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Fußball-Bundesliga: Arbeitsplatzrettung à la Hitchcock

Kaiserslauterns Trainer Kurt Jara war schon arbeitslos. Dank eines krimireifen Endspurts mit Sieg in der letzten Minute darf er jedoch vorerst bleiben. Rostock setzte seine Niederlagenserie zu Hause gegen Nürnberg fort.

Der 1. FC Kaiserslautern hat dank Selim Teber den erhofften Befreiungsschlag in der Fußball-Bundesliga geschafft und Trainer Kurt Jara in letzter Minute vorerst den Job gerettet. Der "Joker" drehte nach seiner Einwechslung am Sonntag mit seinen beiden ersten Bundesligatoren (80./90.) beim 2:1 (0:0) fast im Alleingang das Spiel gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld, der durch den siebten Saisontreffer von Delron Buckley (79.) in Führung gegangen war. Nach dem Sieg vor 32.351 Zuschauern im Fritz-Walter- Stadion gaben die "Roten Teufel" die Rote Laterne in der Tabelle an Hansa Rostock ab und landeten nach fünf Spielen ohne Sieg wieder einen wichtigen Erfolg.

Jara blickt nach dem Sieg wieder etwas beruhigter in die Zukunft. "Ich habe zwei Stürmer gebracht und Alles oder Nichts gespielt. Der Erfolg kann der Mannschaft für die Zukunft Selbstvertrauen geben", sagte der Österreicher nach dem Spiel, das durch die Einwechslung von Teber eine nicht mehr geglaubte Wende genommen hatte. "Das war heute wichtig für die Fans, die Mannschaft und den Trainer", sagte Teber. Neben dem "Matchwinner" lag es vor allem an Torhüter Tim Wiese, dass der spielschwache, aber engagierte Auftritt von Lautern nicht mit einer Niederlage bestraft wurde. "Es ging nicht um Kurt Jara, es ging um uns und den Verein. Die Mannschaft hat Moral gezeigt", sagte Wiese.

Vorstandsvorsitzender René C. Jäggi hatte angekündigt, nach den Spielen in Hannover (1:3) und eben der Partie gegen Bielefeld Bilanz zu ziehen. Das Verhältnis zwischen ihm und Jäggi sei intakt, versicherte Jara.

Beim bisherigen Tabellenletzten fehlte wie in den vergangenen Wochen trotz Einsatzwillens ein geordneter Spielaufbau. Gute Chancen für die Pfälzer gab es deshalb zunächst nur nach Standardsituationen. Kamil Kosowski (33.) und Marco Engelhardt (36.) scheiterten aber an Arminia-Torhüter Mathias Hain. Engelhardt kam nicht wie gewohnt im Mittelfeld zum Einsatz, sondern vertrat in der Abwehr den formschwachen Spielführer Timo Wenzel, um gegen die quirligen Gäste- Angreifer zu bestehen.

Viel Kampf, wenig spielerische Klasse

Gerade die kleinen Bielefelder Offensivspieler Erwin Skela und Fatmir Vata setzten Akzente und waren an fast allen Möglichkeiten der gefälliger auftretenden Gäste beteiligt. In der 23. Minute wehrte Lauterns Ersatz-Kapitän Thomas Riedl mit Hilfe der Hand einen 16-Meter-Schuss von Skela ab. Die Ostwestfalen, als drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga an den Betzenberg gereist, waren in einem insgesamt schlechten Spiel nicht zwingend.

Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich Kaiserslautern weiter kampfstark, aber statt durchdachter Spielzüge blieb vieles dem Zufall überlassen. Die "Roten Teufel" hatten in der 60. Minute bei einem Pfostenschuss von Detlev Dammeier Glück, dazu bewahrte Wiese sein Team gleich zwei Mal gegen Skela (67./69./77.) vor einem Rückstand. Beim 0:1 durch Buckley war er aber machtlos (79.). Doch schon im Gegensatz sorgte "Joker" Teber für den Ausgleich (80.) und später für den Sieg (90.).

Hansa Rostock bleibt der Fluch im heimischen Ostseestadion treu. Auch im sechsten Heimspiel der Saison kassierte die Mannschaft des glücklosen, aber von den Club-Gewaltigen weiterhin nicht in Frage gestellten Trainers Juri Schlünz eine glatte Niederlage. Im "Duell der Kellerkinder" triumphierte der 1. FC Nürnberg am Sonntag mit 2:0 (0:0) und verbesserte sich dank eines Doppelschlags von Markus Schroth (56./59. Minute) mit dem ersten Sieg im Ostseestadion auf Platz 13 der Fußball-Bundesliga. Für Rostock, das in der ersten Halbzeit das Geschehen bestimmte, endete die längste Pleitenserie auf eigenem Platz mit einem Pfeifkonzert der 12.000 Zuschauer und dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz.

Negativtrend nicht gestoppt

"Das ist eine schwarze Stunde, wenn man zum sechsten Mal nacheinander zu Hause verliert", meinte Schlünz. "Wir wollten heute den Bock umstoßen, und in der ersten Halbzeit waren wir auch die bessere Mannschaft. Aber Hansa hat noch immer die Kurve bekommen und das wird auch jetzt wieder so sein. Mit mir."

Mit drei Stürmern wollte Schlünz die Pleitenserie im sechsten Anlauf endlich beenden: Magnus Arvidsson, Antonio di Salvo und Marcus Allbäck sollten die von "Club"-Trainer Wolfgang Wolf gezwungenermaßen wieder neu formierte Abwehr der Franken durcheinander wirbeln. Doch die Angreifer fanden in Raphael Schäfer ein ums andere Mal ihren Meister. Der Keeper rettete Nürnberg den glücklichen Premieren-Sieg nach drei Niederlagen und einem Unentschieden an der Ostsee.

"Jetzt ist die Situation dramatisch. Aber wir werden nach wie vor keine Trainer-Diskussion anfangen", sagte Hansas Vorstandschef Manfred Wimmer. Seinem Trainer stärkte er den Rücken. "Wir stehen vorbehaltlos zu Juri Schlünz. Und das bleibt auch so. Er ist der richtige Mann, uns da unten wieder raus zu holen", lautete sein in der Branche unüblich gewordenes Bekenntnis.

Starke zweite Halbzeit von Nürnberg

Der enorme Druck im Abstiegskampf war auch Wolf auf der Nürnberger Bank anzumerken, der auf seine gesperrten bzw. verletzten Stamm- Abwehrspieler einmal mehr verzichten musste. "So eine Situation hatte ich noch nie", meinte der 47-Jährige, der sich bei seinem Torhüter für das Unentschieden zur Pause bedanken durfte. Denn im Sturm herrschte in der ersten Halbzeit zumeist Flaute.

Das änderte sich nach dem Seitenwechsel, als der "Club" sofort das Kommando übernahm. Nun trumpften die Gäste auf und wurden belohnt. Zwei Mal war es Schroth, der per Kopf erfolgreich war. Zunächst verwertete er eine Flanke von Dominik Reinhardt (56.), nur drei Minuten später war es Ivica Banovic, der den von den Münchner "Löwen" gekommenen Stürmer glänzend einsetzte. Hansa antwortete wütend, aber der überragende Schäfer war nicht zu bezwingen.

Eric Dobias und Sandra Degenhardt/DPA / DPA

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