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International: Hoffnungslos unterschätzte Spieler

Nach der Peitsche folgt bei uns das Zuckerbrot: Auf die überschätzen Spieler folgen diejenigen Akteure, die oft im Schatten anderer ihre Leistungen zeigen und meist nicht als die Stars wahrgenommen werden, die sie eigentlich sind.

Die Medien können immer nur meckern, meckern, meckern - so lautet ein des Öfteren nicht ganz aus der Luft gegriffener Vorwurf. Wobei oft Kritik mit Gemecker verwechselt wird. Die nun folgenden fünf Spieler wollen wir allerdings nicht kritisieren, sondern ihre Leistungen, die oft im Schatten anderer stehen, einmal ausführlich würdigen.

Sergio Busquets

Henning Schulz: Als es darum ging, einen unterschätzten Spieler zu nennen, sind mir spontan zwei Namen eingefallen: Sergio Busquets und Sami Khedira. Doch ich habe mich für den Spanier entschieden, da er mit seinen Teams doch deutlich mehr erreicht hat als Khedira. Nur einen Monat nachdem er im September 2008 als 20-Jähriger sein Pflichtspiel-Debüt für Barca gegeben hatte, wurde ihm ein Vertrag bis 2013 angeboten mit  einer Ausstiegsklausel über 80 Millionen Euro. Bei Barcelona hatte man schnell sein Talent erkannt und mittlerweile ist er ein bedeutender Bestandteil nicht nur des Barca-Teams, sondern auch der spanischen Nationalmannschaft.

Auf den ersten Blick ist der Sohn des früheren Barca-Torhüters Carlos Busquets derjenige, der im Mittelfeld für seine genialen Spielpartner die Schmutzarbeit erledigt. Dabei ist Busquets aber mehr für seine Teams. Xavi schwärmt laut guardian.co.uk von seinem Teamkolegen: "Busi sieht dich schnell, er wählt immer die einfache Möglichkeit. Er liest das Spiel sehr gut und spielt den Ball mit Präzision, mit so wenig Ballberührungen wie möglich." Auch Nationaltrainer Vicente Del Bosque ist voller Lob für seinen unersetzlichen Spieler. "Wenn ich wie irgendein Spieler auf der Welt sein könnte, wäre ich gerne wie Sergio Busquets." Mehr Lob geht nicht.

Antonio di Natale 

Malte Asmus: Er trifft seit Jahren für Udinese Calcio wie am Fließband, in den Planungen von Nationaltrainer Cesare Prandelli spielt Antonio di Natale trotzdem keine Rolle. Völlig unverständlich, wenn man sich die überragenden Quoten des Stürmers vor Augen führt, findet auch Christian Panucci. "Nur in Italien hat einer, der zweimal Torschützenkönig in Folge war, keine Chance in der Nationalmannschaft", kritisierte der Sky Italia-Experte – zumal di Natale auch aktuell die Torjägerliste anführt.

Seit Beginn der Saison 2009/10 schoss der Stürmer 67 Tore in 84 Spielen – deutlich mehr als die ihm in der Squadra Azzurra zuletzt vorgezogenen Pazzini, Cassano, Rossi, Balotelli und Debütant Osvaldo. Historisch gesehen lässt di Natale mit seiner überragenden Quote sogar Superstars wie Baggio, Shevchenko oder van Basten hinter sich. Die ihm dafür gebührende Anerkennung bleibt ihm aber leider verwehrt. Natürlich ist er mit 34 Jahren nicht mehr der Jüngste, aber macht seine Qualität sein Alter nicht wett?

Marcelo

Marcus Krämer: Wenn bei Real Madrid von den spielentscheidenden Leuten gesprochen wird, fallen die Namen Cristiano Ronaldo, Xabi Alonso, Iker Casillas oder auch Gonzalo Higuain. Ein Name wird dabei gerne vergessen, denn Marcelo ist ja nur Außenverteidiger. Dabei hat der Brasilianer alles, um auf dieser Position der stärkste der Welt zu werden.

Durch seine Erfahrungen im Mittelfeld hat Marcelo seine Stärken sicherlich in der Offensive, aber mit seiner robusten und manchmal auch kompromisslosen Art in die Zweikämpfe zu gehen, erinnert er nicht an einen typischen Ballkünstler vom Zuckerhut. Zudem kann Marcelo gut flanken, verfügt aber auch über einen guten Schuss und hat auch die nötige Spielübersicht. Noch ruft er sein Potenzial zwar zu selten ab, aber da er schon seit 2007 für die Königlichen kickt, wird auch gerne vergessen, dass er erst 23 Jahre alt ist. Nachdem der Streit mit Nationaltrainer Mano Menezes ausgeräumt ist, wird er auch bei der WM 2014 in Brasilien eine tragende Rolle in der Selecao spielen.

Clint Dempsey 

Sven Kittelmann: Gemeinhin vertreten Viele - ich zähle mich bisweilen auch dazu - die Ansicht, dass US-Spieler sich außerhalb der MLS kaum durchgesetzt haben. Doch keine Regel ohne Ausnahmen. In meinem Fall heißt diese Clint Dempsey. Der spielt seit 2006 in Fulham, mittlerweile wird sich kaum ein Fan ein Team der Cottagers ohne den Offensivmann vorstellen können. 

Denn Dempsey ist das Herz und der Antreiber in Fulham und seit Jahren Leistungsträger Nummer eins. Seine zwei größten Stärken sind Vielseitigkeit und sein Killerinstinkt. 43 Tore in Premier League sowie Europa League weist er in den fünfeinhalb Spielzeiten auf der Insel auf und hat sich seit seinem Traumtor gegen Juventus Turin im Achtelfinale der Europa League endgültig in die Geschichtsbücher Fulhams geschossen. 

William Kvist

Michel Massing: Den Applaus ernten die Torschützen. Spieler der Jahres werden die Dribbelkönige. Die Bedeutung der defensiven Mittelfeldspieler wird dagegen oft fahrlässig unterschätzt. Das tut Bruno Labbadia nicht. Der VfB Stuttgart liegt auf dem siebten Tabellenplatz. Ich behaupte, ein Grund für den derzeitigen Erfolg findet man im defensiven Mittelfeld der Schwaben. William Kvist kam vor der Saison für 3,5 Millionen Euro aus Kopenhagen wo mit Trainer Stale Solbakken fünf Meisterschaften holte und in der Champions League bis ins Achtelfinale vordringen konnte. Kvist ist der neue Chefstratege in Stuttgart, er ist der Anti-Messi (Kvist über Kvist).

Sein Ex-Trainer weiß, warum man einen Kvist braucht. "Er kann den Rhythmus einer Mannschaft bestimmen“, so Solbakken laut express.de. Noch ein paar Fakten gefällig? Kvist ist mit 61,74 Prozent gewonnener Zweikämpfe (Daten bild.de) der beste Mittelfeldspieler der Liga in dieser Kategorie. Er gehört zu den besten Passspielern der Liga (87,28 Prozent/bild.de). Kvist "ist laufstark“ und "hat eine gute taktische Ausbildung“, meint Solbakken. Labbadia sagt: "Wir brauchten einen Strategen und jemanden der Ruhe reinbringt, den haben wir mit Kvist gefunden“, so der VfB-Coach laut stuttgarter-zeitung.de. Trainer wissen, was sie an solchen Spielern haben – von der Öffentlichkeit werden sie oft sträflich verkannt.

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