Polen. Die Polizei hatte die Lage jedoch schnell unter Kontrolle. Sie setzte Wasserwerfer, Tränengas, Hunde und Gummigeschosse ein, um die polnischen Hooligans auseinanderzutreiben und die beiden Lager zu trennen.

Nach polnischen Angaben hielten sich rund 12.000 russische Fans im Warschauer Stadion und auf den Fanmeilen der Stadt auf. 9800 Russen und 29.300 Polen hatten laut Polizei Eintrittskarten für das EM-Vorrundenspiel. Vor Beginn der Begegnung entrollten die russischen Fans im Stadion ein riesiges Spruchband mit einem Reiter mit Schild und Schwert und der englischen Aufschrift "This is Russia" ("Das ist Russland"). Das 1:1-Unentschieden schien die Gemüter zu beruhigen. Nach dem Spiel wurden keine bedeutenden Vorkommnisse gemeldet.

Dank eines Traumtors von Jakub Blaszczykowski kann Polen weiter auf den Viertelfinal-Einzug hoffen. Der Dortmunder Flügelspieler rettete seiner Mannschaft im brisanten Duell mit Russland ein 1:1 (0:1) - und dennoch steht Polen gegen Tschechien am Samstag in Breslau mit dem Rücken zur Wand. Ein Sieg: K.o.-Runde, kein Sieg: das Aus. Russland reicht schon ein Unentschieden gegen Griechenland für den Einzug in die Runde der letzten Acht.

jat/AFP AFP

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