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HSV in Abstiegsgefahr: Alarmstufe Rothose

Der HSV rauscht nach einem Zwischenhoch wieder in den Tabellenkeller. Auch weil sie die Lage in Hamburg lange verkannt haben - jetzt droht ein wahres Horrorszenario.

Ein Kommentar von Tim Schulze

Ab der 70. Minute hatten die Hamburger Zuschauer genug gesehen, in großer Zahl verließen sie gefrustet die Imtech-Arena des HSV. Zu diesem Zeitpunkt führte das Gästeteam aus Freiburg bereits mit 3:0. Die Anhänger des Bundesliga-Dinos hatten mit ansehen müssen, wie mutlos und verunsichert die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink agierte, die zugebenermaßen stark ersatzgeschwächt antrat. Das Bild dieses aus Hamburger Sicht trostlosen Nachmittags lieferte Torjäger Mladen Petric, als er freistehend vor dem Tor die größte Chance auf unbeschreibliche Weise verstolperte. Das wäre der Anschlusstreffer gewesen, die Hamburger hätten noch einmal Mut schöpfen können. Stattdessen erhöhte Freiburg die Führung auf drei Tore - das Spiel war gelaufen.

Es war die dritte Niederlage in Folge, seit fünf Spielen hat der HSV nicht mehr gewonnen. Die Folge: Die Hamburger rauschen nach einem zwischenzeitlichen Hoch in der Tabelle wieder nach unten. Sie haben nur noch zwei mickrige Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz - es herrscht Alarmstufe Rot beim Liga-Dino.

Der HSV hat die Realität verkannt


Den Hamburgern sollte vor allem zu denken geben, dass die Punkte gegen einen direkten Konkurrenten verloren gingen. Jetzt rächt sich, dass sie in der Hansestadt von einer alten Krankheit befallen wurden: In Hamburg gewinnen Träumereien oft die Oberhand über die Realität, die Fans der Rothosen sind - vorsichtig ausgedrückt - entweder sehr kritisch mit ihrer Mannschaft oder heben sie in den siebten Himmel. Dazwischen gibt es nichts.

Wie jüngst wieder zu beobachten war: Kaum hatte Fink die Mannschaft vom letzten Platz in das untere (!) Tabellenmittelfeld geführt, machte schon wieder das Wort vom Europapokal die Runde. Der Coach befeuerte solche Gedankenspiele durch öffentliche Äußerungen. Ein schwerwiegender Fehler – sie gaukelten auch der Mannschaft vor, dass sie "unglaubliches Potential" habe. Das war nie der Fall, das Hamburger Team taugt höchstens fürs Mittelmaß - und auch nur, wenn sie dafür alles gibt.

Doch das war in den vergangenen Spielen nicht der Fall. Wie gegen Freiburg mangelte es an Einsatz und an einer stabilen Defensive. Die Mannschaft hat nach den zwischenzeitlichen Erfolgen offensichtlich nicht verstanden, worum es geht. Dabei müsste sie nur in den Süden der Republik schauen. Dort machen Freiburg und Augsburg vor, wie man sich herausreißen kann: Einsatz, Kampf und Teamgeist können mangelnde Klasse kompensieren. So hat man eine Chance. Stattdessen schwächt sich das Team durch Undiszipliniertheiten (Rote Karten für Rajkovic und Guerrero) selbst.

Ein ganz besonderes Horrorszenario ist möglich


Man stelle sich Folgendes vor: Der HSV landet am Ende der Saison auf dem 16. Tabellenplatz und der Stadtrivale FC St. Pauli würde Dritter in der 2. Liga. Die beiden Teams würden in der Relegation aufeinandertreffen und um Auf- und Abstieg kämpfen. In den Fanforen der Paulianer wird schon reichlich über dieses Szenario gewitzelt, vor allem darüber, dass der Kiezclub dem verhassten Bundesliga-Dino die bitterste Niederlage seiner Clubgeschichte beibringen könnte. Der HSV sollte sich und der Hamburger Polizei dieses Horrorszenario ersparen. Doch unabhängig von dieser Pointe muss die Mannschaft endlich verstehen, worum es geht: um den Abstieg.

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