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HSV-Hoffnung Armin Veh: Das Ende der Leidenszeit?

Aufbruchstimmung beim HSV. Am Dienstag stellten sich der neue Trainer Armin Veh und der frisch ernannte Sportchef Bastian Reinhardt in Hamburg vor. Sie müssen sich mit einigen Baustellen und offenen Fragen beschäftigen. Immerhin: Ein Spieler verlängerte schon frühzeitig.

Von Daniel Barthold

Lässig und erholt präsentiert sich der neue HSV-Trainer Armin Veh am Dienstag den Medien. Der Schwabe freut sich auf die neue Aufgabe, gibt sich selbstbewusst – und spart nicht mit Komplimenten für den neuen Arbeitgeber. Ihn erwartet „eine reizvolle Aufgabe bei einem großen Club“. Er denke, „wir haben für die neue Saison eine große Chance“. Zugleich schürt Veh schon bei der Vorstellung in der ohnehin nicht gerade mit Bescheidenheit aufwartenden Hamburger Fußball-Szene hohe Erwartungen. „Die Situation beim Hamburger SV ist ähnlich wie beim VfB Stuttgart 2007." Oha! Damals wurde der VfB mit Veh Deutscher Meister.

Bastian Reinhardt, bis vor kurzem noch Spieler und jetzt neuer Sportchef bei den Hanseaten, wirkt noch etwas verhalten: "Ich konnte den Aufsichtsrat mit meinem Konzept überzeugen und bin froh, dass man sich am Montag für mich entschieden hat." Trotz der Tatsache, dass Reinhardt keine Erfahrung im neuen Job hat, gibt er sich zuversichtlich: "Es ist eigentlich verrückt das zu sagen, aber meine Verletzung hat mir in gewisser Weise geholfen. Ich bekam eine neue Sicht auf die Spieler und für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar." Er sagte gar seinen geplanten Urlaub ab, um "die Zeit für die neue Aufgabe zu nutzen."

Vor allem die Beförderung von Reinhardt ist noch weit überraschender als die Verpflichtung von Veh. In den einschlägigen Internet-Foren wurde der Coup mit dem beliebten Kicker am Sonntagabend skeptisch aufgenommen, vor allem aufgrund fehlender Erfahrung. Da Reinhardt keine Details über Ziele und Konzepte preisgab, bleibt hinter seinem Aufgabenbereich noch ein dickes Fragezeichen.

Hamburg lechzt nach einem Titel

Armin Veh flachst derweil schon mit der Presse: "Aufgrund der Offensivstärke des HSV werde ich hier nicht mit einer Raute spielen. Auch wenn es zum Verein passen würde." Er habe in Stuttgart schon mit Horst Held als jungen Sportchef gearbeitet, und das erfolgreich. Somit sei die fehlende Erfahrung Reinhardts kein Problem.

Für viele HSV-Fans ist die Zielsetzung entscheidend. Wann wird es in Hamburg wieder etwas zu feiern geben und das Ende der Leidenszeit eingeläutet werden? Schließlich haben die Hamburger seit 1987 keinen Titel mehr geholt. "Wir haben Ziele, werden sie aber noch nicht öffentlich ausgeben. Der Vorteil bei uns ist, dass wir uns ganz auf die Meisterschaft und den DFB-Pokal konzentrieren können", sagte Veh, der mit dem VfL Wolfsburg in dieser Saison international Schiffbruch erlitten hat – bereits in Runde 1 der Champions League war Schluss. Als die Niedersachsen dann in der Europa League haussierten, war Veh schon gefeuert. In Wolfsburg konnte Veh das Erbe von Felix Magath nicht ausfüllen, da er mit zu vielen Aufgabenbereichen zu tun hatte. In Hamburg hat er nur den Trainerposten inne, was die Arbeit um einiges erleichtert.

Guerrero bleibt bis 2014

Der HSV wird kommende Saison gar nicht international spielen – und blickt daher auf das schwächste Jahr seit Langem zurück. Ex-Trainer Bruno Labbadia scheiterte dabei am Fehlen des Sportchefs. Dies sieht Bastian Reinhardt ähnlich: "Man hätte viel Druck vom Trainer nehmen können und viele Probleme früher erkennen und entschärfen können." Und damit setzt auch er ein Ausrufezeichen. Denn zu verantworten hat den vakanten Posten der Vorstand – und in erster Linie HSV-Chef Bernd Hoffmann. Der sieht die neuen sportlichen Verantwortlichen als "starkes Team." Die Skepsis am neuen Trainer und vor allem an der Personalie Reinhardt seitens der HSV-Anhänger, die man am Montagabend in sämtlichen Internetforen entnehmen konnte, können die Verantwortlichen gar nicht nachvollziehen. Aufsichtsratschef Horst Becker erwiderte: "Warum gibt man einem jungen Mann wie Bastian Reinhardt, der eine große Affinität zum HSV hat, keine Chance?"

Was den Trainerstab Vehs angeht, sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Nach Gesprächen mit Urs Siegenthaler, der beim HSV in erster Linie die Nachwuchsarbeit und Talentsichtung betreuen wird, konnte Veh jedoch eine "ähnliche Philosophie" erkennen. Der neue HSV-Coach darf sich zudem freuen, dass Paolo Guerrero einen neuen Vier-Jahres-Vertrag bei den Hamburgern unterschrieb. Guerrero hat somit, trotz der Querellen der vergangenen Saison, eine langfristige Zukunft beim HSV. Veh und Reinhardt auch?

Von Daniel Barthold

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