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Hitzfeld-Weggang: Programmierte Selbstzerfleischung

Nach dem angekündigten Rückzug von Ottmar Hitzfeld als Trainer beim FC Bayern tobt beim Rekordmeister mehr denn je ein Machtkampf. Die Fronten sind verhärtet, das Tischtuch ist längst zerschnitten. Am Ende kann es nur einen Verlierer geben.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

Ottmar Hitzfeld, der Mann, den sie früher mal "General" nannten, hat genug vom FC Bayern. Nach der Saison ist für den 58-jährigen Erfolgscoach Schluss in München - wenn die Bosse ihn denn überhaupt so lange am Ruder lassen. Vieles spricht zum jetzigen Zeitpunkt dafür, dass sich die Wege vorher trennen werden. Das Tischtuch, und daran hat auch der 6:0-Erfolg gegen Saloniki zum Abschluss der Hinrunde nichts mehr geändert, ist zerschnitten. Ein für alle Mal. Zu viel ist passiert an der Isar, zu viel ist kaputtgemacht worden.

Die beißende und verletzende Kritik von Karl-Heinz Rummenigge nach dem 2:2 gegen Bolton Anfang November, die nach Wochen des Erfolgs unerwartet heftig ausfiel. Der Knatsch mit den Spielern, mit Ismael, mit dem designierten Kapitän Willy Sagnol, dann mit Kahn, den Hitzfeld eigentlich wie keinen Zweiten schätzt. Dazu der Dauerbeschuss im stetig rauschenden Münchner Blätterwald mit täglich neuen Spekulationen über seine Zukunft. Wer Ottmar Hitzfeld auch nur ein bisschen kennt, der wusste, dass sich dieser stolze und sensible Mensch Derartiges nicht länger antun würde. Zumindest nicht auf Dauer.

Welcher Trainer wäre der beste für die Bayern?

Es kann nur einen Verlierer geben

Umso erstaunlicher, dass Hitzfeld versucht, das nächste halbe Jahr als Bayern-Coach nun doch auf Biegen und Brechen durchzuziehen. Was treibt Hitzfeld dazu an? Wem muss er überhaupt noch etwas beweisen? Etwa sich selbst? Es scheint so. Hitzfeld weiß, dass zum Rückrundenauftakt vieles - fast alles - anders sein wird. Seine Macht bröckelt, weil sie zeitlich begrenzt ist. Es ist programmiert, dass gerade unzufriedene Spieler das gnadenlos ausnutzen. Auch durch die Suche nach dem neuen Trainer droht Unruhe.

Sollten die ersten Spiele der Rückserie darüber hinaus danebengehen, werden die Bosse eiskalt und ohne mit der Wimper zu zucken handeln. Auch weil die in langen Profijahren geformten, also höchst erfahrenen Vorstände Rummenigge und Hoeneß derzeit einen hektischen, gar nervösen Eindruck vermitteln. Von den 70 Millionen Euro, die vor der Saison allein für Ablösesummen mutig investiert wurden, fühlen sie sich enorm unter Druck gesetzt. In letzter Konsequenz ginge es also auch um ihre Köpfe. Aber davor opfert man immer noch schnell den Trainer.

Und die früheren Verdienste Hitzfelds, all die Erfolge? Guter Witz! In München tobt ein gefährliches vielleicht sogar schmutziges Spiel um die Macht. Und es kann eigentlich nur einen Verlierer geben. Ein Ende, das Ottmar Hitzfeld nicht verdient hätte.

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