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Haftantritt in JVA Landsberg Hoeneß könnte in zehn Monaten ein (halb-)freier Mann sein


Insgesamt 28,5 Millionen Euro Steuern hat Uli Hoeneß hinterzogen. Nun hat er seine Haftstrafe in Landsberg angetreten. Wenn alles gut geht, wird er in zehn Monaten als Freigänger wieder rauskönnen.

Zwölf Wochen nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung hat Uli Hoeneß nun seine Haftstrafe angetreten. Seit dem heutigen Montag ist der frühere Präsident des FC Bayern im Gefängnis in Landsberg am Lech. "Ulrich Hoeneß hat heute die gegen ihn verhängte Freiheitsstrafe in der JVA Landsberg angetreten", teilten seine Anwälte am Montag in München mit.

Zahlreiche Journalisten und Schaulustige warteten am Montag vor dem Gefängnis. Kurz vor zwölf Uhr fuhr eine silberne Limousine durch den Seiteneingang. Ob sich Hoeneß darin befand, ist unklar.

Der 62-Jährige war Mitte März wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. In sieben Fällen hat er mit einem Geheimkonto in der Schweiz insgesamt 28,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen. Hoeneß' Selbstanzeige vom Januar 2013 wertete das Gericht als unzureichend.

Laut "Bild" will Hoeneß zunächst darauf verzichten, einen Antrag als Freigänger zu stellen. Damit wird er also nicht - wie vorab gemunkelt - bloß kurz einsitzen und sich dann doch draußen bewegen dürfen.

Hoeneß hat Angst um seine Privatsphäre

Hoeneß wird in der JVA Landsberg einsitzen. Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte seinen Antrag abgelehnt, seine Haftstrafe in einer anderen Justizvollzugsanstalt anzutreten. Hoeneß sah seine Privatsphäre verletzt, da die Justiz Ende März mehr als 150 Journalisten durch die JVA geführt hatte. Außerdem befürchtete der ehemals wohl mächtigste Mann im deutschen Fußball, Mithäftlinge oder Justizbeamte könnten Details aus seinem Alltag hinter Mauern ausplaudern.

Zunächst muss Hoeneß seine Strafe im sogenannten geschlossenen Vollzug absitzen. Der offene Vollzug beginnt üblicherweise 18 Monate vor dem voraussichtlichen Haftende. Hoeneß könnte bei guter Führung nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe entlassen werden, also nach zwei Jahren und vier Monaten. Das wäre im Herbst 2016. Zieht man davon die 18 Monate ab, dürfte Hoeneß bereits nach rund zehn Monaten, also im nächsten Frühjahr, mit spürbar gelockerten Haftbedingungen rechnen, mit Ausgang, Urlaub und Freigang. Freigänger kehren abends in die Zelle zurück. Tagsüber gehen sie in relativer Freiheit einer geregelten Arbeit nach.

Einen Tag nach dem Urteilsspruch erklärte Hoeneß, er werde die Haftstrafe akzeptieren und auf eine Revision verzichten. Daraufhin ließ auch die Staatsanwaltschaft die Revision fallen. Hoeneß trat zudem als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern zurück.

jen/DPA DPA

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