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Fußball-EM 2016 Rassismus-Vorwurf: Benzema sorgt für mächtig Zoff bei Les Bleus

Karim Benzema vor zwei Jahren kurz vor einem Spiel mit der Nationalmannschaft
Vor einem halben Jahr flog Karim Benzema aus der Nationalelf
© Guillaume Horcajuelo/DPA
Karim Benzema wirft Nationaltrainer Didier Deschamps vor, ihn aus rassistischen Gründen nicht für den EM-Kader nominiert zu haben. Seitdem streitet das ganze Land über den Fall. Kurz vor der Heim-EM eine Debatte zur Unzeit.

Karim Benzema hat vor dem EM-Eröffnungsspiel der französischen Nationalelf gegen Rumänien am kommenden Freitag im Stade de France eine Rassismus-Diskussion angezettelt. Der Torjäger mit algerischen Wurzeln behauptet, Nationaltrainer Didier Deschamps habe ihn aus rassistischen Gründen aus der Équipe Tricolore verbannt. Genauer: Deschamps habe sich dem Druck des rassistischen Teils Frankreichs gebeugt. Seitdem debattiert das Land über den Fall. Die französische Sportzeitung „L'Équipe" sprach von einem "Sturm", der losgebrochen sei. Das Land und die Anhänger sind im Fall Benzema gespalten. Das Fehlen des Stürmers von Real Madrid ist sportlich ein Verlust. In dieser Saison gewann er mit den Königlichen die Champions League.

Bei den Mitspielern in der Nationalelf kamen Benzemas Aussagen offensichtlich nicht gut an. Zuletzt sprang Patrice Evra dem Trainer zu Seite: "Wir sind ein Land, das Kontroversen liebt, es ist herrlich. Wir reden gerne über alles Mögliche, aber wir müssen uns darauf konzentrieren, was auf dem Platz passiert", sagte der Verteidiger von Juventus Turin. Und gegen Benzema gerichtet: "Nichts, das gesagt wurde, hat mich getroffen, denn das sind Lügen, die keine Grundlage haben." Bayern Münchens Kingsley Coman betonte bei einer Pressekonferenz: "Es gibt viele Spieler mit unterschiedlicher Hautfarbe in der Mannschaft, mit unterschiedlicher Herkunft. Ich kann hier von Rassismus nichts sehen.“

Sogar Eric Cantona mischt sich ein

Zuvor hatten Sportminister Patrick Kanner und der frühere Premierminister François Fillon die Äußerungen zurückgewiesen. In einer Online-Umfrage von "L’Equipe“ wollen Zweidrittel der 4500 Teilnehmer Benzema nicht mehr in der Nationalmannschaft sehen.

Doch es gibt auch Kritik. Unbekannte beschmierten sogar das Haus Deschamps' in Concarneau mit dem Wort "Rassist". Fußball-Legende Eric Cantona warf Deschamps ebenfalls Rassismus im Fall von Benzema und dem ebenfalls nicht nominierten Hatem Ben-Arfa. Dabei übersah Cantona, dass es der marokkanisch-stämmige Adil Rami (FC Sevilla) es in den 23-köpfigen Multi-Kulti-Kader geschafft hatte. Von dunkelhäutigen Spielern wie Kingsley Coman, Paul Pogba oder Patrice Evra mal abgesehen.

Rassismus ist ein grundsätzliche Problem

Gemäßigte Stimmen weisen darauf hin, dass im Fall Benzema kein Rassismus im Spiel sei, allerdings sei er grundsätzlich vorhanden im französischen Fußball. So schrieb die Regionalzeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace": "Wenn der Rassismus im französischen Sport existiert, was man nicht leugnen kann, dann ist es nicht auf dem Spielfeld oder in den Nationalmannschaften. Sondern in den Führungsinstanzen der Clubs und Verbände, wo die Franzosen der zweiten oder dritten Generation hoffnungslos abwesend sind".

Hintergrund von Benzemas Suspendierung sind die Vorwürfe in der Sex-Video-Affäre. Der 28-Jährige wird beschuldigt, bei der Erpressung von Nationalteam-Kollege Mathieu Valbuena als Komplize agiert und für die Haupttäter vermittelt zu haben.

tis/mit DPA

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