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FUSSBALL: Der Retter, der kein »Kaiser« sein möchte

Zum »neuen Kaiser« wurde ernannt. Doch Rudi Völler hat längst seinen eigenen Weg gefunden, die deutsche Nationalelf zu führen.

Zum »neuen Kaiser« wurde er vom Fußballmagazin »Kicker« vor dem Länderspiel gegen die Slowakei (heute Abend) ernannt. Doch Rudi Völler hat längst seinen eigenen Weg gefunden, die deutsche Nationalelf zu führen.

Glücksfall für den deutschen Fußball

Die Ereignisse der letzten Monate haben nicht nur die Pläne des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) überrollt, sondern auch die des Rudi Völler. »Wenn man überlegt, was ich in diesem Jahr alles nicht machen sollte, ist das schon abenteuerlich«, sinnierte der 41-Jährige heute in Bremen. Alles kam ganz anders als gedacht, aber geschadet hat es Völler nicht. »Ehrlich gesagt, habe ich auch Gefallen an der Sache gefunden«, bemerkte der Weltmeister von 1990 über seine neue Rolle, in der er zu einem »Glücksfall für den deutschen Fußball« geworden ist, wie DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sagt.

Nett, aber unverbindlich

Rudi Riese, Kult-Figur und neuer Kaiser - gegen Lobhudelei kann sich der von den Fans mit offenen Armen empfangene »Ruuudi« nicht wehren. Seine Bilanz ist beeindruckend: Alle vier Pflichtspiele mit der Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation hat er gewonnen. In der kurzen Übergangszeit als »doppelter Teamchef« verlor er mit Bayer Leverkusen kein Spiel (7 Siege, 2 Remis). Trotzdem will er partout die »Bodenhaftung behalten«, weshalb der Trainer im Umgang mit seinem Job beharrlich die Defensive sucht. In seinen Pressekonferenzen antwortet er nett, aber immer unverbindlich.

»Ich rede nicht so gerne über meine eigene Person«, sagte er heute in einem Interview der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (FAZ). Doch nach den Turbulenzen der vergangenen Monate ist er dabei, seinen eigenen Weg mit Weitblick zu beschreiten. Die Abnabelung von Bayer Leverkusen, wo er nach wie vor bis 2003 als Sportdirektor unter Vertrag steht und dafür auch bezahlt wird, ist dabei immer offensichtlicher. Er hoffe, »dass dieser Abstand nun noch deutlicher wird«, sagte er und bezeichnete die komplizierte »Doppelfunktion« zwischen Verein und Verband ganz unverblümt als »nicht so gut«.

Nüchterner Realist

Denn Völler hat sich inzwischen ganz dem Job als DFB-Teamchef verschrieben, auch wenn es die Bayer-Bosse nicht gerne hören. »Im Moment macht es mir sehr viel Spaß, auch wenn der Druck natürlich groß ist«, sagte er. In Gedanken beschäftigt sich der gebürtige Hanauer längst mit der Zeit nach der WM 2002. Allerdings ist Völler kein Träumer, sondern ein nüchterner Realist. »Letztlich kommt es bei jedem Trainer darauf an, dass er genug Spiele gewinnt. Ein Bonus ist schnell aufgebraucht.«

Darum beschäftigte er sich auch in Bremen nicht mehr groß damit, dass er in Bremen eigentlich den Trainerstag an Christoph Daum hätte übergeben sollen. »Kein Mitleid, keinen Ärger«, verspüre er in Bezug auf den mehrjährigen Wegbegleiter Daum, »letztlich ist jeder seines Glückes Schmied.«

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