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Hoffenheimer Lärmattacke auf Dortmunder Fans: Oh Freunde, nicht diese Töne

Ein Mitarbeiter der TSG Hoffenheim hat mit Lautsprechern Dortmunder Fangesänge übertönt. Dabei gäbe es wahrlich schlimmere akustische Verbrechen, die man aus der Welt schaffen müsste.

Eine Glosse von Carsten Heidböhmer

Dietmar Hopp hat es nicht leicht. Da investiert er viele Millionen Euro aus seiner Privatschatulle in einen Club, holt gute junge Spieler in die Liga, lässt attraktiven Fußball spielen, und wie dankt man's ihm? Gar nicht. Schlimmer noch: Anhänger gegnerischer Vereine widmen ihm regelmäßig Schmähgesänge. Besonders die Dortmunder Fans sind Hopp seit Jahren in herzlicher Feindschaft verbunden. Die Fußball-Romantiker aus dem Ruhrpott wollen die Pionierleistung des SAP-Gründers einfach nicht würdigen, mitten in der badischen Pampa eine Bundesliga-Truppe aus dem Boden gestampft zu haben.

Das ist ungerecht. Findet zumindest ein Mitarbeiter der TSG Hoffenheim, und hat nun beherzte Schritte zur Ehrenrettung seines Vereinschefs ergriffen. Um die gegnerischen Gesänge zu übertönen, hat er in der Rhein-Neckar-Arena mobile Lautsprecher eingesetzt, die er immer dann hochfuhr, wenn die Dortmunder Fans Gemeinheiten gegen Hopp ausstießen.

Das ist natürlich nicht schön. Schon Berti Vogts wusste: "Gewalt gehört nicht auf den Fußballplatz, das ist etwas, das man zuhause bei seiner Frau ausleben sollte", und damit meinte er bestimmt auch akustische Gewalt.

Es gibt Schlimmeres

Die Hoffenheimer haben aber auch aus anderen Gründen in die falsche Richtung gelärmt. Wenn man sich die Sache mal genau durch den Kopf gehen lässt, dann fallen einem schnell schlimmere Dinge als Dortmunder Fangesänge ein. Man könnte die Lautsprecher zur Übertünchung ganz anderer akustischer Grausamkeiten einsetzen. Lärm als legitimes Mittel der Friedenssicherung, sozusagen.

Wäre die Welt nicht schöner, wenn solche Boxen zum Einsatz kommen, wann immer das menschliche Ohr beleidigt wird? Also: Sobald irgendwo auf der Welt Musik der Amigos ertönt. Wenn Guido Westerwelle sich in einer Stadthalle über die einzig richtige Politik, nämlich seine, ereifert. Oder Verona Pooth den Mund aufmacht. Im Vergleich dazu wäre die Hoffenheimer Schalloffensive immer noch der bessere Lärm. Sämtliche Radio-Jingles, TV-Werbespots, Regierungserklärungen könnte man damit übertönen. Die Welt könnte schon morgen ein besserer Ort werden ...

Kölner Kot-Attacke

Während man sich solche Gedanken durch den Kopf gehen lässt, sind einige Kölner "Fans" offenbar schon weiter. Sie geben sich nicht länger mit akustischen Attacken ab, sondern gehen gleich zum olfaktorischen Angriff über: Am Samstag haben einige FC-Anhänger bei ihrem Besuch in der Schalker Arena Kot in Richtung Schalke-Block geschleudert. Besonders Leid muss einem in diesem Zusammenhang der Gelsenkirchener Polizist tun, der - so meldet es die Deutschen Presseagentur - "die Vorgänge beweissicher festhielt".

Verglichen damit ist das Hoffenheimer Vergehen ein Kavaliersdelikt. Oder, um es mit Shakespeare zu sagen: Viel Lärm um nichts.

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