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Krise in Hoffenheim: Keine Träume mehr beim Aufsteiger

Hoffenheims Bankdrücker Selim Teber hat nach dem neunten Spiel ohne Sieg deutliche Worte gefunden und die vermeintlichen "Superstars" scharf kritisiert. Trainer Ralf Rangnick ärgerte sich nach der Niederlage gegen Bochum maßlos, flüchtete sich aber in Sarkasmus.

Trainer Ralf Rangnick und Manager Jan Schindelmeiser hielten auch nach dem neunten Spiel ohne Sieg von 1899 Hoffenheim ihre schützende Hand über die Mannschaft - doch Kapitän Selim Teber sprach Klartext. "Die Zeit ist gekommen, dass wir aufhören zu träumen. Es kann schon sein, dass ein paar denken, dass sie die Superstars sind", meinte der Bankdrücker, der zum Saisonende den Bundesliga-Herbstmeister verlassen wird, nach dem blamablen 0:3 (0:1) gegen den VfL Bochum ungewöhnlich deutlich. "Wenn man nicht alles gibt, dann gibt es eben auf die Mütze."

Rangnick, der vom Ehrgeiz getriebene Perfektionist, hatte unter der Woche ein dreitägiges Trainingslager im Schwarzwald angesetzt und am Freitag erstmals Platz fünf als Saisonziel ausgegeben. Doch er musste machtlos mit ansehen, wie seine Spieler durch drei Tore von Stanislav Sestak (42./55./69. Minute) vor 30 150 Zuschauern in der ausverkauften Rhein-Neckar-Arena vorgeführt wurden. Dass Carlos Eduardo nach einem Ellbogencheck gegen Philipp Bönig (59.) seinen dritten Platzverweis innerhalb eines Jahres kassierte und zwei Minuten später auch Torwart Daniel Haas nach einer Notbremse an Sestak Rot sah, ärgerte den Trainer maßlos. Der 50-Jährige flüchtete sich jedoch in Sarkasmus: "Die Saison ist noch nicht zu Ende. Wir haben nicht vor, den Spielbetrieb auslaufen zu lassen."

"Es fehlt der letzte Wille"

Wiederholungstäter Carlos Eduardo werden nach der zu erwartenden Sperre jedoch nicht mehr viele Spiele bleiben. Schindelmeiser hatte dem kleinen Brasilianer schon nach der Keilerei mit HSV-Stürmer Ivica Olic im Testspiel im Januar in Spanien die Leviten gelesen, "aber er hat die Botschaft nicht verstanden". Auch auf der Torhüterposition plagen die Hoffenheimer Sorgen: Nachdem Timo Hildebrand an einer Knieverletzung laboriert, musste nach Haas' Platzverweis der fast abgeschriebene Österreicher Ramazan Özcan zwischen die Pfosten.

"Es fehlt einfach der letzte Wille. Der Trainer muss jetzt die elf Besten finden, die bereit sind, sich reinzuschmeißen und das nächste Spiel zu gewinnen", sagte Teber. Ob denn außer dem Trainer in der jungen Mannschaft jemand die Richtung vorgibt? "Was soll ich auf den Tisch hauen? Mir fehlt die Rückendeckung, dass ich absolut gesetzt bin." Rangnick sprach nur von einer "Ergebniskrise". Es habe keinen Sinn, erklärte Schindelmeiser, "auf die Mannschaft draufzuschlagen".

Ulrike John/DPA / DPA

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