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Sexuelle Belästigung: Hat Sepp Blatter die Torhüterin Hope Solo begrapscht? Seine Antwort: "lächerlich"

Der 81 Jahre alte Ex-Fifa-Chef Blatter weist die Grapsch-Vorwürfe einer 36-jährigen Star-Torhüterin zurück. Hope Solo berichtet von einer Kultur des Schweigens im Sport: "Es passiert nicht nur in Hollywood."

Sepp Blatt

Ex-Fifa-Chef Blatter weist die Grapsch-Vorwürfe der Tortüterin Hope Solo zurück

Star-Torhüterin Hope Solo wirft Ex-Fifa-Chef Sepp Blatter (81) vor, sie am Po begrapscht zu haben.
"Sepp Blatter hat mir an den Arsch gefasst", sagte die 36-jährige US-Amerikanerin der portugiesischen Zeitung "Expresso" in einem Interview. Der Vorfall habe sich bei der Ballon-d'Or-Gala 2013 in Zürich ereignet, bevor sie mit Blatter auf die Bühne gegangen sei, um den Preis an die damalige Fußballspielerin des Jahres, Abby Wambach, zu übergeben. "Es wurde überspielt", sagt die US-Amerikanerin. Die Debatte um Sexismus - von Anzüglichkeiten bis zu Übergriffen und Vergewaltigungen - hatte in Hollywood begonnen, Solos Vorwurf ist der seither erste aus dem Spitzensport.

Die Vorwürfe seien "lächerlich", lässt Blatter ausrichten

Blatter wies die Vorwürfe über seinen Sprecher zurück: "Diese Behauptung ist lächerlich", ließ er auf Anfrage des "Guardian" ausrichten. Solo sagte dem "Expresso", sexuelle Belästigung im Sport sei weit verbreitet. "Es passiert nicht nur in Hollywood." Die Torhüterin äußerte sich enttäuscht, dass in der Sportwelt so wenig über Belästigungen gesprochen werde. "Ich wünschte, mehr Frauen - besonders im Fußball - würden ihre Stimme dagegen erheben, über ihre Erfahrungen sprechen, denn einige dieser Leute arbeiten immer noch da, und einige, die sich etwas zuschulden kommen ließen, haben an ihrem Verhalten nichts geändert."

Auch die australische Schauspielerin Rebel Wilson ("Pitch Perfect", "Brautalarm") meldet sich mit Vorwürfen von sexueller Belästigung zu Wort. Sie sei eine recht starke und selbstbewusste Frau, aber auch sie habe in Hollywood Übergriffe erlebt, schrieb die 37-jährige Wilson auf Twitter. Sie sei zum Beispiel von einem Schauspieler verbal wiederholt zu einem sexuellen Akt aufgefordert worden, während Freunde des Mannes den Vorfall lachend auf ihren Handys aufgenommen hätten. Sie habe mehrfach Nein gesagt und das Zimmer verlassen. Über ihren Anwalt habe sie sich damals bei dem zuständigen Filmstudio beschwert. Ein Vertreter des Schauspielers hätte ihr dann nahegelegt, "nett" zu dem Star zu sein. "Die ganze Sache war widerwärtig."

Sexuelle Belästigung

Unterdessen entschuldigte sich US-Comedian Louis C.K. ("Saturday Night Live") für sexuelle Belästigungen. "Diese Geschichten stimmen", teilte Louis C.K. am Freitag per Mitteilung mit. Es tue ihm leid, sagte der 50-Jährige. "Es gibt nichts daran, für das ich mir vergebe." Zuvor hatten fünf Frauen gegenüber der "New York Times" Vorfälle geschildert, bei denen der Komiker sich unter anderem vor ihnen ausgezogen und masturbiert haben soll. Der Streamingdienst Netflix sagte daraufhin ein Comedy-Special mit dem Komiker ab.


Die Debatte um sexuelle Übergriffe im Filmgeschäft war in den USA entbrannt, als zahlreiche Schauspielerinnen dem Produzenten Harvey Weinstein und anderen Filmschaffenden öffentlich vorwarfen, sie belästigt zu haben. Die Welle öffentlicher Vorwürfe hat auch die US-Politik erreicht. Vier Frauen haben den ultrakonservativen Senatskandidaten Roy Moore (70) aus Alabama beschuldigt, ihnen nachgestellt zu haben, als sie Teenager waren. Moore, ein christlicher Fundamentalist, war demnach damals in seinen frühen Dreißigern. Besonders gravierend sind die Vorwürfe einer Frau, die er seinerzeit zwei Mal mit nach Hause genommen und unsittlich berührt haben soll - als sie erst 14 Jahre alt war.

Der Republikaner wies die Vorwürfe entschieden zurück: Am Samstag sprach der vierfache Vater von einer "Scharade", die "Lügenmedien"
und Gegner gestartet hätten, um ihn bei der anstehenden Senatsnachwahl in Alabama am 12. Dezember um den Sieg zu bringen.


Republikaner zittern

Der Wirbel um Moore stürzt viele Republikaner in einen tiefen Konflikt. Da sie im Senat nur einen Zwei-Stimmen-Vorsprung vor den Demokraten haben, wäre eine Niederlage Moores im Dezember ein herber Schlag für sie. Andererseits geht Moore mit seinen extremen Positionen dem republikanischen Establishment stark gegen den Strich.
Er zeigt sich gern mit Cowboyhut und Pistole, ist gegen Muslime und Homosexuelle, tritt für uneingeschränkte Waffenrechte ein und fordert, "Gottes Gesetz" über die Verfassung zu stellen.

Auch in Deutschland läuft seit Tagen eine Debatte über den Umgang von Männern und Frauen. "Das Thema ist sehr unordentlich", sagte Autorin Ronja von Rönne (25, "Wir kommen") dem "Tagesspiegel". "Ich weiß nicht, was es zu debattieren gibt, dass Leute andere Leute nicht begrapschen sollen, egal welches Geschlecht. Ich denke so viel über dieses Thema nach - und bin noch nicht fertig damit." Bekannt wurde von Rönne vor zwei Jahren mit einem provokanten Text zum Feminismus ("Warum mich der Feminismus anekelt"), was ihr Schlagzeilen im Feuilleton sicherte. Später distanzierte sie sich von dem Text.

Von Gaby Mahlberg und Christina Horsten / DPA

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