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Homosexualität & Fußball: Rütteln am Tabu

Es ist eines der Tabus unserer Gesellschaft: Noch hat sich kein deutscher Profispieler geoutet, schwul zu sein. Doch langsam ändert sich das gesellschaftliche Klima. Das zeigt Filmemacher Aljoscha Pause in seiner Dokumentation über Homosexulität und Fußball. Ein Interview mit dem Filmemacher.

Herr Pause, warum haben Sie diese Dokumentation über Homosexualität und Fußball gemacht?

An einem Tabu ein wenig zu rütteln, ist natürlich etwas Reizvolles. Ich persönlich fand es einfach wichtig, dass über dieses Thema endlich gesprochen wird. Und die DSF-Redaktion sah das genau so. Dabei fand ich es wirklich bemerkenswert, welche Zeit und welche Freiheit mir der Sender bei dem Projekt eingeräumt hat. Und zwar ohne auf "die Sensation" oder "das große Outing" zu schielen. Es ging allen um eine ehrliche, unaufgeregte Bestandsaufnahme. Außerdem gibt es in diesem Bereich bislang ganz wenige Arbeiten. Wahrscheinlich, weil Kollegen außerhalb der sehr geschlossenen Fußballwelt nicht nah genug herankommen, und die Journalisten und TV-Macher innerhalb dieses durchaus speziellen Mikrokosmos sich für die Thematik entweder nicht interessieren oder es - teilweise - selbst als Teil dieser Branche als Tabu empfinden.

Warum ist das Thema "Homosexualität und Fußball" eigentlich so ein Tabu?

Es wird ja häufig gesagt, der Fußball sei eines der letzten Reservate archaischer Männlichkeit. Dort ist Sexismus noch stärker verbreitet als im Gros der heutigen Gesellschaft, und Homophobie eben auch. Wobei es wichtig ist, zu sagen, dass auch der Rest unserer Gesellschaft längst nicht so aufgeklärt und schwulen- bzw. lesbenfreundlich ist, wie immer gerne behauptet wird. Alle, mit denen ich für den Film gesprochen habe, berichteten davon, dass Diskriminierung auch im Jahr 2008 noch ein großes Thema im Alltag ist, und zwar in allen gesellschaftlichen Bereichen. Prominente Coming Outs aus Show und Politik lenken davon eigentlich eher ab.

Gab es Dinge, Vorkommnisse, Aussagen, die sie bei der Recherche besonders geschockt oder berührt haben?

Erstaunt hat mich die durchaus eigentümliche Weltsicht von Christoph Daum. Selbst in seinen Rechtfertigungsversuchen schwang im Subtext immer die unwillkürliche Assoziation von Homosexualität und Übergriffen mit. Berührt haben mich die persönlichen Schicksale und Geschichten der Protagonisten. Marcus Urban, Marie Karsten, Tanja Walther, Anouschka Bernhard. Und ihr Mut, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, verbunden mit dem unbedingten Willen, für ihr Ding zu kämpfen. Die Aussagen mancher Fans waren natürlich erschüttert. Aber es gab auch wirklich sehr, sehr viele unaufgeregte Fußballfans, bei denen Homophobie kein Thema war. Das sollte man nicht unter den Tisch kehren. Auch die befragten Prominenten des Fußballs haben sich ja bis auf wenige Ausnahmen sehr positiv geäußert. Auch wenn solche Aussagen wie von Reiner Calmund, so freundlich sie waren, ja fast schon Positiv-Diskriminierung sind - so viele Klischees, wie er bemühte.

Viel Platz haben Sie in Ihrer Dokumentation dem DFB eingeräumt und dem "Paradigmenwechsel" von Präsident Theo Zwanziger, der sich offensichtlich aktiv gegen Diskriminierung einsetzt. Glauben Sie, dass man sozusagen "von oben" die Bereitschaft für Akzeptanz schaffen kann?

Zunächst mal ist allein die Bereitschaft und Offenheit des DFB unter Theo Zwanziger im Gegensatz zu früher etwas Neues und Wichtiges. Zusammen mit Leuten, die sich wirklich auskennen, z.B. Tanja Walther, wird nun beispielsweise mit Flyern, Plakataktionen und einem Webauftritt zumindest die Grundlage für ein homophileres Klima geschaffen. So eine Haltung von oben finde ich schon elementar wichtig. Wenngleich sie allein natürlich noch nicht viel verändert.

Wie schwer war es, Menschen wie Anouschka Bernhard, lesbische Ex-Frauenfußballerin, oder Marie Karsten, eine transsexuelle Schiedsrichterin, dazu zu bekommen, dass sie vor der Kamera über dieses Thema zu sprechen?

Der Sender hat mir sehr viel Zeit, rund ein halbes Jahr, für die Arbeit eingeräumt. So musste ich keinem sagen, "so, ich brauche dann übrigens sofort, am besten morgen, ein Interview". Vertrauen war die Grundlage. Ich musste den Protagonisten glaubhaft vermitteln, dass ich keine seichte, oberflächliche oder gar reißerische Geschichte daraus mache.

Über die transsexuelle Schiedsrichterin Marie Karsten sind Sie auch an ein Interview von einem Fußball-Profi gekommen, der aktiv und homosexuell ist. Was hat er gesagt, kennen Sie den Namen? Unter welchem Druck steht der?

Ich kenne den Namen des Fußballprofis. Kontakt zu ihm hatte ich aber nur über Marie Karsten. Ich bekam die Möglichkeit meine Fragen per Email zu stellen. Er steht unter einem enormen Druck. Nicht nur seine Leistung auf dem Fußballplatz leidet darunter.

Moderator Thomas Hermanns hat DFB-Präsident Theo Zwanziger angeboten, dass er den ersten Wagen beim CSD bekommt. Wird das stattfinden?

Sie werden es nicht glauben, aber es hat bereits einen guten Monat nach der Erstausstrahlung des Films, beim CSD in Köln Anfang Juli, einen vom DFB "gebrandeten" und subventionierten Fußballwagen gegeben. Und wir sind mit unserem Kamerateam oben mitgefahren. Für eine Fortsetzung der Doku, an der ich momentan arbeite und die wohl im Frühjahr nächsten Jahres ausgestrahlt wird. Aber es gibt noch keinen festen Sendetermin. Auch hier soll alles in Ruhe entstehen.

Ist die Zeit reif für ein Outing? Wenn nicht, was muss geschehen, damit sie das ist?´

Ich würde heute noch keinem Profi empfehlen, einen "Alleingang" zu machen. Das steht mir auch gar nicht zu. Vielleicht kann die neue Haltung und das Engagement von Tanja Walther und dem DFB etwas bewegen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich in einiger Zeit schwule Profis bei Tanja Walther und dem DFB melden, wenn sie denn überhaupt das Bedürfnis oder den Leidensdruck haben, an die Öffentlichkeit zu gehen. Wenn man dann in einer konzertierten, gut vorbereiteten und achtsam begleiteten Aktion mit mehreren Spielern nach vorne geht, wäre ein "erträgliches" Coming Out vielleicht möglich. Ich persönlich glaube, dass es erst einmal ein paar Ex-Spieler tun werden. Dann wäre der Weg bereitet.

Die Dokumentation "Das große Tabu - Homosexualität und Fußball" läuft am Freitag, 7. November von 20.15 bis 21.15 Uhr auf DSF.

Interview: Kathrin Buchner
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