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Griechische Nationalkicker: "König Otto" im Glück

Für die Griechen ist das Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Portugal "das größte Spiel seit 20 Jahren". Ein Verdienst von Otto Rehhagel, der mit deutschen Tugenden die Hellenen wieder auf die Erfolgsspur brachte.

Wo "König Otto" regiert, herrscht Ordnung. Vor zehn Jahren fielen die Fußballer Griechenlands bei der Weltmeisterschaft in den USA nur mit zahlreichen Presseterminen und Empfängen auf. Sportlich blamierten sie sich bis auf die Knochen und flogen punkt- und torlos aus dem Turnier. Doch seit dem in griecehnland die "Ottokratie" eingeführt wurde, sind diese Zeiten vorbei.

Mit deutschen Tugenden ("Das Zauberwort heißt Disziplin und Strategie") schafften die Hellenen sensationell die EM-Qualifikation. Am Samstag bestreiten sie gegen Gastgeber Portugal das EM-Eröffnungsspiel. Millionen Fans weltweit werden das Spektakel miterleben - für Rehhagel "das größte Spiel für die Griechen seit 20 Jahren". Und selbstbewusst sind die Hellenen auch. Für das Erreichen des Viertelfinals will der Nationalverband für jeden Spieler zwei Millionen Euro Prämie ausschütten.

Abgeschottet

Rund 35 Kilometer vom ersten Spielort Porto entfernt hatten die Griechen in Rio Ave ihr Lager aufgeschlagen. Wer allerdings einen Blick auf die Arbeit des ehemaligen deutschen Meister-Trainers , musste sich beeilen. Rehhagel schottete die Mannschaft ganz und gar ab.

"Ich bin der absolute Chef, das ist doch klar", betonte der 65 Jahre alte Coach immer. Mit Erfolg. Wie die sensationelle Leistung seiner Mannschaft in der Qualifikationsgruppe beweist.

Patriotismus geweckt

Das Wunder von Athen: Der Grund ist für Rehhagel vor allem im erwachten Nationalbewusstsein seiner Spieler zu suchen. "Früher waren die drei großen Vereine Olympiakos Piräus, Panathinaikos und AEK Athen das Maß der Dinge im griechischen Fußball", erklärt der gebürtige Essener, der das Trainer-Amt bei den Griechen vor drei Jahren übernahm. "Wir haben Schritt für Schritt daran etwas ändern und die Nationalmannschaft in den Blick und das Interesse der Öffentlichkeit rücken können. Mittlerweile herrscht eine großartige Begeisterung für die Landesauswahl."

Die Spieler schätzen Rehhagel, der auch beim heftigen Konflikt zwischen Stürmerstar Themistoklis Nikolaidis und Spielmacher Vasilios Tsiartas - beide waren erst vom deutschen Coach wieder zum Comeback überredet worden - für Ruhe sorgte. "Wir Griechen sind von Natur aus nicht diszipliniert", meint Mittelfeldspieler Stylianos Giannakopoulos von den Bolton Wanderers. Rehhagel habe diese Tugend mit den griechischen Eigenschaften vereint. "Das ist ein perfekter Mix."

Mit Defensivtaktik gegen Portugal bestehen

Auch in der Vorbereitung lief alles: Gegen Portugal kann seine beste Mannschaft aufbieten. Die angeschlagenen Trianos Dellas, Basilios Lakis (AEK Athen) und Top-Torjäger Themistoklis Nikolaidis sind wieder einsatzfähig.

Rehhagel will aus der Außenseiterolle gegen Portugal wieder das Beste machen. Er glaubt zu wissen, wie Überraschungen gegen vermeintlich übermächtige Kontrahenten funktionieren. "Wir müssen in der Defensive vor allem in den ersten Minuten sehr stark sein, weil sie sicherlich mit großem Elan starten werden. Je mehr Zeit vergeht, umso größer wird der Druck auf die Portugiesen."

chm / DPA

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