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Fifa-Reform So absurd wird die Fußball-WM der Zukunft

Fifa Fußball-WM
Schiebt die revolutionäre WM-Reform an: Gianni Infantino, Präsident der Fifa
© Christian Charisius/DPA
Die Fifa wird nicht müde, ihre Marke Fußball zu melken. Die jetzt beschlossene Reform des neuen Präsidenten Gianni Infantino stellt jedoch alles bisher Dagewesene in den Schatten: Eine WM mit 48 Teams.

Der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino hat es geschafft: Er hat bei der Tagung in Zürich den Rat des Weltverbandes überzeugt, die Weltmeisterschaft auf 48 Mannschaften aufzustocken. Es ist die umstrittenste Entscheidung seit der Vergabe der WM 2022 nach Katar.

Denn eigentlich war schon die zähe Europameisterschaft 2016 in Frankreich ein abschreckendes Beispiel für die unverhältnismäßige Aufblähung eines Turniers. Was steckt also hinter den Reformplänen? Wer profitiert von ihnen? Und wie kann eine WM mit 48 Mannschaften überhaupt funktionieren? 

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur absurden Fußball-WM der Zukunft:

Wer hat die Reform angeschoben?

Der Präsident höchstpersönlich: Gianni Infantino ist vor seiner Wahl bei den kleineren Verbänden mit der Reform auf Stimmenfang gegangen. Er hatte also ein Versprechen einzulösen und muss Macht demonstrieren. Das waren aber natürlich nicht seine hauptsächlichen Beweggründe: "Ich glaube daran", sagt er, "aber ich bin kein Diktator." 

Wie ändert sich der Modus mit 48 Mannschaften?

Infantino ist für das Modell mit 16 Gruppen à drei Nationen - bis zum Finale würden hier 80 statt bisher 64 WM-Partien absolviert, das Turnier würde gut fünf statt bisher vier Wochen dauern. Außerdem müssten schon in der Gruppenphase Verlängerung und Elfmeterschießen eingeführt werden, damit der Modus funktioniert. Eine alternative Variante würde eine Vorqualifikation mit 32 Mannschaften beinhalten, deren Gewinner dann im K.o.-System gegen 16 gesetzte Mannschaften antreten. Die Folge: 16 Teams würden sich wochenlang vorbereiten, um nach nur einem Spiel wieder abzureisen.

Wann wird die WM 2026 vergeben und wer kommt als Ausrichter in Frage?

Eigentlich wäre die Vergabe bereits im Mai dieses Jahres fällig gewesen. Wegen der Skandale rund um die Fifa sowie Umstrukturierungen im Verband hat man sie aber auf Mai 2020 verschoben. Fest steht, dass das Turnier 2026 nicht in Europa oder Asien stattfinden wird, weshalb bereits über eine Variante mit dem Ausrichter-Trio USA, Kanada und Mexiko spekuliert wird. Zwangsläufig müssten in Zukunft häufiger mehrere Länder im Verbund die aufgeblähte Weltmeisterschaft ausrichten.

Wie viel Geld ist im Spiel?

Laut eines 64-seitigen Fifa-Papiers hat die WM-Variante mit 48 Mannschaften in 16 Dreiergruppen den höchsten materiellen Wert. Sie garantiert gut 20 Prozent mehr Einnahmen: 6,5 statt bisher 5,5 Milliarden Dollar. Angeblich hat die Fifa durch die Affären der letzten Zeit Verluste in dreistelliger Millionenhöhe gemacht - da kommt ein zusätzlicher Gewinn von rund 640 Millionen Euro nicht ungelegen. Die zu erwartende sportliche Abwertung der Veranstaltung spielte in den Überlegungen daher nur eine untergeordnete Rolle.

tim

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