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Kongress des Weltverbandes: Gianni Infantino - der Donald Trump der Fifa

Präsident Gianni Infantino beklagt angebliche "Fake News" rund um den Fußball-Weltverband. Dabei ist kaum zu leugnen, dass sich in der bisherigen Amtszeit des Blatter-Nachfolgers nichts geändert hat.

Gianni Infantino

Fifa-Präsident Gianni Infantino Ende April bei einer Pressekonferenz in Haiti

Bei seinem Amtsantritt vor knapp 15 Monaten waren die Hoffnungen groß: Würde der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino als Nachfolger des berüchtigten Sepp Blatter endlich für Ordnung sorgen im korrupten, undurchsichtigen "Sauhaufen" des Fußball-Weltverbandes? Längst steht fest: Besser geworden ist bisher nichts.

Zuletzt hatte es deutliche Kritik an der Entscheidung gegeben, den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert und den Schweizer Chef-Ermittler Cornel Borbely als Spitzen der Fifa-Ethikkommission abzusetzen. Mit großer Mehrheit von 97 Prozent wurden die Kolumbianerin María Claudia Rojas als neue Chef-Ermittlerin und Vassilios Skouris aus Griechenland als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer vom Kongress bestätigt. Viele Beobachter sind darüber entsetzt.

Gianni Infantino: "Fake News und alternative Fakten"

Mit scharfen Worten hat Infantino deshalb prompt einen angeblich unfairen Umgang mit dem Fußball-Weltverband und seiner Person beklagt. Wegen seiner Argumentation und seinen Maßnahmen vergleichen viele Kritiker den Fifa-Boss inzwischen mit US-Präsident Donald Trump. So hatte der 47-Jährige vor der umstrittenen Neubesetzung der Ethikkommission im Rahmen des Kongresses in Manama gesagt, es gebe "viele Fake News und alternative Fakten" rund um die Fifa. "Gerade in gewissen Ländern ist dieses Fifa-Bashing zum Volkssport geworden", sagte der Schweizer. "Die neue Fifa ist eine Demokratie, keine Diktatur." Klingt tatsächlich verdächtig nach dem Ton, der neuerdings aus dem Weißen Haus in die Welt hallt.

"Alle Regionen" sollten vertreten sein, begründete Infantino die zahlreichen Änderungen in den Gremien. Zuvor sagte er auf Deutsch in seiner Rede: "Die Fifa ist kein deutsch-Schweizer Verein."

DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte sich für einen Verbleib von Eckert und Borbely eingesetzt, dem Vorschlag für die neue Besetzung im Fifa-Council aber letztendlich zugestimmt. Dieses Ja verteidigte er gegen Kritik. "Es wäre unfair gewesen und nicht respektvoll, sie jetzt abzulehnen, nur weil man dagegen war, hier eine personelle Veränderung vorzunehmen", sagte Grindel im ZDF-"Morgenmagazin".

Bei der Kongressentscheidung für Rojas und Skouris enthielt sich der Deutsche Fußball-Bund dann, als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer hätten die beiden eine "faire Chance" verdient, sagte Grindel. "Insofern habe ich nicht gegen diese Persönlichkeiten gestimmt, sondern mich gegen das Verfahren und die Ablösung eindeutig im Council positioniert", sagte der DFB-Chef. Der Kongress musste die Personalien noch bestätigen, dies galt als Formsache.

Bei der Absetzung der Fifa-Ethikchefs könnte es zu einem Bruch mit den Statuten des Weltverbands gekommen sein. Die personelle Liste für die Besetzung der Kommissionen habe nicht wie in Paragraf 27 vorgesehen vier Monate vor der Wahl der Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura vorgelegen, bestätigten Fifa-nahe Quellen.

Dies wird damit begründet, dass es damals nicht ausreichend Personalvorschläge durch die Konföderationen gegeben hätte. Die Kongress-Entscheidung könnte nach Ansicht von Experten angefochten werden. Die Fifa betonte aber, dass es sich bei dem Zeitraum von vier Monaten nicht um eine Frist handle. Vielmehr solle genug Zeit gegeben werden, um beispielsweise Integritätschecks durchzuführen.

"Wo sind all die Experten hin?"

Ohne Namen zu nennen, lehnte Infantino öffentliche Ratschläge früherer Verantwortlicher für gute Unternehmensführung ab. "Wo sind all die selbsternannten Good Governance Experten, sie sind alle kläglich gescheitert", sagte er. Die Fifa werde von diesen Personen "keine Good-Governance-Lektionen" annehmen. Zuletzt hatte beispielsweise Mark Pieth, früherer Governance-Beauftragter der Fifa, Infantino in der "FAZ" kritisiert und "eine autokratische Machtergreifung" durch den Schweizer beklagt. 

In seiner öffentlichen Darstellung erinnert der Fifa-Präsident also nicht erst seit diesen Tagen von Bahrain tatsächlich an Donald Trump. Aber vielleicht ist dieser Vergleich auch einfach nicht gerecht - gegenüber Trump. "Bei aller berechtigter Kritik am amerikanischen Präsidenten", schreibt zum Beispiel der Journalist Oliver Fritsch in einem Kommentar für "Die Zeit": "Den Vergleich mit der Fifa hat er nicht verdient."

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tim / DPA

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