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stern des Spieltags Hertha, Windhorst und 50+1. Oder Augen auf beim Fußballklub-Kauf

Hertha BSC, Bobic und Windhorst
Ein Bild aus anderen Tagen: Lars Windhorst (r.) und Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic
© Soeren Stache
50+1, soll die Bundesliga vor dem Ausverkauf retten, hat leider Nebenwirkungen: Investoren wie Lars Windhorst werden mit deutscher Vereinsmeierei konfrontiert. Schön ist das nur für Außenstehende, deshalb gibt es den stern des Spieltags.

Der stern des Spieltags geht diesmal nicht an den Fußball als Sport, sondern an den Fußball als Unternehmen. Was, wegen der hier üblichen 50+1-Regel, erfreulich schnell in das Subgenre "Fußball als Wirtschafts-Soap" abrutscht. Also: Wie ist gerade der Stand in Berlin bei Hertha Hollywood, dem Babylon BSC? Tabellarisch hängt die Hauptstadttruppe trotz vier Spiele ohne Niederlage verlässlich unten fest. Aber obenrum, in der Führung, da, wo es um die Kohle geht, ist es unterhaltsam unübersichtlich.

Hertha BSC: Karneval der Kulturen an der Spree

Wie so oft an der Spree, speist sich der ganze Ärger aus einer Art Karneval der Kulturen. Auf der einen Seite setzt ein als seriöser Investor verkleideter Lars Windhorst viel Geld auf einen Klub, an dessen Spitze als seriöse Präsidenten verkleidete Vereinsmeier resp. Ultras stehen. Natürlich geht das nicht gut. Letzter Stand des Missverständnisses: Windhorst soll, um noch irgendwie sein längst verjuxtes 374-Millionen-Euro-Investment zu retten, der Hertha-Führung weitere 100 Millionen angeboten haben. Als Art Neustart, für Spieler oder Verlustausgleich. Oder so.

Davon aber will Kay Bernstein, der neue Vereinschef aus dem Ultrablock, nie etwas gehört haben. Stattdessen legt er Windhorst den Rückzug nah. Womit der Kreis endgültig zum Quadrat wird. Denn der Unternehmer will ja auch weg, hat dem Verein seinen 65 Prozent-Anteil angeboten. Dafür verlangt Windhorst jedoch die ursprünglichen 374 Millionen Euro. So viel aber sind seine Anteile längst nicht mehr wert, abgesehen davon, dass Hertha BSC auch nicht die Kohle hat. Nicht sofort jedenfalls. Und weil sich daran so schnell nichts ändern dürfte, werden sich Windhorst und Hertha bis zum jüngsten Gericht über die Ketten klagen, mit denen sie sich einst freudig aneinander fesselten. Augen auf beim Fußballklub-Kauf.

Nebenwirkung der 50+1-Regel

Die Posse aus Unprofessionalität, Eitelkeiten, Gier und Retterwahn ist natürlich vor allem für Union-Fans und andere Außenstehende lustig. Dabei ist das Hertha-Dilemma eine Nebenwirkung der 50+1-Regelung. Menschen mit Geld können sich zwar irgendwie in Vereine oder deren ausgelagerten Fußballabteilungen reinshoppen, aber das war es dann auch. Wer es wie in München oder Freiburg mit fähigen Fußball-Managern zu tun hat, hat Glück. Andere dagegen verheddern sich schnell im Gestrüpp aus Befindlich- und Zuständigkeiten, DFB-Statuten, roten Linien und widerborstigen Fans.

Bei der TSG Hoffenheim ist vor Jahren eines der letzten Experimente mit dem überkommenen Mäzenen-Fußball gut gegangen. Bei Leipzig haben sie gar nicht erst damit angefangen, nur der HSV flirtet schon wieder mit Dauersponsor und Nervensäge Klaus-Michael Kühne. Man muss kein Fan der britischen Investorenliga sein – aber ein solide von der King Power Group geführter Verein wie Leicester City (oder ein FC Chelsea mit dem Vorkriegs-Abramowitsch) schont die Nerven mutmaßlich deutlich mehr als windige Geldgeber mit Startup-Rhetorik im deutschen Vereinsrecht-Dschungel.

mit DPA

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