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Bundesliga-Check: TSG 1899 Hoffenheim: Der Star ist der Trainer

Neue Stars? Gibt es nicht! In Hoffenheim überstrahlt der neue Trainer fast alles. Aber Holger Stanislawski kann die Tore nicht selbst machen, und andere Neuzugänge gibt es kaum.

Von Jens Fischer, Sinsheim

So sieht ein neues Leben aus. Vom Trubel der Hamburger Reeperbahn in den schönen, ruhigen Kraichgau - der ehemalige St.-Pauli-Trainer Holger Stanislawski hat diesen Schritt gewagt. Angetrieben von der Lust auf Bundesliga-Fußball und dem Antrieb, einer zuletzt wie narkotisiert wirkenden Mannschaft wie 1899 Hoffenheim neues Leben einzuhauchen. Dass er das kann, hat der temperamentvolle Stanislawski über Jahre bei Pauli bewiesen. "Stani" kann Emotionen wecken.

Was ist neu?

1899-Sportdirektor Ernst Tanner hat sich mit Neuverpflichtungen bislang zurückgehalten. Lediglich Verteidiger Fabian Johnson vom VfL Wolfsburg, Stürmer Sven Schipplock vom Lokalrivalen aus Stuttgart und Knowledge Musona, ein 21-jähriger Angreifer aus Simbabwe, kamen bislang - das war's.

Ansonsten dreht sich alles um den neuen Trainer. Stanislawskis Aufgabe wird es sein, sowohl bei den Spielern als auch im Umfeld neues Feuer zu entfachen. Dabei genießt er die volle Rückendeckung aus der Führungsetage. "Er wirkt völlig natürlich, ist total geerdet und hat keine übertriebenen Vorstellungen. Er ist ein Typ, der Menschen begeistern kann", sagt beispielsweise Mäzen Dietmar Hopp. Und auch die Spieler scheinen von "Stani" angetan zu sein. "Wir haben einen sehr, sehr guten Eindruck vom neuen Trainer. Stanislawski und sein Team haben eine andere Art und Mentalität reingebracht", meint Außenverteidiger Andreas Beck, der zwar zwischenzeitlich mit einem Wechsel liebäugelte, 1899 aber wohl erhalten bleibt.

Stanislawski scheint für Hoffenheim eine gute Wahl. Der Neu-Trainer besticht durch eine gut austarierte Mischung aus Strenge und Humor und setzt strategisch auf eine Art von Fußball, die endlich wieder begeistern soll. "Wir setzen auf Nachwuchsspieler und wollen versuchen, Talente aus unserem eigenen Jugendbereich in die erste Mannschaft zu integrieren", erklärt der 41-Jährige, der sich sicher ist, die Fans mit "leidenschaftlichem Offensivfußball" begeistern zu können.

Was ist gut?

Es gibt Anlass zur Hoffnung. Zum einen sind da natürlich die finanziellen Voraussetzungen. "Hoffenheim hat eines der modernsten Trainingszentren Europas. Um die Möglichkeiten hier beneidet uns sicher nicht nur Pauli, sondern die halbe Bundesliga. Im Kraftraum gibt es so ziemlich jede Hantelgröße, die ich je gesehen habe, und die Trainingsplätze sind in hervorragendem Zustand", zeigt sich Stanislawski zufrieden. In der Tat sind auf dem ultramodernen Trainingsgelände alle Grundlagen gelegt, die zuletzt so malade Truppe wieder auf Vordermann zu bringen.

Hinzu kommt, dass der neue Mann an der Seitenlinie darauf hoffen darf, dass sich zwei Spieler endlich zu zwei wichtigen Leistungsträgern entwickeln. So präsentierte sich der letztjährige Millionen-Einkauf Ryan Babel in der Vorbereitung deutlich verbessert. Und auch Babels Sturmpartner auf der anderen Seite, Chinedu Obasi, hat seine lange Verletzung überwunden und kann wieder voll angreifen. Gut besetzt sind die Hoffenheimer auch auf der Torwartposition. Tom Starke gehört mittlerweile zu den besten Keepern der Liga.

Was ist schlecht?

Die Hoffenheimer haben bei ihren Spielen immer ein Gespenst im Nacken. Seit ihrem fulminanten Einstieg in die deutsche Eliteliga mit dem völlig überraschend errungenen Herbstmeistertitel werden die Nordbadener von ihrem Umfeld stets an den Zeiten gemessen, als sie noch die großen Bayern jagten. Seitdem hat sich zwar einiges verändert, die hohen Erwartungen aber - die sind gleich geblieben. Auch deshalb ist Stanislawski eifrig darum bemüht, die Prognosen nicht in den Himmel wachsen zu lassen. "Das Ziel, oben reinzupicksen kann man schon unterschreiben", gibt "Stani" die Marschrichtung vor. "Das wollen wir, das ist ein sehr hohes Ziel. Aber wenn wir einen einstelligen Tabellenplatz erreichen, sind wir auch zufrieden."

Bei den Transfers wurde gespart. Da hätte sich der Trainer sicher die eine oder andere Verstärkung mehr gewünscht.

Was ist möglich?

Eines ist jetzt schon klar: Stanislawski kann nicht selber spielen. Der Trainer muss daher darauf hoffen, dass im Kraichgau endlich wieder die Funken sprühen. Nur mit Leidenschaft und Elan eine gesamte Saison erfolgreich zu bestreiten, ist allerdings ein schweres Unterfangen. Den Hoffenheimer mangelt es insgesamt an individueller Klasse. Daher ist eine Platzierung um Rang zehn realistisch.

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