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WM-Reform der Fifa Das Ende des Fußballs, wie wir ihn kennen

Fifa
Für das Spiel? Für die Welt? Bei der WM-Reform der Fifa geht es um andere Dinge
© Manuel Lopez/EPA/DPA
Es ist die endgültige Verwässerung des Fußballs: Erwartungsgemäß hat die Fifa in einer hastigen Entscheidung die Aufstockung der WM auf 48 Teams beschlossen. Für den Sport an sich bedeutet das eine Katastrophe.

Sollte irgendjemand die naive Hoffnung gehegt haben, dass mit der Demission des früheren Fifa-Präsidenten Sepp Blatter ein Selbstreinigungsprozess beim Fußball-Weltverband einsetzen könnte, wurde er spätestens jetzt eines Besseren belehrt: Gianni Infantino hat es mit der nun beschlossenen WM-Aufstockung auf 48 Teilnehmer sogar geschafft, den Größenwahn seines Vorgängers noch zu übertreffen.

Es mutet beinahe ironisch an, dass hochrangige Mitarbeiter Infantino vor nicht allzu langer Zeit "mangelnden Reformwillen" vorgeworfen haben sollen. Vielleicht ist der hastige Beschluss auch eine radikale Reaktion auf seine Kritiker. Sicher ist, dass Infantino mit der Reform ein altes Versprechen an kleine Mitgliedsländer einzulösen hatte. Aus seiner Sicht macht die eilige Entscheidung also Sinn.

Fifa: Die Entscheidung macht keinen Sinn, aber wütend

Aus jeder anderen Sicht macht sie aber nicht nur keinen Sinn, sondern vor allem wütend. Man muss kein unverbesserlicher Fußball-Traditionalist sein, um eine heftige sportliche Abwertung des wichtigsten Sportturniers der Welt zu befürchten. Schon die unproportional aufgeblähte Europameisterschaft 2016 in Frankreich hat schonungslos aufgezeigt, wie langweilig es mit zu vielen Teilnehmern werden kann.

Richtig durchdacht haben sie das neue Format der 48er-WM zwar noch nicht, aber die notwendigen Justierungen des Modus werden den Fußball zwangsläufig verändern: In der Gruppenphase soll es keine Unentschieden mehr geben, Infantino favorisiert bei Gleichstand ein Elfmeterschießen. Auch die Entscheidung darüber, wie viele Teilnehmerplätze die einzelnen Konföderationen bekommen, steht offiziell noch aus. Fest steht eigentlich nur der Beschluss - und damit das Ende des Fußballs, wie wir ihn kennen. Es ist eine Katastrophe für den Sport.

Fußball-WM 2026 mit 48 Teams

Denn die Aufblähung der Weltmeisterschaft ist das denkbar schlechteste Zeichen in Zeiten der Fußball-Inflation. Selbst ausdauernde Fans sind übersättigt, seit kein Wochentag mehr ohne Live-Fußball im TV vergeht. Die EM wurde bereits per Aufstockung entwertet, und die mehr als fragwürdige "Uefa Nations League" folgt 2018/19. Kurz gesagt: In der Zukunft des Fußballs häufen sich ohnehin die Partien, die die Welt nicht braucht.

Noch schlimmer als unnötige Verschlimmbesserungen eines an sich perfekten Produktes ist nur die Verlogenheit der gierigen Fifa-Funktionäre: Mit beschämender Dreistigkeit versuchen sie dem Fan weiszumachen, dass es bei der WM-Aufstockung um die Bedürfnisse der kleinen Verbände gehe - und nicht um die Milliarde Dollar, die ein 48er-Turnier an zusätzlichen Einnahmen garantieren würde.

Fußballfans lassen sich nicht alles gefallen

"For the game. For the world": Für das Spiel, für die Welt - so heißt es im Slogan der Fifa. Wie herzlich egal den Entscheidern des Verbandes das Spiel an sich ist, haben sie mit der WM-Reform eindrucksvoll bewiesen. Dem Fan lachen sie damit höhnisch ins Gesicht wie Diktatoren, die - von Macht besessen und von Gier getrieben - längst glauben, dass sie sich alles erlauben können. Können sie offenbar auch und immer noch, zumindest in ihrem Paralleluniversum.

Den Fußball an sich werden sie damit nicht kaputtmachen, er wird auf den Bolzplätzen dieser Welt ewig überleben. Ihr Produkt fahren sie aber mit Sicherheit gegen die Wand. Auf Verwässerung folgt Übersättigung folgt Überdruss. Fußballfans sind leidensfähig, aber sie lassen sich nicht alles gefallen - und wehe, ihr Geduldsfaden ist einmal gerissen. Die Konsequenz des Fifa-Kurses ist deshalb klar: volle Taschen, leere Stadien - darauf wird es spätestens 2026 hinauslaufen.

Die traurige Pointe daran: Die Funktionäre, die heute von der Reform profitieren, scheren sich auch morgen nicht um die Folgen für den Fußball.


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