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Fußball-EM Lena Oberdorf "liebt es, wenn es im Zweikampf auch mal knallt" und ist mit 20 schon ein Leader

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (l.) hält große Stücke auf Lena Sophie Oberdorf
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (l.) hält große Stücke auf Lena Sophie Oberdorf
© Sebastian Gollnow / DPA
Lena Oberdorf ist mit erst 20 Jahren eine entscheidende deutsche Spielerin bei der EM 2022. Im defensiven Mittelfeld sorgt sie dafür, dass gegnerische Angriff verpuffen – und hat dabei viel Spaß.

Kein einziges Gegentor hat die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in der Vorrunde und dem ersten K.O.-Spiel der Fußball-EM kassiert. Einen großen Anteil daran hat Lena Oberdorf. Trotz ihrer erst 20 Jahre gilt sie als eine der besten Fußballerinnen weltweit auf der Sechserposition im defensiven Mittelfeld. "Ich glaube, alle haben gesehen, was Lena Oberdorf in diesen jungen Jahren heute gespielt hat – mit einer Reife und einer Intensität und einer Lust, Bälle zu erobern (...) und das auf ihre Mitspielerinnen zu übertragen. Das war klasse!", schwärmte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nach dem Halbfinal-Einzug in Brentford.

"Ich liebe es, wenn es physisch zur Sache geht, wenn es im Zweikampf auch mal knallt", erklärte Oberdorf mal ihre Spielweise. Mit zwölf Jahren spielte die Defensivspezialistin schon in der U15-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes, mit 17 löste sie bei der WM 2019 in Frankreich Birgit Prinz als jüngste deutsche Nationalspielerin ab. Eines ihrer Vorbilder: Sergio Ramos. Die eher rustikale Spielweise des spanischen Kapitäns hat sie gemeinsam mit ihrem Bruder Tim – selbst Profi bei Fortuna Düsseldorf – in Youtube-Videos studiert. Was ihr auffiel: "Der hat sich immer gefeiert, wenn er eine Grätsche ausgepackt hat.

Vorbilderfür Lena Oberdorf: Ramos und Busquets

Neben Ramos schaut sich die frühere Essenerin auch gerne etwas von einem weiteren spanischen Ex-Weltmeister ab: "Ich gucke sehr gerne Sergio Busquets zu, weil er sich immer extrem gut in den Räumen bewegt." Und sie hofft, Bayern-Star Joshua Kimmich persönlich kennenzulernen. "Ich glaube, ich würde mich gerne mit Kimmich austauschen, weil er auch so ein bisschen das verkörpert: diese Emotionen im Spiel, niemals aufgibt, in jeden Zweikampf nochmal reingeht, jeden Laufweg nochmal macht", erklärte Oberdorf. "Ich glaube, dass unsere Spielideen ganz gut zusammenpassen."

Wenn die DFB-Elf um 21 Uhr (ZDF, bei DAZN oder im stern-Liveticker) im Halbfinale gegen Frankreich antritt, wird Oberdorf auch die eine oder andere Grätsche auspacken müssen. Die Französinnen "haben eine brutale Qualität, sind vor allem auf den Außenbahnen richtig gut", sagte Joti Chatzialexiou, Leiter der Nationalteams beim DFB nachdem die Halbfinal-Gegnerinnen der Deutschen feststanden. Er sieht ein "Fifty-Fifty-Spiel". Er habe aber "keine Sorge, weil ich die Energie in unserer Mannschaft spüre".

Vorbereitung auf EM-Halbfinale gegen Frankreich

Frankreich tritt gegen Deutschland mit vielen Spielerinnen vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon an, wie die 1,87 Meter große Renard, aber auch mit zwei Tagen weniger Vorbereitung. Was Trainerin Corinne Diacre offenbar kein Kopfzerbrechen bereitet: "Wenn du gewinnst, erholst du dich immer schneller."

Gewinnen ist Oberdorf gewohnt. Mit 16 wechselte sie von ihrem Heimatverein TSG Sprockhövel in die Bundesliga zur SGS Essen und entwickelte sich schnell zur Leistungsträgerin. Im Sommer 2020 unterschrieb sie beim VfL Wolfsburg und gewann mit dem Klub nach dem DFB-Pokal 2021 dieses Jahr das Double. Prompt verlängerte Oberdorf ihren Vertrag vorzeitig bis 2025. Sie zieht es nicht ins Ausland, obwohl sie in England zum Beispiel sicher mehr verdienen könnte. "Das familiäre Verhältnis, das man in Wolfsburg hat, gibt einem unfassbar viel", sagte sie.

Mit Mannschaftsgefühl bis ins EM-Finale?

Auch im DFB-Team scheint bei der EM eine Atmosphäre zu herrschen, die Oberdorfs Leistung beflügelt. "Ich glaube, dass man von Anfang an sagen konnte, dass der größte Traum Wembley ist. Mit dem Mannschaftsgefühl, das wir gerade haben, sind wir da auf dem besten Weg", sagte Oberdorf nach dem gewonnenen Viertelfinale gegen Österreich.

Eine weiße Frau mit blondem Mittelscheitel und in schwarzer Trainingsjacke mit weißen Streifen an den Ärmeln lächelt

Oberdorf bildet mit Almuth Schult, Sara Däbritz, Lina Magull, Svenja Huth und Kapitänin Alexandra Popp den Mannschaftsrat bildet. "Meine Rolle hat sich dahingehend verändert, dass ich mehr den Mund aufmachen kann und neben den anderen eine kleine Leaderin bin", sagt sie.

"Wir wollen nur spielen"

Als solche saß sie dann Dienstag auch bei der Abschluss-Pressekonferenz vor dem Halbfinale neben der Nationaltrainerin und beantwortet die Frage, wie sich denn ein EM-Halbfinale für die jüngeren Spielerinnen anfühlt. "Für mich ist es schon 'Wow, es ist ein Halbfinale!', weil die Atmosphäre eine komplett andere ist. Selbst die Atmosphäre im Viertelfinale war schon eine andere als noch in der Gruppenphase." Sie denke aber, die Jüngeren steckten das gut weg. "Wenn man eins über uns Junge sagen kann, dann ist es, dass wir nur spielen wollen." Und vielleicht ist das das Geheimnis von Oberdorfs Erfolg.

Weitere Quellen: DPA, "Süddeutsche Zeitung", Profil von Lena Oberdorf auf "kicker.de"PK mit Voss-Tecklenburg und Lena Oberdorf vor Halbfinale auf "dfb.tv".


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