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Kampf um Unabhängigkeit: Fliegt der FC Barcelona aus der spanischen Liga?

Am Sonntag wird über die katalanische Unabhängigkeit von Spanien entschieden. Im Streben der Region nach Eigenständigkeit ist der FC Barcelona ein wichtiges Symbol - doch die Folgen für den Weltklub könnten schwerwiegend sein.

Lionel Messi fasst sich nachdenklich an den Kopf

Lionel Messi und der FC Barcelona: "Der Klub ist eine Geisel seiner Ideologie geworden"

Katalonien hat eine eigene blau-rote "Armee": Der FC Barcelona ist die Sturmtruppe der Katalanen, die bei ihrer Regionalwahl am Sonntag darüber entscheiden, ob die Befürworter einer Unabhängigkeit von Spanien die Mehrheit bekommen. Auch für die Starfußballer von "Barça" könnte diese Wahl zukunftsweisend sein: "Wenn Katalonien unabhängig ist, wird Barça nicht mehr in der Ersten Liga Spaniens spielen können", befürchtet der Präsident des Clubs.

Die Fans des auch international erfolgreichen katalanischen Clubs stehen vor einem Dilemma. In ihrem Stadion Camp Nou wird jede Woche ein Meer aus gelb-rot-blauen Unabhängigkeitsfahnen geschwenkt. Das Wort "Unabhängigkeit" wird häufiger skandiert als der Name ihres Idols, des Stürmers Lionel Messi. Eine Banderole ist in dem Stadion dauerhaft ausgespannt: "Katalonien ist nicht Spanien", steht darauf.

Doch ihren Club wollen die Fans natürlich auch nicht auf Regionalliganiveau spielen sehen. Obwohl der Club sich im Jahr 2014 einer Plattform von Organisationen für ein Unabhängigkeitsreferendum anschloss, erklärt er offiziell, dass er im aktuellen Wahlkampf "neutral" sei. "Der Club hat immer gezeigt, dass er sich aus dem Wahlkampf raushält, wir haben immer über Sport geredet und keinen Wahlkampf gemacht", versicherte Barça-Präsident Josep Maria Bartomeu kürzlich.

Pep Guardiola als Vorreiter im Unabhängigkeitskampf

Einer der offensten Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens ist allerdings der einstige Barça-Trainer Pep Guardiola, der heute bei Bayern München ist. Die Loslösung von Spanien sei nur eine Frage der Zeit, sagte der 44-jährige der Zeitung "El Punt Avui" und fügte hinzu: "Es gibt keinen Weg zurück." Er kandidiert sogar bei der Wahl, allerdings nur auf einem symbolischen letzten Listenplatz des breiten Bündnisses für die Unabhängigkeit "Junts pel Sí" ("Zusammen für das Ja").

Der traditionsreiche FC Barcelona ist schon seit fast einem Jahrhundert ein Symbol für das Streben der Katalanen nach mehr Eigenständigkeit. Schon seit dem Jahr 1918 habe der Club eine katalanische Autonomie verlangt, berichtet der Historiker Carles Santacana. Vor allem aber während der Franco-Diktatur der Jahre 1939 bis 1975, während der die katalanische Sprache und Kultur unterdrückt wurden, sei der Fußballverein "eine Insel der Freiheit" gewesen. "Man konnte dort öffentlich Katalanisch sprechen, ohne Gefahr, und man hörte sogar Lieder auf Katalanisch", erzählt Santacana.

Auch der Schriftsteller Manuel Vázquez Montalbán sieht in dem Club "die symbolische Truppe Kataloniens ohne Waffen". Nach dem Ende der Franco-Diktatur wurde die politische Bedeutung des Vereins zwar geringer, doch mit dem Aufschwung der Unabhängigkeitsbewegung ab den 2000er Jahren änderte sich das wieder.

Der Club stellte sein Stadion für Kundgebungen der Unabhängigkeitsbewegung zur Verfügung, und auf einem der Barça-Trikots ist die katalanische Flagge zu sehen. Barça-Fans pfiffen bei hochrangigen Spielen die spanische Hymne aus, so dass ihrem Verein kürzlich sogar eine Strafe von 66.000 Euro aufgebrummt wurde.

Espanyol Barcelona als einzig verbleibender Gegner

Neben Barça hat in Katalonien nur ein einziger Verein, Espanyol Barcelona, noch Erstligaformat. In Madrid malt Sportstaatssekretär Miguel Cardenal daher eine düstere Zukunft für Barça-Fans: Im Fall einer Unabhängigkeit Kataloniens werde der FC Barcelona nie mehr Weltklasseclubs wie Ajax Amsterdam besiegen können.

Daniel Bosque, AFP
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