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Rechtskräftiges Hoeneß-Urteil Kurz in den Knast - und dann Freigang


Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf Revision im Hoeneß-Prozess. Wann muss Uli Hoeneß jetzt ins Gefängnis? Und ab wann kann er auf Freigang hoffen? Die drängendsten Fragen im Überblick.
Von Felix Haas

Ist das Urteil jetzt schon rechtskräftig?

Ja. "Das Urteil in der Strafsache gegen Ulrich H. ist rechtskräftig", teilt das Landgericht München II mit. Verteidigung und Staatsanwaltschaft verzichten auf Revision und haben dies dem Gericht in einer sogenannten Rechtsmittelverzichtserklärung mitgeteilt.

Ab wann muss Uli Hoeneß ins Gefängnis?

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Hoeneß seine Strafe in etwa sechs Wochen antreten muss. In rund vier Wochen rechnet sie mit der schriftlichen Urteilsbegründung. "Dann werden wir die Vollstreckung einleiten", sagt ein Sprecher. Außerdem gehe ein Aufnahmeersuchen an die Justizvollzugsanstalt Landsberg – dort wird Hoeneß seine Strafe voraussichtlich absitzen. Dass Hoeneß einen Aufschub der Strafe beantragt, ist unwahrscheinlich. Grundsätzlich möglich wäre allerdings ein Strafaufschub für maximal vier Monate. Nur in diesem Fall könnte Hoeneß übrigens noch das Champions-League-Finale am 24. Mai und die Fußball-Weltmeisterschaft in Freiheit erleben.

Wie sind die Haftbedingungen in Landsberg?

So viel steht fest: Uli Hoeneß wird keinen Promi-Bonus bekommen, das betont der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten in Deutschland, Anton Bachl. Hoeneß, der bislang in einem großzügigen Anwesen am Tegernsee wohnte, hat keinen Anspruch auf eine Einzelzelle, auch wenn er wahrscheinlich eine bekommen wird. Eine Einzelzelle ist zwischen acht und zehn Quadratmeter groß. Darin gibt es ein Bett, einen Schrank, einen Tisch, einen Stuhl und einen Nassbereich mit Waschbecken und einer separaten Toilette. Die Gemeinschaftsduschen sind auf dem Flur. Jeder Häftling in Bayern ist zur Arbeit verpflichtet - es sei denn, es sprechen gesundheitliche Gründe dagegen.

Wann erhält Uli Hoeneß Freigang?

"Anders als zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen ist in Bayern eine sofortige Ladung in den offenen Strafvollzug nicht möglich", betont Strafrechts-Anwalt Rainer Pohlen gegenüber stern.de. Es sei allerdings davon auszugehen, dass Hoeneß relativ kurzfristig vom geschlossenen in den offenen Vollzug überstellt wird. Heißt: Im Idealfall würde Hoeneß schon nach weniger als einem halben Jahr zum Freigänger, könnte tagsüber arbeiten und müsste nur abends in seine Zelle zurückkehren. Voraussetzung sei, dass ausgeschlossen werden könne, dass Hoeneß weitere Straftaten begeht oder vor der Strafe flieht. Da von Hoeneß keine Straftaten oder Flucht zu erwarten seien, sei seine Chance groß, nach wenigen Monaten Freigang zu erhalten, glaubt Pohlen.

Kann Hoeneß auf eine vorzeitige Entlassung hoffen?

"In der Regel erfolgt die Strafentlassung auch bei Ersttätern nach Verbüßung von zwei Dritteln der verhängten Strafe", sagt Rainer Pohlen. Doch der Anwalt betont, dass im Gesetz auch die Möglichkeit genannt werde, die Haftstrafe schon nach der Hälfte der Zeit auf Bewährung auszusetzen. Das bedeutet: Im Normalfall darf Hoeneß das Gefängnis spätestens nach 28 Monaten auf Bewährung verlassen. Im Idealfall kann er sogar nach 21 Monaten, sprich im Dezember 2015, in seinem Haus am Tegernsee schlafen.

Ist der Fall Hoeneß jetzt abgeschlossen?

Juristisch ja. Er ist verurteilt, hat sein Urteil angenommen und wird ins Gefängnis gehen. Allerdings wurden in dem viertägigen Prozess zahlreiche Fragen aufgeworfen und nicht beantwortet. Unklar ist nach wie vor, wie genau die unglaublichen Summen von zeitweise mehr als 150 Millionen Euro auf das Schweizer Konto des Ex-Bayern-Bosses kamen. Außerdem entdeckte die zuständige Steuerfahnderin zahlreiche Lücken in den kurzfristig zur Verfügung gestellten und rund 70.000 Seiten umfassenden Steuerunterlagen. Das Gericht nahm in seinem Urteil den für Hoeneß bestmöglichen Fall an. Wie viele Steuern er tatsächlich insgesamt hinterzogen hat, ist nach wie vor unklar.

Von Felix Haas mit Agenturen

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