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Nationalelf in der WM-Quali Flick ruft 6:0 als neuen Maßstab aus: "Wir wollen einen Fußball spielen, der Freude auf mehr macht"

Ein weißer Mann in dunkelblauem Polo-Hemd ballt am Spielfeldrand eines Fußball-Stadions die rechte Faus auf Kopfhöhe
Hatte gegen Armenien mehr Grund zum Jubeln als gegen Liechtenstein: Fußball-Nationaltrainer Hansi Flick
© Alexander Hassenstein / Getty Images
Hansi Flick freut sich über seine geglückte Heimpremiere mit einem halben Dutzend Treffern. Lob bekommen vom Bundestrainer besonders zwei Offensivkräfte. Der Fokus liegt aber schon wieder auf dem Island-Spiel.

Hansi Flick klatschte nach seinem ersten Fußballfest als Bundestrainer dankbar seine Spieler ab. Die 18.086 Zuschauer in Stuttgart bejubelten beim Heimdebüt des 56-Jährigen ein halbes Dutzend wunderschöne Tore – und sangen "Oh, wie ist das schön!". Mit dem 6:0 (4:0) gegen Armenien stürmte das Nationalteam am Sonntagabend angeführt vom Doppeltorschützen Serge Gnabry in der WM-Qualifikation auf Platz eins der Gruppe J. Im Spitzenspiel gegen die große Spielräume anbietenden Armenier bekamen die zuletzt oft enttäuschten Fans eine erste Kostprobe des von Flick propagierten Offensivfußballs mit Pressing, schnellen Direktkombinationen sowie Toren aus der Feinkostabteilung.

Entsprechend gut gelaunt stellte sich Bundestrainer Hansi Flick den Fragen in der Pressekonferenz.

Wie fällt Ihr Fazit nach dem klaren Sieg aus? Sind alle Pläne aufgegangen?

Wir haben uns zwei Dinge vorgenommen. Einmal ganz klar natürlich, dass wir uns mit einem Sieg die Tabellenführung holen. Und das Zweite war, dass wir den nächsten Schritt machen wollen, dass wir einfach einen Fußball spielen, der begeistert, einen Fußball spielen, der Freude macht, Freude auf mehr. Das war der Fall. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Fans waren begeistert. Wie wichtig war es, wieder vor mehr als 18.000 Zuschauern zu spielen?

Ich habe es im Vorfeld gesagt, dass ich an Stuttgart sehr gute Erinnerungen habe, weil hier eine tolle Stimmung ist. Heute war das genau so, das war so ein Miteinander. Die Mannschaft mit einer tollen Leistung, die Zuschauer mit einer begeisternden Atmosphäre. Ja, da hat man schon ein bisschen Gänsehaut bekommen, weil man das lange nicht mehr erlebt hat. Deswegen muss man ein Kompliment sagen an Stuttgart, an die Fans, die im Stadion waren.

Karim Adeyemi traf bei seinem Debüt. Was zeichnet ihn aus?

Er hat gezeigt, was er schon in Salzburg zu Beginn der Saison gezeigt hat, dass er im Strafraum einfach ein guter Vollstrecker ist, sehr selbstbewusst agiert. Deswegen freut es mich, dass er das Tor gemacht hat, weil er sehr selbstbewusst agiert. Trotzdem: Es ist noch viel Arbeit, auch für ihn, hier dabei zu sein. Aber er macht das gut wie alle anderen Spieler.

Sie hatten eine Youngster-Fraktion auf dem Platz. Ist das die Zukunft?

Florian Wirtz ist reingekommen. Jamal Musiala hat bei Bayern schon viele Spiele. Sie haben gezeigt, was sie für ein Talent haben. Genauso wie David Raum, der ein bisschen weniger gespielt hat und trotzdem zu erkennen gegeben hat, wo seine Stärken sind. Das ist eine Sache, die wichtig ist, weil man immer wieder Alternativen braucht auf den Positionen. Das tut ganz gut und ist für die Mannschaft ein guter Prozess, der da eingeleitet wird. Deswegen können wir mit dem Kader sehr zufrieden sein.

Wie hat Tor-Garant Serge Gnabry nach der enttäuschenden EM wieder zu alter Stärke gefunden?

Er ist sehr gut in die Saison gestartet bei Bayern München und hat das mitgenommen in die Nationalmannschaft. Von daher sind wir happy, dass er mit dem 1:0 die Tür geöffnet hat für so einen tollen Fußballabend. Ich glaube, das war wichtig, weil es der Mannschaft Selbstvertrauen gegeben hat. Es war ein Impuls, den man gebraucht hat.

Leroy Sané stand im Fokus. Wir bewerten Sie seine Leistung?

Ich habe da schon Ansätze gesehen in München. Und ich habe Ansätze gesehen in Liechtenstein. Und ich denke, dass er gezeigt hat, was für eine Qualität er hat. Ich freue mich, wenn er so agil ist, so aktiv ist, weil er mit einer Leichtigkeit unterwegs ist, die schon beeindruckend ist. Im Moment hat man das Gefühl, er hat sehr viel Selbstvertrauen. Genau das ist es, was er braucht. Er ist auf einem richtig guten Weg.

Noch ist das Neun-Punkte-Ziel für den Länderspiel-Dreierpack nicht erreicht. Wie geht es weiter Richtung Island-Spiel am Mittwoch?

Das Spiel ist jetzt schon wieder beendet. Es geht der Blick nach Island. Da fokussiert zu sein, das ist für uns, für einen Leistungssportler, absolut das Wichtigste, da auch wieder Leistung zu bringen. Deswegen ist das die Aufgabe, die wir ab Dienstag angehen. Jetzt gucken wir auf die neuen Aufgaben.

Nach dem Liechtenstein-Spiel gab es Kritik, heute großen Jubel. Wo steht die Mannschaft wirklich?

Wir haben im Spiel gegen Liechtenstein viele Dinge gut gemacht, viele aber auch nicht so gut. Auf die Positionierung habe ich großen Wert gelegt heute. Wie kann man die Räume frei spielen? Das war für uns wichtig. Wir wollen einfach zeigen, dass wir einen tollen Fußball spielen können und dass die Mannschaft auch die Präzision im Abschluss hat und auch das Vertrauen in ihre Qualität. Das hat man gesehen, das haben wir besser gemacht. Deswegen ist das auch ein Maßstab. Das wird so sein, dass das der Maßstab ist. Wir haben noch einiges vor.

Können Sie auch mit Kai Havertz und Robin Gosens planen? Fliegen alle Spieler mit nach Reykjavik?

Wir nehmen alle Spieler mit. Kai Havertz hat schon wieder trainiert, nicht auf dem Platz, aber auf dem Fahrrad. Bei Robin Gosens ist alles besser, er war schon auf dem Platz. Wir gehen davon aus, dass alle mitfahren.

tkr/Arne Richter DPA

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