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FC Bayern feiert Uli Hoeneß: Tränen, Jubel und kein bisschen Demut

Er war zu Tränen gerührt - und gab sich kämpferisch wie eh und je: Uli Hoeneß wurde auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern vorbehaltlos gefeiert - trotz Steueraffäre! Nach Demut klang das nicht.

Von Maik Rosner, München

Hauptversammlung des FC Bayern: Die Tränen des Uli Hoeneß

Die Schlussworte gehörten noch einmal Uli Hoeneß - lange, nachdem er in Tränen ausgebrochen war. "Ich könnte Sie alle umarmen, es war ein unglaubliches Erlebnis", sagte der Präsident des FC Bayern nach der Jahreshauptversammlung jenes Vereins, der sportlich und wirtschaftlich von Rekord zu Rekord eilt und der sich trotz der Steueraffäre seines Familienoberhaupts an sich selbst berauscht. Dann schrieb Hoeneß Autogramme. Das für ihn anstehende Gerichtsverfahren, die Kleinigkeit von rund 250.000 Euro samt Vorstrafe des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge wegen zweier nicht verzollter Luxusuhren? Solche Unannehmlichkeiten können an der Selbstgewissheit beim deutschen Branchenführer nicht rütteln.

Er wolle sich bedanken, rief Hoeneß den Mitgliedern ganz am Ende zu, "für Ihre Zuneigung und Liebe zum Verein – und ein bisschen auch zu mir". Er werde jetzt sehr gut schlafen können. Zuvor hatte der 61-Jährige schon erklärt, nachdem er die Vertrauensfrage auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung für die Zeit "nach meinem Prozess" angekündigt hatte: "Wenn ich dabei bleiben kann, werden Sie den Uli Hoeneß erleben, wie er immer war. Ich werde diesem Verein dienen, bis ich nicht mehr atmen kann." Mehr Pathos ging kaum. Mit der Vertrauensfrage wolle er den Mitgliedern "das Recht geben zu sagen, ob ich noch der richtige Präsident für diesen Verein bin".

Ein Familienclan blendet die Außenwelt aus

Nach Demut klang all das nicht wirklich, und welchem Votum er sich nach der Vertrauensfrage "unterwerfen" muss, wie Hoeneß es ausdrückte, lässt sich ja getrost prognostizieren. Nach diesem Abend, der zur großen Uli-Hoeneß-Show wurde, und an dem ihm die Mitglieder huldigten. Er wird Präsident des Vereins bleiben, höchstwahrscheinlich nicht nur bis zum Ende seiner laufenden Amtszeit bis 2015, sondern wohl mindestens drei weitere Jahre bis 2018, wie er das schon einmal vor der Steueraffäre angekündigt hatte. Allenfalls eine Gefängnisstrafe könnte dieses Szenario wohl verhindern. Bisher habe er sich nie mit einem Rücktritt befasst, sagte Hoeneß noch, weil dieser nie aus dem Verein heraus gefordert worden sei. Und dieser Verein ist für Hoeneß maßgebend. Der Verein ist seine Welt.

All jenen Außenstehenden, die den Klub und vor allem den Aufsichtsrat für das ihrer Meinung nach selbstgerechte Verhalten im Steuerfall des Gremiumsvorsitzenden Hoeneß kritisieren, musste dieser Mittwoch in München vorkommen wie das Fest eines Familienclans, der die Außenwelt völlig ausblendet. Keine auch nur ansatzweise nachdenkliche Wortmeldung der Mitglieder war zur Steuerhinterziehung des Präsidenten zu vernehmen. Stattdessen gab es nur Zuspruch. Kritisch wurde es allenfalls bei Ticketfragen und beim Thema Vereinswebsite, die zwar unter anderem auf Chinesisch, Russisch und Arabisch angeboten wird, nicht aber auf Bayerisch. "Das geht mir ein bisschen ab", sagte ein Redner.

"Lieber Karl-Heinz, ich bin überwältigt"

War da noch was? Im März muss sich Hoeneß wegen Steuerhinterziehung in Höhe von mutmaßlich 3,2 Millionen Euro vor Gericht verantworten. Von einem Freispruch über eine Geld- oder Bewährungsstrafe bis hin zu einer Haft ist alles möglich. Ja, er habe einen Fehler gemacht, sagte Hoeneß, aber er habe "keinen Euro unversteuert in die Schweiz gebracht. Ich habe über fünf Millionen Euro gespendet an Werbeeinnahmen und Honoraren. Ich will mich nicht reinwaschen. Ich stehe zu meinem Fehler und stelle mich. Ich vertraue auf die bayerische Justiz und bin überzeugt, dass ich einen fairen Prozess bekomme." Die Mitglieder feierten ihn.

In welchem Klima dieser Abend verlaufen würde, ließ sich schon beim Einzug von Hoeneß erahnen. Mit langgezogenen "Uli"-Rufen war er begrüßt worden. Und spätestens als Rummenigge persönliche Worte an seinen "Freund" richtete, geriet die Versammlung zu einer emotionalen Inszenierung für den Macher. "Uli ist ohne Übertreibung der Spiritus Rector des FC Bayern. Ohne sein Engagement wäre der FC Bayern nicht das, was er heute ist", hatte Rummenigge gesagt. Bei Hoeneß brachen nun die Dämme. Er senkte den Kopf und hielt die Hand vors Gesicht, dann weinte er. Die 3573 Mitglieder im Saal erhoben sich und feierten Hoeneß minutenlang mit Applaus und Sprechchören ("Uli Hoeneß, du bist der beste Mann"). Die Zusammenkunft des FC Bayern entwickelte sich danach zu einem Abend für die Seele des Präsidenten. "Lieber Karl-Heinz, ich bin überwältigt. Nicht nur von deiner Rede, sondern von der Reaktion unserer, meiner Mitglieder", sagte Hoeneß. Daraus dürften die Kritiker seine Wahrnehmung ableiten: Der Verein ist seine Welt – und er ist der Verein. Der FC Uli Hoeneß, wenn man so will.

Bayernchef, so lange ihn das Gericht lässt

Es ging dann noch vor allem darum, Hoeneß und sich selbst für die zurückliegenden Erfolge zu feiern. Für jenes Triple, die Titel in Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal, das der FC Bayern in der Vorsaison als erster deutscher Verein gewonnen hatte. Und für die Rekordzahlen, die neben der üblichen Folklore sonst die Konvente des Klubs prägen. Doch nun gingen der höchste Umsatz (432,8 Millionen Euro), das höchste Eigenkapital (286,8 Millionen Euro), also das "Festgeldkonto", und die höchste Mitgliederzahl (223.985) der Vereinsgeschichte unter in den Emotionen. Es war der Abend des Uli Hoeneß. Und klar wurde nach seinen Tränen: Er wird den FC Bayern noch lange führen. Wenn ihn das Gericht denn lässt.

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