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Kommentar zum HSV Einfach nur planlos

Die neuen Bosse beim HSV wollten dem Bundesliga-Dino nach vielen Jahren Schlingerkurs endlich Kontinuität verpassen. Nach sechs Spieltagen wurde Trainer Michael Oenning nun entlassen - und damit auch die Idee des Neustarts ad absurdum geführt.
Von Klaus Bellstedt

Und so sprach Hamburgs Sportdirektor Frank Arnesen nach der 0:1-Niederlage gegen Mönchengladbach: "Michael Oenning wird auch in Stuttgart auf der Bank sitzen." Es war die fünfte Pleite im sechsten Saisonspiel für den HSV, der dadurch seinen letzten Tabellenplatz eindrucksvoll festigte. Die Job-Garantie hielt nicht mal 48 Stunden. Oenning ist Geschichte. Und auch wegen der Haltbarkeit des Arnesen-Zitats leidet der Ruf des Bundesliga-Dinos immer schwerer.

Was sind das für Verantwortliche im Club, die selber keine Linie im Kopf haben? Arnesen mit seinen halbgaren Aussagen ohne jegliche Verlässlichkeit ist der eine, Club-Boss Carl Edgar Jarchow, dem in der Hansestadt jeglicher Fußballsachverstand aberkannt wird, der andere.

Nach der Ära Hoffmann übernahm der Kaufmann das Ruder. Seine Ankündigung, fortan Kontinuität in den Verein zu bringen, muss sich in den Ohren der HSV-Fans jetzt wie Hohn anhören. Noch vor drei Wochen hatte Jarchow Oenning öffentlich im NDR-Sportclub eine Art Persilschein ausgestellt. Im Juni sogar vor der versammelten Mannschaft. Im Nachhinein war genau das der erste Fehler.

"Wir haben vereinbart, dass es keinerlei Aussagen zu der Frage nach dem 'was wäre wenn' gibt. Jarchows Rumgeeiere im Anschluss an die Pleite gegen Gladbach war bezeichnet - zumal nach Arnesens nur wenige Minuten bei einem anderen TV-Sender vorher artikulierten Jobgarantie. Beim HSV, genauer gesagt im Vorstand, denn auch der Däne gehört ja zum Führungsgremium, weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut. Das kennt man ja.

Der Club hat im Sommer den Neustart versucht. Neuer Trainer, neuer Sportdirektor, neue Spieler, neuer Boss. Der Schnitt war dringend nötig. Aber jetzt, nach dem unrühmlichen Rausschmiss von Michael Oenning zeigt sich: Es hat sich wenig bis gar nichts geändert. Die Effekte sind verpufft, der Abwärtstrend wurde eher beschleunigt.

Der Nächste kann einem jetzt schon leid tun

Natürlich sind Oenning zuletzt die Argumente ausgegangen. Seine Bilanz als HSV-Trainer ist erschreckend. In 14 Spielen holte er mit der Mannschaft nur einen Sieg. Das Team ging zuletzt immer mehr auf Distanz zu ihrem Chef. Und trotzdem hätte es auch die Möglichkeit gegeben, am jungen Trainer festzuhalten. Die Saison ist gerade mal sechs Spieltage alt. Aber Jarchow und Arnesen hat dazu schlicht der Mut gefehlt. Und jetzt? Folgt der nächste Neustart. Eigentlich unfassbar.

Oenning, das muss festgehalten werden, war nicht Arnesens Trainerkandidat. Für die kleine, billigere Lösung hatte sich vor allem der neue Club-Chef stark gemacht. Das Experiment ist grandios gescheitert. Konsequenterweise müsste Jarchow sich eigentlich gleich mit feuern. Aber auch dafür wird ihm der Mut fehlen.

Der nächste Trainer des HSV, er kann einem bei diesen Club-Verantwortlichen jetzt schon leid tun.


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