HOME

EURO 2004: Italien fürchtet "skandinavische Verschwörung"

Spannendes Finish in der Gruppe C mit Skandal-Potenzial: Dänemark und Schweden könnten sich mit einem hohen Unentschieden beide fürs Viertelfinale qualifizieren und Italien aus dem Turnier kegeln.

Im spannenden Finale der Gruppe C um den Einzug ins EM-Viertelfinale fürchten die Italiener eine "skandinavische Verbrüderung." Möglicherweise hilft den "Azzurri" am Dienstag gegen Bulgarien nicht einmal ein Sieg, wenn die beiden Konkurrenten Dänemark und Schweden (beide 4 Punkte) ihr Duell mit einem torreichen Remis (ab 2:2) beenden. Im Duell der Nordländer qualifiziert sich sonst wohl nur der Sieger der Partie für die nächste Runde. Schweden genügt in jedem Fall ein Unentschieden. Dänemark wäre - wenn Italien siegt - bei einem 0:0 draußen und müsste bei einem 1:1 hoffen, dass der dreimalige Weltmeister nicht höher als mit einem Tor Unterschied gegen Bulgarien gewinnt.

Nervenflattern der Italiener

Vor dem Gruppenfinale ging es im "Casa Azzurri" wieder hoch her. Der noch torlose Stürmerstar Christian Vieri holte zur großen Presseschelte aus und sorgte mit einem Wutausbruch für einen Eklat. "Ihr massakriert uns", schimpfte der Stürmer, nachdem Italiens Reporter über einen laut Vieri frei erfundenen Streit zwischen ihm und Torwart Gianluigi Buffon nach dem unglücklichen 1:1 gegen Schweden berichtet hatten. "Ich rede mit keinem mehr" erklärte der Inter Mailand-Star. Auch Buffon bestritt den Krach und gab der Presse die Mitschuld an den bisherigen Misserfolgen. "Ihr tut alles, damit wir nicht siegen", klagte der Juve-Torwart.

Empörte Reaktionen bei den Skandinaviern

Spekulationen über einen nordischen Pakt wurde bei den Skandinaviern energisch widersprochen. "Das ist doch lächerlich. Wir sind ehrliche Menschen und gehen raus um zu gewinnen", sagte Dänemarks Coach Morten Olsen. Auch Schwedens Trainer Lars Lagerbäck meinte: "Das wäre doch genauso falsch und unsportlich wie das Spucken von Totti."

Nur Sand plappert

Die Dänen machen keinen Hehl daraus, dass sie am liebsten gemeinsam mit Schweden in die nächste Runde einziehen wollen. "Das wäre doch super und die Italiener müssten dann nach Hause fahren", sagte Schalke-Profi Ebbe Sand. Auch Trainer Morten Olsen sagte: "Es ist schade, dass wir schon so früh aufeinander treffen. Am liebsten würden wir im Finale gegen Schweden spielen".

Doch Torhüter Thomas Sörensen stellte klar: "Es geht in erster Linie um unsere Chance, das Viertelfinale zu erreichen. Dafür müssen wir unser äußerstes geben", sagte der dänische Schlussmann, der als einziger Keeper im Turnier noch ohne Gegentreffer ist.

Schweden und Dänen überzeugen bislang

Sportlich haben beide Teams im Turnier bislang überzeugende Leistungen gebracht. Die Schweden setzten ihre Akzente mit ihrem Supersturm Henrik Larsson und Zlatan Ibrahimovic. Die sonst so offensivfreudigen Dänen zeigten vor allem im Auftaktspiel gegen Italien eine sehr starke Abwehrleistung und gaben sich vor der entscheidenden Partie optimistisch. "Wir wissen, was wir können, auch wenn uns keiner auf der Rechnung hat", meinte Verteidiger Thomas Helveg.

Für Bulgarien endet die zweite Endrunden-Teilnahme im Desaster. Nach den beiden verlorenen Spielen gegen Schweden und Dänemark stand das Ausscheiden bereits vorzeitig fest. "Jetzt wollen wir uns wenigstens gegen Italien anständig verabschieden", meinte Trainer Plamen Markow, dessen Zukunft als Nationaltrainer ungewiss ist.

Morten Ritter und Bernhard Krieger, DPA / DPA

Wissenscommunity