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Kicken & Kaviar: Eine WM für die VIPs

Die VIPs freuen sich auf ihre Fußball-WM und auch die bei der Ticketverlosung leer ausgegangenen Fans wollen offenbar tiefer in die Tasche greifen. Bei den Vermarktern exklusiver Luxus-Plätze gibt es noch freie Plätze.

"Seitdem das Ergebnis der Zuteilung bekannt ist, haben sich bei uns die Anrufe gehäuft", sagte Peter Csanadi, Sprecher von iSe-Hospitality, dem Vermarkter der exklusiven Sitze beim Sportspektakel. Für 1900 Euro kann der Anhänger in kleineren Stadien wie in Kaiserslautern oder Nürnberg drei Spiele sehen. Die für alle sechs Begegnungen im Berliner Olympiastadion bis zu 336 000 Euro teuren Skyboxen, in denen 10 bis 20 Leute von Hostessen mit Champagner und Feinkost bedient werden, dürften dagegen nur für Firmen in Frage kommen.

Die WM der Privilegien

Spätestens seit der ersten Zuteilung der Tickets ist klar, dass die WM 2006 auch eine WM der Privilegien wird, denn weniger als 50 Prozent der Karten gibt und gab es im freien Verkauf. Für ein Honorar von 1,7 Millionen Schweizer Franken (1,1 Millionen Euro) hat das Schweizer Unternehmen iSe das Exklusivrecht zugesprochen bekommen, 346 950 Höchstpreis-Karten zu vermarkten. Dabei geht es besonders um Plätze in den rund 500 Logen. Sie kosteten und kosten je nach Größe und Lage zwischen 90 000 und 428 000 Euro, die teuersten sind schon verkauft.

Vier verschiedene Programme des Rundum-Sorglos-Pakets hat der Vermarkter aufgelegt: Premier (1900 bis 9000 Euro), Prestige (3600 bis 8700 Euro), Elite (5650 bis 11 200 Euro) und eben die exklusiven Skyboxen, von denen noch Logen von 90 000 bis 350 000 Euro zu haben sind. Alle bieten besondere Sitzplätze, Verköstigung, Parkplätze, einen besseren Stadion-Zugang und ein Geschenk gibt es auch mit nach Hause. Die Qualität richtet sich nach der jeweiligen Kategorie.

Urlaub streichen wg WM-Tickets

"Die Produkte sind nicht billig, aber auch nicht so teuer. Es sind immerhin die besten Plätze der weltbesten Sportveranstaltung", rührt Csanadi die Werbetrommel und sieht selbst den Normalbürger als Kunden. "Das ist eine einmalige Gelegenheit. Dann verschiebt man den Autokauf um ein Jahr oder macht vielleicht Urlaub auf dem Bauernhof statt in der Türkei."

Wer trotzdem lieber das Auto gleich kaufen will, in die Türkei möchte oder nicht so viel Geld hat, kann neben der normalen Ticket- Lotterie auch noch auf die Sponsoren hoffen, für die 550 000 Karten reserviert sind. Ein Teil dieser Tickets fließt nämlich über Gewinnspiele an die Öffentlichkeit zurück. "Die Sponsoren können jetzt als Wohltäter auftreten, die Tickets ausschütten", sagte Hartmut Zastrow vom Kölner Marketing-Institut Sport+Markt.

Zeltstadt für die Promis

In der Endspielstadt Berlin manifestiert sich die Privilegien-WM auf eine besondere Weise. Neben dem Olympiastadion ist eine 25 000 Quadratmeter große Zeltstadt geplant, verköstigt werden können dort 22 500 VIPs. Das Prominenten-Programm ist Teil der Geldbeschaffung für die WM. Die FIFA garantiert dem Organisationskomitee 170 Millionen Euro aus dem Hospitality-Programm. Ohne diese Einnahmen könnten die deutschen Organisatoren ihren auf 430 Millionen angewachsenen Etat nicht ausgleichen.

Christian Kunz/DPA

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