Hauptversammlung FC Bayern München Bayern-Bosse beruhigen Mitglieder

Mitte in der Krise bekommt der FC Bayern München einen neuen Präsidenten: den bisherigen Manager Uli Hoeneß. Der bemüht sich um Einigkeit - und Trainer Louis van Gaal bekommt mehr Applaus als Pfiffe.
Von Michael Neudecker, München

Als es vorbei ist, um kurz vor Mitternacht, da ist Uli Hoeneß erleichtert. Er hatte "Muffensausen" vor dieser Veranstaltung, aber es wurde dann doch ein sehr unaufgeregter Abend. "Der Franz hat natürlich viel zur Beruhigung beigetragen", sagt Hoeneß. Ja, der Franz.

Jahreshauptversammlungen sind normalerweise so langweilig wie das Wort selbst, aber beim FC Bayern München war bis Freitagabend Franz Beckenbauer der Vereinspräsident, der ja nie wirklich redet, sondern plaudert. Er beckenbauert, und deshalb war die Jahreshauptversammlung des FC Bayern schon oft amüsant, ein großer Zirkus, und Franz Beckenbauer war der Direktor. Am Freitagabend hörte er auf, Uli Hoeneß ließ sich als sein Nachfolger wählen.

Stimmung zunächst angespannt

Als Beckenbauer die Versammlung um kurz nach sieben Uhr eröffnete, da sagte er: "Ja, liebe Mitglieder, Sie werden sich schon gewundert haben, wo denn die Pokale sind, die wir sonst immer hier aufreihen. Deshalb möchte ich Louis van Gaal und unsere Mannschaft bitten, doch bittschön schleunigst noch wenigstens einen Pokal zu holen." Und nachdem Karl Hopfner, der Finanzchef, all die Zahlen heruntergeleiert hatte, 303,8 Millionen Euro Umsatz, 2,5 Millionen Euro Gewinn, da sagte Beckenbauer: "Lieber Karl, dass du ein Finanzgenie bist, das hast du gerade wieder eindrucksvoll bewiesen. Und ein netter Kerl bist auch." Wer sich manchmal fragt, wieso die Menschen Franz Beckenbauer so lieben, der bekommt bei Veranstaltungen wie dieser die Antwort.

Wenn Beckenbauer nicht sprach, war die Stimmung auf dem Messegelände München-Riem, wo der FC Bayern eine riesige Halle mit Wellblechdach und Stahlträgern gemietet hatte, eine Halle, die aussah wie ein Flugzeughangar - dann also war die Stimmung irgendwie nervös, angespannt. Man wusste nicht, was kommt; die Wahl von Uli Hoeneß, gewiss, aber dann? Unter Punkt sieben, "Verschiedenes", mit dessen Beginn nicht vor 22.30 Uhr zu rechnen war, wurden mehr als 50 Wortmeldungen angezeigt. 4490 Mitglieder waren gekommen, sie wollten ihre Meinung zur aktuellen misslichen Lage der Profis mitteilen, und wie ihre Meinung ist, das war spätestens dann klar, als der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge um fünf nach acht das Podium betrat. Einige pfiffen.

Die Reden von Karl-Heinz Rummenigge sind in etwa das Gegenteil von Beckenbauers Auslassungen, sie sind abgelesene Kälte. Rummenigge bilanzierte steif das so missglückte Jahr 2009, er kam schnell auf Jürgen Klinsmann zu sprechen, da gab es laute Pfiffe. Er machte weiter mit einer Auflistung der Weggänge, und bei jedem Namen folgte eine Reaktion aus dem Publikum. "Verlassen haben uns Tim Borowski" - Applaus - "Lukas Podolski" - Applaus - "Lucio" - Pfiffe, Buh-Rufe - "und Zé Roberto" - noch lautere Pfiffe und Buh-Rufe. Ganz besonders laut wurden die Pfiffe, als Rummenigge die Namen der Zugänge Braafheid und Pranjic aufrief.

Uli Hoeneß macht auch präsidial

Man hätte auch Pfiffe erwartet, als Rummenigge auf den Trainer zu sprechen kam, doch da waren die Fans gespalten: Manche pfiffen, die meisten aber klatschten. Louis van Gaal saß in der ersten Reihe, mit seinen Kapitänen Mark van Bommel, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger. Der Rest von Rummenigges Rede war eine große Huldigung, für den scheidenden Präsidenten Beckenbauer und den neuen Präsidenten Hoeneß, mit immer wiederkehrenden stehenden Ovationen. Das war geschickt von Rummenigge, die zuvor noch gereizte Stimmung kippte, und als schließlich ein Video gezeigt wurde, mit Franz Beckenbauer und seinem erfolgreichen Schuss vom Weißbierglas auf die Torwand, da standen die Leute wieder auf. Die Angespanntheit war nun gänzlich aus dem Saal verschwunden.

Als Uli Hoeneß mit 20 Gegenstimmen und zwölf Enthaltungen gewählt war (ein überwältigendes Ergebnis von 99,3 Prozent), trat auch er ans Pult, Franz Beckenbauer saß nun unten, im Publikum. Uli Hoeneß, jetzt nicht mehr Manager, gestikulierte staatstragend, sprach ruhig, fast präsidial. "Wir haben sicher Fehler gemacht, auch in der Transferpolitik", sagte er, "und wir werden dafür arbeiten, die Quote besser zu machen". Er bat um "Geduld und Gelassenheit", richtete beschwörende Appelle an die Fans ("Wir dürfen uns nicht anpinkeln lassen! Wir müssen uns wehren!"), genau das wollten die Leute hören. Als er dann der Ultra-Fangruppierung "Schickeria", die er 2007 noch beschimpft hatte, symbolisch die Hand reichte, da war klar, dass auch das Ende des Abends harmonisch sein würde.

In den Wortmeldungen, die sich auf knapp 20 reduziert hatten, wurde ein bisschen Folklore verbreitet, weiter gehuldigt, ein Gamsbart tragender Mann rief Hoeneß zum "Kini von Bayern aus", und zum Schluss stellte ein Mann in Lederhosen den Antrag, künftig immer Franz Beckenbauer - dessen Ansprache, ja mei, wieder Kabarett erster Güte gewesen war - als Redner einzuladen.

"Da stimme ich sofort zu", sagte Hoeneß.


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