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Erinnerung an Landsberg-Haft: Klatschreporter Graeter weiß, was Hoeneß erwartet

Uli Hoeneß sitzt jetzt in der Justizvollzugsanstalt Landsberg ein. Society-Reporter Michael Graeter beschreibt das Leben dort - auch er hatte in dem Gefängnis schon eine Zelle.

Vor sechs Jahren überraschte mich die Polizei in meinem Züricher Hotelzimmer und ich musste für 239 Tage ins Gefängnis. Irgendetwas war mit meinen Finanzen falsch gelaufen, gegen mich gab es einen internationalen Haftbefehl. Meiner Meinung nach war ich natürlich unschuldig, aber das wollte keiner hören. Wie mein guter Bekannter Uli Hoeneß durfte auch ich die staatliche Fürsorge in Landsberg genießen.

Vergleicht man die Hotels der Kette "Vier-Eisenstangen", dann hat diese Justizvollzugsanstalt immerhin einen Stern verdient. Das bayerische Alcatraz ist noch das beste schlimme Übel, das man erwischen kann.

Acht Monate, davon sechs in Hitlers ehemaliger Zelle im Hospital-Trakt (Nr. 104, mit warmem Wasser und TV rund um die Uhr), saß ich in Landsberg ein. Graeter, Michael, Häftlingsnummer 10108. Trug Blaumann statt Ralph Lauren, trank Selters statt Schampus. Hatte 42 Euro Taschengeld zur Verfügung, noch einmal 16 Euro in Briefmarken, mit denen man Deo kaufen konnte. Monatlich.

Der Uli wird schneller und leichter nach Landsberg gekommen sein als ich, wahrscheinlich wurde er in einer Limousine von seinem Haus am Tegernsee nach Landsberg chauffiert. Mich brachten die Züricher Behörden in einem Privatauto zur deutschen Grenze. Danach ging es in einer qualvollen Gefängnisbus-Safari von Konstanz durch ganz Süddeutschland bis nach Landsberg, weil es keine direkten Verbindungen gab. Meine rauchfreie Zelle im Bus war halb so geräumig wie ein Telefonhäusl.

Um sechs Uhr wird gefrühstückt

Wenn Uli Hoeneß das Glück hat, wegen Bluthochdruck oder Herzbeschwerden im Knast-Hospital von Landsberg zu landen, wird es ein bisschen leichter für ihn. Während im Haupthaus bereits um 20 Uhr die Schotten dicht gemacht werden, geht es in der Klinik-Abteilung etwas legerer zu. Die Einschlusszeiten im Spital werden von Wärter zu Wärter verschieden gehandhabt.

Das Frühstück gibt es zu Messdiener-Zeiten um sechs Uhr, das Mittagessen auf Porzellantellern schon um zehn Uhr und das Abendessen bereits um 14 Uhr, bestehend aus Fisch und Wurst in Dosen. Der Insider schwört seinem römisch-katholischen Glauben ab und bestellt "Moha“, ein Menü für Moslems, das meist besser schmeckt.

Beten mit Mördern, Räubern und Sexverbrechern

Die wenigen Abwechslungen in der stumpfsinnigen Knast-Zeit sind neben ausführlicher Körperpflege und Memoiren-Notizen der Hofgang und der sonntägliche Gottesdienst in der Anstaltskirche. Bei schönem Wetter wird der "Ausflug" hinter Gittern zu einem Marktplatz der gestrandeten Seelen. Die Häftlinge sitzen auf Bastmatten, die es für einen Euro im Gefängnis-Discounter gibt, dicht gedrängt wie Urlauber am Strand von Rimini. An Gerätestangen wird eifrig geturnt, um für das Defilee der Kochsalz-Muckis gut auszusehen.

In der Kirche sitzt man - das wird Uli interessieren - wie auf einer Tribüne, wie in einer Sporthalle. Mörder, Bankräuber, Sexualverbrecher, Wirtschaftsdeliktler und Straßenverkehrssünder beten gemeinsam das Vaterunser.

Die drei mörderischen "Zs"

Einmal pro Monat darf, so die Landsberger Strafanstalt-Hausordnung, die Familie zu Besuch kommen. Für mich waren das Sonnentage.

Zur Haftstrafe dazu kommt eine mörderische Begleitmusik - es sind die drei "Zs": der Zusammenbruch des Berufslebens, die Zerreißprobe für Ehe und Familie, sowie die Zerstörung der Gesundheit. Langzeithäftlinge trifft ein weiterer K.o.-Schlag, wenn das Geld ausgeht und die Anwälte abspringen. Das trifft bei Hoeneß weniger zu. Ihm wird es besser gehen, denn hinter ihm steht eine Frau mit Eisenherz: seine Susi.

Von Michael Graeter / print

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