Fußball-Gewalt Kinder statt Hooligans


Nachdem die Gewalt der italienischen Fußball-Fans ein unüberschaubares Ausmaß angenommen hat, will ein Club jetzt einen völlig neuen Weg einschlagen. Atalanta Bergamo will nur noch Kinder in die Fankurven lassen. Der "Kinderplan" stößt auf breite Zustimmung.

"Hooligans raus, Kinder in die Kurve!" So will Atalanta Bergamo die Gewalt im italienischen Fußball beenden und die unbeschwerte Freude am Spiel in die Stadien zurückbringen. "Ich werde den Minderjährigen die Eintrittskarten schenken und will nur noch Kinder in der Fan-Kurve", kündigte Atalanta-Präsident Ivan Ruggeri an. Mit diesem revolutionären Vorschlag sprach der Club-Chef seiner Mannschaft aus der Seele. Nachdem Randalierer nach dem Tod eines Fußballfans das Liga-Spiel gegen den AC Mailand zum Abbruch gebracht hatten, forderten alle Atalanta-Spieler in einem offenen Brief: "Wir wollen keine Kriminellen mehr in der Fan-Kurve!"

Nicht nur den Randalieren, sondern auch dem Todesschützen drohen ein Prozess und Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft weitete die Ermittlungen gegen den Polizisten von fahrlässige Tötung auf Totschlag aus. Die Hinweise für einen gezielten Schuss des Polizisten auf das Auto, in dem der Fan tödlich getroffen wurde, mehren sich. Der Polizist gab mittlerweile zu, mit "ausgestreckten Armen, aber unbeabsichtigt" geschossen zu haben.

Während sich die radikalen Fans mit ihren "Mörder-Sprechchören" immer mehr bestätigt fühlen, unterstützt der italienische Fußballverband (FIGC) Ruggeris "Kinderplan": "Das ist mutig", sagte FIGC-Präsident Giancarlo Abete. Liga-Chef Antonio Matarrese nannte Ruggeris Plan "vorbildlich" und zeigte sich überzeugt, dass "er mit dieser Initiative nicht allein bleiben wird". Ruggeri erhielt bereits Zustimmung von Inter-Präsident Massimo Moratti und vielen anderen Club-Chefs. Milans Vize-Präsident Adriano Galliano forderte die Politik auf: "Ihr müsst uns helfen!"

Luca Toni: "Was in Italien passiert ist nicht normal

Wie viele andere Fußballstars fordert Bayern Münchens Stürmer Luca Toni, dass die "Randalierer besiegt werden müssen". Denen gehe es überhaupt nicht um Fußball. "Was in Italien passiert, ist nicht normal. Auch deshalb bin ich froh, in München zu sein", gab Toni im Trainingslager der Nationalmannschaft in Coverciano zu. Dort versuchen sich die Weltmeister so gut wie möglich abzuschirmen, um sich auf ihr Schicksalspiel in Schottland vorzubereiten. Italien muss mindestens Unentschieden spielen, um das EM-Ticket so gut wie sicher in der Tasche zu haben. "Wenn wir die EM-Qualifikation schaffen, widmen wir sie der Familie des toten Fans", sagte Nationalkeeper Gianluigi Buffon.

Toni ist nur dann für einen Ligastopp, wenn während der "Denkpause" auch wirksame Maßnahmen ergriffen werden. Eine massenhafte Flucht von Fußballstars aus Italien, wie sie Milan- Stürmer Kaká prophezeit hatte, erwartet der 13-malige Saisontorschütze jedoch nicht. Auch Nationalelfkollege Christian Panucci befürchtet keinen Exodus der Serie A: "Fußballer sind immer große Moralisten, wenn es dann aber ums Geld geht, bleiben sie doch."

Währenddessen lief die Fahndung nach den Randalierern weiter auf Hochtouren. Nach den schweren Krawallen in Rom hat die Polizei bereits 40 Randalierer identifiziert, die den Sitz des NOK in Rom verwüstet und drei Polizeikasernen angegriffen hatten. Dafür drohen ihnen eine Anklage wegen "terroristischer Aktionen" und Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.

Bernhard Krieger, DPA DPA

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