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Fanangriff auf HSV-Spieler: Tränen, Wurfgeschosse und demolierte Autos

Der Hamburger SV taumelt auf den Abgrund zu. Nach der sechsten Niederlage in Folge griffen wütende Fans die eigenen Spieler an und demolierten deren Autos.

Nach der Rekord-Niederlage des Hamburger SV hat sich die Wut einiger Fans in bislang nicht gekannter Weise entladen und auch die Spieler des taumelnden Fußball-Bundesligisten getroffen. Als einige HSV-Profis gemeinsam mit Clubchef Carl Jarchow nach dem 0:3 (0:3) gegen Hertha BSC auf einem Parkplatz vor dem Stadion die aufgebrachte Menge beruhigen wollte, kam es am Samstagabend zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Spielern. Etwa 300 HSV-Anhänger versammelten sich auf dem Parkplatz vor der Haupttribüne und schrien immer wieder: "Vorstand raus!" Als die Spieler das Stadion verließen, geriet die explosive Situation außer Kontrolle. Die Fans bewarfen die eigenen Spieler mit allem, was greifbar war. Jacques Zoula wird am Kopf getroffen und bricht auf dem Platz zusammen. Der Stürmer ist so fassungslos über die Wut der Fans, dass er in Tränen ausbricht. Danach wird Ola John von den Fans gestellt. Sie kreisen das Auto des Holländers ein und wollen ihn nicht vom Platz lassen. Andere Fans traten auf die Autos der Spieler ein. Nicht alle Fans waren mit der Attacke einverstanden. Als einige ihre Spieler schützen wollten, kam es zu Handgreiflichkeiten unter den Fans, bei denen mindestens ein HSV-Anhänger am Kopf verletzt wurde. Die Polizei musste die rivalisierenden Fangruppen trennen.

Die Szenen vor der HSV-Arena waren unrühmlicher Höhepunkt eines sportlich erneut desaströsen Abends für die Hanseaten. Immer weiter trudelt das Liga-Gründungsmitglied Richtung Abstieg, hält aber entgegen aller Mechanismen des Geschäfts unverdrossen an Trainer Bert van Marwijk fest. Nach historischen sechs Pleiten in Serie liegt der HSV weiter auf dem vorletzten Tabellenplatz. "Wir haben kein Trainerproblem, sondern ein Verteidigerproblem. Der Trainer bleibt definitiv", sagte Kreuzer in den Stadionkatakomben.

Einige Fans reagierten schon im Stadion auf den traurigen Negativrekord in der 51-Jährigen Bundesliga-Geschichte des HSV aggressiv und beschimpften allen voran Kapitän Rafael van der Vaart.

"Schlechter kann es fast nicht kommen", sagte van Marwijk. "Ich laufe nicht weg. Ich fühle mich voll verantwortlich für diese Situation." Zweimal Torjäger Adrian Ramos (23., 38 Minute) und Sami Allagui (16.) erzielten vor 48 593 Zuschauern in der Arena im Volkspark die Treffer für die Gäste, die damit 2014 ihren ersten Sieg verbuchten. Die Berliner können nach verpatztem Rückrundenauftakt mit zwei Niederlagen aufatmen. Sie richten den Blick als Siebter sogar wieder zu den internationalen Startplätzen.

"Mir fehlen die Worte", gestand Abwehrchef Heiko Westermann. "Wir sind am Anfang viel gelaufen, haben aber den Gegner stärker gemacht." Dagegen herrschte bei den Berlinern Ausgelassenheit. "Das war ein sehr gelungenes Auswärtsspiel. Über 90 Minuten war der Sieg nicht gefährdet", stellte Gäste-Coach Jos Luhukay mit Genugtuung fest.

Beim Krisen-HSV verschärft sich die desaströse Situation dagegen immer weiter. "Dass das heute ganz schlecht war, können wir nicht schön reden. Wir sind in einer Situation, da dürfen wir nicht auseinanderbrechen", sagte HSV-Torwart René Adler, der ein bitteres Comeback nach seiner Verletzung erlebte. "Es klemmt überall. Ich kann nur betonen. Es ist wichtig, dass wir zusammenstehen." Der Trainer habe absolute Rückendeckung. "Ihn brauchen wir als führungsstarke Persönlichkeit", sagte Adler.

Die erhoffte Trotzreaktion des HSV war nur in den ersten Minuten zu sehen. Da zeigten die Profis Leidenschaft und Kampfgeist, ohne allerdings gefährlich zu werden. Selbst aus dem verletzungsbedingten Fehlen von Hertha-Kapitän und Abwehrchef Fabian Lustenberger konnten die Gastgeber keinen Nutzen ziehen.

Eigentlich hätte eine Aktion von Adler das Signal zum Aufbäumen sein müssen. Er parierte in der 15. Minute einen von Westermann verschuldeten Foulelfmeter von Ramos. Doch wenige Sekunden später patzte die HSV-Abwehr wie so oft in letzter Zeit, und Allagui beförderte den Ball zum 1:0 für Hertha ins Tor.

Danach wurden die Gastgeber gegen die keineswegs brillierenden, Gäste immer nervöser. Sie wollten zwar, aber sie konnten nicht. Verunsichert gingen die Profis in die Zweikämpfe, verloren diese zumeist und leisteten sich reihenweise technische Fehler. Die Torgefahr tendierte gegen null. Vor allem Jacques Zoua verstolperte den Ball ein ums andere Mal. Er traute sich erst gar nicht, aufs Tor zu schießen. Hertha-Leihgabe Pierre-Michel Lasogga, der mit neun Toren gefährlichste HSV-Stürmer, saß nach auskuriertem Muskelfaserriss nur auf der Bank.

Als Innenverteidiger Johan Djourou, der den Platz des nervlich angeschlagenen 17-jährigen Jonathan Tah in der Startelf eingenommen hatte, Hertha-Torjäger Ramos zum 2:0 einköpfen ließ, war es endgültig um die Hamburger geschehen. Die Berliner zogen fortan ihr Kombinationsspiel auf, der HSV lief hinterher. Schließlich ließ Ramos seinem Gegenspieler Djourou erneut stehen und schoss zum 3:0 ein.

So bauten die Hamburger ihre eklatante Heimschwäche aus. Nur zwei von zehn Partien im eigenen Stadion wurden in dieser Saison gewonnen. Dabei hatte die Statistik zuvor für die Norddeutschen gesprochen: In zehn Heimspielen zuvor hatten sie gegen die Berliner nicht verloren.

Kra/HSV

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