Fußball-Bundesliga Hertha trotzt Wolfsburg einen Punkt ab


Hertha gibt wieder ein Lebenszeichen von sich: Gegen Meister Wolfsburg gab es vor eigenem Publikum ein torloses Remis - der erste Punktgewinn nach acht Pleiten.

Der Patient Hertha hat die tiefschwarze Serie zwar beendet, konnte aber auch im elften Pflichtspiel nacheinander nicht gewinnen. Zumindest trotzte das Schlusslicht der Fußball-Bundesliga am Sonntag nach zuletzt acht Liga-Pleiten in Folge dem Deutschen Meister VfL Wolfsburg ein 0:0 ab. Die engagierte Vorstellung der Berliner gab den 36 799 Zuschauern im Olympiastadion Hoffnung auf bessere Zeiten. Nur 65 Stunden nach dem peinlichen 0:1 gegen den SC Heerenveen in der Europa League wirkte die Krisen-Hertha über lange Strecken wie ausgewechselt. Die Wolfsburger verpassten unterdessen ohne ihren Torjäger Grafite, der für einen einwöchigen Sonderurlaub in seine brasilianische Heimat geschickt wurde, trotz zuletzt drei Siegen und zwei Unentschieden den Anschluss an die Tabellenspitze.

"Wir sind in einer sehr schwierigen Situation, aber jetzt sind wir auf dem richtigen Weg. Heute waren wir in der Lage, das Spiel über 90 Minuten zumindest offen zu gestalten", kommentierte Hertha-Coach Friedhelm Funkel, "das zu Null gegen den Deutschen Meister war sehr wichtig. Das dauert Monate, bis wir da unten wieder rauskommen, aber wir haben uns darauf eingeschworen." Auch sein Kapitän Arne Friedrich lobte die "Leidenschaft und Aggressivität". Wolfsburgs Mittelfeld-Ass Zvjezdan Misimovic monierte dagegen den fehlenden Biss: "Für uns war das zu wenig. Es war eine Riesenchance, durch einen Sieg richtig oben reinzurücken."

Knapp 300 Hertha-Fans hatten im Abschlusstraining stumm Spalier gebildet und wollten den Profis mit dieser stillen Demonstration noch einmal die Dringlichkeit der Mission vor Augen führen. "Wir werden es schaffen, wir werden aus dieser Situation herauskommen", versprach Funkel kämpferisch. Von der ersten Sekunde an stand er am Rand der Coaching-Zone und trieb sein Team nach vorn. Dementsprechend engagiert begann auch seine Elf. Nach nur 45 Sekunden versemmelte Gojko Kacar aus aussichtsreicher Position. Die Gastgeber investierten und riskierten sehr viel im Spiel nach vorn, die Schwächen in der Rückwärtsbewegung blieben zunächst ohne Folgen.

Stammtorhüter Jaroslav Drobny hatte bei seiner Rückkehr nach fünfwöchiger Verletzungspause allerdings Glück, als der ex-Berliner Ashkan Dejagah nach einem Traumpass von Misimovic (23.) die Führung nur um Zentimeter verfehlte. Die "Wölfe" versuchten, der Berliner Leidenschaft und Offensiv-Dynamik mit Spielkultur zu begegnen, waren aber in den Zweikämpfen meist nur zweite Sieger. Hartnäckig setzte die Hertha nach. Nach einer Einzelleistung des starken Sturmsolisten Raffael rettete VfL-Keeper Diego Benaglio mit dem linken Fuß (38.) in höchster Not, der Nachschuss von Pal Dardai segelte knapp drüber.

"Genauso müssen wir uns in dieser Situation präsentieren, kompakt und kämpferisch", lobte Hertha-Manager Michael Preetz, doch nach dem enorm hohen Tempo in den ersten 45 Minuten häuften sich bei seiner müden Mannschaft die Fehler. Mit einer völlig anderen Einstellung übernahm Wolfsburg die Initiative und flirtete mit dem 1:0. Edin Dzeko (54./61.) und Christian Gentner (55.) vergaben aus vielversprechender Position. Für die Berliner, die durch das zweite Unentschieden dieser Spielzeit wenigstens einen Teilerfolg verbuchten, hatte Kacar (75.) eine gute Chance. Vier Minuten vor dem Ende setzte Teamkollege Adrian Ramos den Ball sogar noch an den Außenpfosten.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker