Länderspiel 18 Mann und die Mission "EM-Qualifikation"


Rudi Völler blieb endlich einmal an einem Bundesliga-Wochenende von Ausfällen verschont und kann im EM-Duell mit Island bis auf Tobias Rau die Sieger-Elf des Schottland-Spiels aufbieten.

Rudi Völler blieb endlich einmal an einem Bundesliga-Wochenende von Ausfällen verschont und kann im EM-Duell mit Island bis auf Tobias Rau die Sieger-Elf des Schottland-Spiels aufbieten. "Es gibt keine Absagen und auch keine Fragezeichen. Das ist schon etwas wert", sagte der DFB-Teamchef, der sein 18-köpfiges Aufgebot am Dienstag vollzählig und einsatzfähig im "Waldhaus Reinbek" vor den Toren Hamburgs erwartet. Mit vier Trainingseinheiten, davon gleich drei unter Ausschluss der Öffentlichkeit, will er sein Personal weitgehend ungestört auf das entscheidende Qualifikationsspiel am Samstag in der ausverkauften AOL-Arena einschwören.

Acht Langzeitverletzte

Dabei muss Völler insgesamt acht Langzeitverletzte ersetzen, auf die Rekonvaleszenten Jens Nowotny und Sebastian Deisler verzichtet er freiwillig. "Jens hat ein tolles Comeback gemacht, aber für die Nationalmannschaft ist es sicher noch zu früh", urteilte Völler, der beim Leverkusener 3:0 gegen Hansa Rostock am Sonntag Nowotnys ersten 90-Minuten-Einsatz in der Bundesliga seit seinem zweiten Kreuzbandriss Anfang des Jahres live miterlebte. Auf den 29-jährigen Abwehrchef setzt Völler aber erst im Hinblick auf die EM im nächsten Jahr. Gegen Island baut der Teamchef mit Christian Wörns, Carsten Ramelow und Marko Rehmer auf jene Hintermannschaft, die vor vier Wochen beim 2:1 gegen Schottland den Grundstein zur EM-Teilnahme gelegt hat.

Disput mit Rummenigge

"Das wichtigste ist, dass wir uns direkt qualifizieren. Das steht über allem", forderte Völler volle Konzentration auf das Duell am Samstag, in dem die DFB-Auswahl einen Punkt zum Gruppensieg benötigt. Umso ungelegener kommen dem DFB-Teamchef die Attacken von Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, der sich am Wochenende einen Disput mit Michael Ballack über die Notwendigkeit seines Länderspiel-Einsatzes geliefert hatte, sorgte am Montag in mehreren Interviews mit einer Generalabrechnung mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) erneut für Misstöne.

"So geht es nicht weiter"

"Ich weiß um den Stellenwert der Nationalmannschaft. Aber wir dürfen die Gehälter zahlen - und die Spieler werden von den Verbänden in Beschlag genommen, dass es nicht mehr lustig ist", sagte er der "AZ". Im Fachmagazin "Kicker" bemängelte er Populismus und öffentliches Diktat des DFB in den Bereichen Ausländerquotierung und Nachwuchsförderung. Es werde "seitens des DFB der Eindruck vermittelt, dass die Bundesliga dafür verantwortlich ist, dass die Nationalmannschaft Probleme hat", so Rummenigge, der zum Schluss kommt: "So geht es nicht weiter. Wir können nicht die Deppen sein und auch noch für die Nationalelf die Verantwortung tragen."

3.000 Euro pro Partie und Spieler

Beim DFB stieß Rummenigges Angriff auf Verwunderung. "Es gibt zwischen DFB und Bundesliga keinen Dissenz", meinte Verbandssprecher Harald Stenger. Bei der Nachwuchsförderung gebe es nur in Detailfragen unterschiedliche Auffassung, in den Fragen der Abstellungsgebühren und Versicherung für Nationalspieler seien "alle Regelungen einvernehmlich mit der Liga geklärt worden". Der Verband bezahlt auf freiwilliger Basis 3000 Euro pro Partie und Spieler an die Clubs sowie eine jährliche Gebühr von 600.000 Euro an die Liga. Zudem wurden die Versicherungspolicen als Konsequenz aus dem Fall Deisler, der im Nationaltrikot zum Langzeitverletzten geworden war, erst in diesem Jahr angepasst. Rund zwei Millionen Euro bezahlt der DFB laut Stenger jährlich an Versicherungspolicen.

Völler bleibt gelassen

Völler wollte den Konflikt zwischen Rummenigge und Verbandsspitze inhaltlich nicht bewerten. Stattdessen betonte er die Wichtigkeit Rummenigges für die Nationalmannschaft und die Verdienste des 95-maligen Nationalspielers in der Vergangenheit. Nach dem EM-Desaster unter Erich Ribbeck 2000, der Kokain-Affäre um Christoph Daum und der Inthronisierung Völlers hatte sich Rummenigge als Vorsitzender der Task Force vehement für eine bessere Verständigung zwischen Bundesliga und DFB eingesetzt. "Kalle", sagt Völler deshalb, "ist mein wichtigster Helfer." Und der wird am Freitag als Vertreter des Arbeitskreises Nationalmannschaft in offizieller Mission nach Hamburg reisen.

Oliver Hartmann und Klaus Bergmann, dpa DPA

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