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Fifa-Skandal: Die sechs Psycho-Tricks des Sepp Blatter

Sepp Blatter manövriert sich mit PR-Strategien geschickt durch die Krise. Die Botschaft des Fifa-Bosses: Ich bin nicht das Übel! Eine Entlarvung seiner Psycho-Tricks.

Fifa-Präsident Joseph Blatter wird am Nachmittag voraussichtlich erneut gewählt. Die Krise der Fifa lässt er einfach an sich abperlen. "Dickkopf", "Pattex-Blatter" - die Medien haben in den vergangenen Tagen deutliche Worte für den schier allmächtigen Verbandschef gefunden.

Nach außen präsentiert sich Blatter als Aufklärer und Heilsbringer. Dabei wendet er einige Psycho- und PR-Tricks an. Sechs Punkte, mit denen der Schweizer Öffentlichkeit und Fifa-Funktionäre bezirzt.

1. Scheinheiliges Schönreden

Es war eine absurde Szene: Sepp Blatter betrat zur Eröffnung des Fifa-Kongresses die Bühne und lobte erstmal die tolle Veranstaltung und die Show auf der Bühne. Erst dann ging er zu den Verhaftungen und dem Skandal um seine Fifa über. Blatters Botschaft: Die Fifa ist stark, bietet ein tolles Konzept, und die Bösen, die Korrupten, sie sind in der Minderheit und müssen bekämpft werden. Er selbst gehört natürlich nicht dazu (siehe Punkt zwei). Blatter umschifft geschickt die Problemfelder, reißt sie nur kurz an, geht aber niemals ganz konkret auf Skandale oder Fragen ein.

2. Sich als Aufklärer präsentieren

Sepp Blatter präsentierte sich bei der Eröffnungsrede als derjenige, der in der Fifa aufräumt, er sagte: "Ich kann nicht jeden ständig überwachen" und schob damit die Verantwortung weit von sich. Er präsentierte die Fifa-Korruption als "Taten Einzelner". Er sieht sich nicht in der Verantwortung, will nicht zurücktreten. Dabei wäre das die einzig logische Konsequenz. Er als Chef ist für das Handeln seiner Mitarbeiter verantwortlich. Entweder er wusste etwas und muss deswegen zurücktreten, oder aber er war tatsächlich ahnungslos - und dann müsste er genau deshalb zurücktreten. Welcher Chef darf schon Chef bleiben, wenn die eigenen Stellvertreter für den größten Skandal in der Geschichte des eigenen Unternehmens verantwortlich sind, und man selbst nichts davon mitbekommen hat? Indem er sich als Aufklärer präsentiert, versucht er dieses Argument zu entkräften.

3. Die Friedensbotschaft des Fußballs verkünden

Wenn Sepp Blatter vom Fußball spricht, dann spricht er immer von "unserem wunderschönen Spiel", er betont stets die Möglichkeit des Friedens und der Verständigung, die Sportevents der Fifa mit sich bringen. Das Schlimme daran ist: Er hat ja Recht. Der Sport verbindet und sorgt für friedliche Wettkämpfe. Blatters Worte entwaffnen, doch dabei wird leicht übersehen: Unter jedem anderen Fifa-Präsidenten wäre das auch so. Blatter ist nicht derjenige, der dafür gesorgt hat, dass Fußball für Verständigung sorgt. Das leistet das beliebteste Spiel der Welt sowieso.

4. Die Ereignisse selber steuern

Blatters nächster Trick: Unter dem Vorwand, der Kongress würde länger dauern, verschob er die Abschlusspressekonferenz von Freitag auf Samstag. Für Samstag haben viele Journalisten schon ihr Rückreise-Ticket gebucht. Blatter weiß das natürlich. Wenn er die Ereignisse selbst steuern kann, dann macht er das auch. Das verschafft ihm Kommunikations-Hoheit.

5. Erst rauskommen, wenn die Luft rein ist

Als der Skandal am Mittwoch seinen Lauf nahm, tauchte Sepp Blatter erst einmal ab. Er schickte seinen Pressesprecher zur Pressekonferenz, ließ über ihn einige wenige Details mitteilen und sagte am Donnerstag ebenfalls alle Veranstaltungen bis zur offiziellen Eröffnung des Kongresses ab. So blieben Blatter von den ersten Ereignissen bis zum ersten öffentlichen Auftritt letztlich mehr als 30 Stunden. Blatters Strategie: Erstmal warten bis die Luft rein ist, und erst dann rauskommen. So kann er die Entwicklungen einschätzen und seinen Auftritt und seine Aussagen darauf abstimmen.

6. Immer positiv bleiben, Mann

Eines muss man Sepp Blatter lassen: Er glaubt den Firlefanz, den er häufig erzählt, immerhin selbst. Seine eigene Version der Geschichte verkauft er mit tiefer Überzeugung. Um das klar zu machen, lacht er dann schon mal auf der Bühne - wie bei der Kongress-Eröffnung - ab und zu führt er ein Tänzchen auf. Der alte Mann ist sich für nichts zu schade. Wenn er zu Hause Bob Marley in Dauerschleife hören würde, es würde einen nicht verwundern. Blatter präsentiert sich stets als Dauer-Optimist. Auch neben Politikern wie Angela Merkel oder Wladimir Putin. Der grinsende Blatter verkörpert gewissermaßen die Strahlkraft des Fußballs. Viele Fifa-Funktionäre scheinen auf den Psycho-Trick reinzufallen und glauben ihm.

Felix Haas

Wissenscommunity