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1899 Hoffenheim: Eklatante atmosphärische Störungen

Bei 1899 Hoffenheim liegen die Nerven blank: Nach zuletzt neun Spielen ohne Sieg sorgen bei den Kraichgauern interne Schuldzuweisungen für eklatante atmosphärische Störungen. Spielmacher Carlos Eduardo wurde vom DFB wegen einer Tätlichkeit für fünf Spiele gesperrt.

Besonders Trainer Ralf Rangnick geht mit seinen einstigen Himmelsstürmern hart ins Gericht und hat als großes Übel fehlenden Teamgeist und puren Egoismus ausgemacht. "Die absolute Bereitschaft, dem anderen zu helfen, ist uns abhanden gekommen. Uns fehlt das bedingungslose Miteinander. So viele Diskussionen wie Samstag und so viele Gesten, dass man mit Zuspielen nicht einverstanden ist, habe ich von meinem Team noch nie gesehen", klagte Rangnick im "kicker" und will das Verletzungspech nicht mehr als alleinige Entschuldigung für die Misere gelten lassen.

Die jüngste Heimpleite gegen den VfL Bochum (0:3) mit all ihren Facetten hat auch den ansonsten eher verständnisvollen Dietmar Hopp auf den Plan gerufen. Ungewohnt scharf kritisierte der Mäzen Rotsünder Carlos Eduardo, der am Montag vom DFB-Sportgericht für fünf Spiele gesperrt wurde und 1899 somit nur noch in den letzten beiden Saisonspielen zur Verfügung steht.

"Meine Enttäuschung über ihn war sehr groß, weil ich wenig Verständnis habe, wenn jemand innerhalb von einem Jahr dreimal vom Platz fliegt", sagte Hopp der Bild-Zeitung: "Ich hoffe, dass Carlos endlich erwachsen wird. Schließlich schadet er dem Verein, der Mannschaft und seiner Entwicklung." Der Brasilianer war wegen einer Tätlichkeit des Platzes verwiesen worden (60.).

Geborstene Traumwelt

Dass die Hoffenheimer Traumwelt längst keine mehr ist, beweist auch die vernichtende Bestandsaufnahme von Kapitän Selim Teber. "Vielleicht denken einige, dass sie schon Superstars sind. Momentan will jeder für sich alleine glänzen. Jetzt wird es Zeit aufzuwachen", warnte Teber, der den Klub verlassen wird. In vier der letzten sechs Partien blieb die Tormaschine der Vorrunde sogar ohne eigenen Treffer.

Bezeichnend für die bisher so schwache zweite Halbserie des Tabellen-Sechsten aus Hoffenheim (neun Punkte aus zehn Spielen), dass das Derby am Samstag bei Schlusslicht Karlsruher SC (15.30 Uhr/live in Premiere) gleichzeitig das direkte Duell der beiden schlechtesten Rückrunden-Teams ist.

Unterschiedliche Zielvorstellungen

Noch niemals zuvor hatte ein Herbstmeister nach dem 27. Spieltag nicht mehr unter den Top Fünf gestanden. Vielleicht auch ein Grund, warum Hopp die Zielsetzung bereits relativierte: "Ich bin mit einem einstelligen Platz zufrieden. Auch wenn es der neunte ist." Rangnick hingegen will weiterhin einen Uefa-Cup-Platz erreichen.

Hopp stärkte derweil dem Coach den Rücken: "Ich halte Herrn Rangnick für einen sehr, sehr fähigen Trainer." Nach Meinung von Hopp ("Ich empfinde das nicht als Absturz") hat das Ansehen des Aufsteigers nicht unter der Doping-Affäre oder der schwachen Rückrunden-Ausbeute gelitten. "Das Sportliche hat mit dem Image nichts zu tun, die Doping-Affäre muss man auch etwas ausklammern, für die konnten wir nichts", erklärte Hopp, merkte aber kritisch an: "Das mit den Platzverweisen ist dagegen sehr ärgerlich." Auch Rangnick kann nicht verhehlen, dass seiner Elf der besondere Flair der Hinserie abhanden gekommen ist. "Von außen betrachtet spielen wir zur Zeit nur noch wie ein normaler Bundesligist", gibt der 50-Jährige unumwunden zu.

Ulrike Weinrich/SID / SID

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