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Gläsener Fußballprofi DFL veröffentlicht trotz Kritik weiter Leistungsdaten


Lauffaul, zweikampfschwach, zu langsam? Seit dieser Saison werden die zentralen Leistungsdaten von Bundesliga-Profis veröffentlicht. Einigen Managern gefällt das gar nicht. Doch der Ligaverband will an der neuen Offenheit festhalten.

Im Streit um den gläsernen Profi hält die Deutsche Fußball Liga an ihrer Linie fest und gibt weiter umfassende Spieldaten aus den Bundesligen zur Veröffentlichung frei. Damit darf der DFL-Partner Impire auch künftig die Leistungsdaten von Spielern an Medienpartner verkaufen, wie der Ligaverband am Dienstag mitteilte. Der Beschluss sei das Ergebnis aus "intensiven Gesprächen" zwischen Club-Vertretern, der DFL und Impire.

Die Kritik einiger Vereins-Manager hatte sich an den Analysen zu Laufwegen, Laufleistungen und Zweikampfverhalten entzündet. Mehrere Medien hatten zu Saisonbeginn auf dieser Basis berichtet, dass der Kölner Lukas Podolski am ersten Spieltag der lauffaulste Profi gewesen sei. In den Club-Chefetagen wurde prompt befürchtet, diese Auswertungen könnten negativen Einfluss auf den Marktwert von Spielern haben.

Konflikt vorerst beigelegt

Bei der Bundesliga-Managertagung im August in Frankfurt/Main hatte daher neben Andreas Rettig (FC Augsburg) und Horst Heldt (Schalke 04) unter anderem auch Volker Finke vom 1. FC Köln Bedenken geäußert. Rettig warnte in der "Süddeutschen Zeitung" vor einer "gefährlichen Entwicklung".

Nun scheint der Konflikt vorerst beigelegt. Eine Arbeitsgruppe aus Bundesliga-Managern empfahl nach Angaben der DFL nun, "nach Abwägung aller Fakten, die vom Vorstand des Ligaverbandes beschlossene komplette Vermarktung und Veröffentlichung der Spieldaten beizubehalten". Die Erfahrungen des ersten Spieltags seien "bewertet und Irritationen ausgeräumt" worden, hieß es. Schalke-Vertreter Heldt sagte: "Dies ist eine gemeinschaftliche Entscheidung der Bundesliga, die auch der FC Schalke 04 mitträgt."

Damit darf die Münchner Firma Impire wie bisher im DFL-Auftrag alle Spiele der 1. und 2. Bundesliga in genaue Match-Analysen umsetzen, diese an die 36 Proficlubs weitergeben und an Medienpartner vermarkten.

DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus betonte am Dienstag: "Spieldaten bilden in der heutigen Zeit auch im internationalen Maßstab eine unverzichtbare Arbeitsgrundlage für die sportliche Leitung in den Clubs und bieten gleichzeitig einen Mehrwert für die Öffentlichkeit." Hieronymus appellierte an die Medien, "verantwortungsvoll mit den offiziellen Spieldaten umzugehen". Impire-Vorstand Harald Keilbach ergänzte: "Wir wissen um die Sensibilität und um die Verantwortung dieser Daten."

kbe/DPA DPA

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