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Last-Minute-Sieg gegen Man City: Boateng lässt es krachen - und erlöst die Bayern

Lange rannten die überlegenen Bayern gegen Manchester City einem Tor hinterher. Erst Jerome Boateng erlöste sein Team – und zeigte, wie wichtig er geworden ist.

Von Tim Schulze

Jerome Boateng hatte irgendwann genug. Vielleicht erinnerte sich der Verteidiger der Bayern an das berühmte Mantra von Oliver Kahn: "Weiter, immer weiter". Schluss ist eben erst, wenn der Schiedsrichter pfeift. Boatengs Mitspieler hatten sich in der Schlussphase zwar mächtig ins Zeug gelegt, um den Ball irgendwie in das Tor von Manchester City zu bugsieren, allein es hatte nicht funktioniert. Der eingewechselte Arjen Robben hatte kurz nach seiner Einwechslung das gemacht, was er so häufig macht, und sich theatralisch nach einer Berührung im Strafraum fallen lassen. Doch der Schiedsrichter verweigerte völlig zu Recht den Pfiff.

Also nahm sich Boateng in der 88. Minute ein Herz und schoss den Ball aus gut 30 Metern auf das Tor. Manchesters Keeper Joe Hart parierte den Schuss, so wie er zuvor schon die vielen Torchancen der Bayern zunichte gemacht hatte. Es folgte eine Ecke für die Hausherren, doch niemand glaubte so recht daran, dass den Bayern an diesem Abend in der heimischen Allianz ein Tor gelingen würde. Doch der englische Meister bekam den Ball nicht aus dem Strafraum, Mario Götze legte für den freistehenden Boateng ab, und der drosch die Kugel mit Präzision und Wut ins Tor. Er hatte ein wenig Glück, dass Götze den Schuss mit dem Rücken abfälschte. Diesmal hatte Joe Hart keine Chance.

Boateng ist gereift

Wie entfesselt rannte der Torschütze zur Bayern-Bank und ließ sich feiern. Trainer Pep Guardiola war mittendrin in der Jubeltraube. Das Siegtor brachte die Erlösung und einen ganz wichtigen Sieg zum Auftakt der Gruppenphase in der Champions League. Schließlich ist Manchester City der härteste Konkurrent der Bayern. "Es war super wichtig zu gewinnen. Das war ein hartes Stück Arbeit. Am Ende haben wir verdient gewonnen", sagte der Siegtor im "TV-Sender Sky". "Wir hatten viele Chancen und Pech gehabt. Wir haben aber alle daran geglaubt."

Der Nationalspieler und Weltmeister war vielleicht nicht durch Zufall der entscheidende Mann auf dem Platz. Der 26-Jährige, der in den vergangenen Jahren oft zu Recht kritisiert wurde, ist gereift. Früher gönnte sich der Hochbegabte immer wieder Aussetzer. Nachlässig, unkonzentriert und immer wieder für einen Bock gut, schöpfte er nicht sein volles Potential aus. Seitdem hat er sich kontinuierlich gesteigert. Das Spiel seines Lebens zeigte er im WM-Finale im Maracana. Mittlerweile ist nicht nur ein Stabilitätsanker, sondern er kann die Bayern sogar zum Sieg pushen.

Boateng organisierte die Abwehr so erfolgreich, dass Manchester City kaum echte Torchancen bekam. Anfangs war er der Kopf einer Dreierkette, in der überraschend auch der 30-Millionen-Mann Mehdi Benatia sein Debüt gab. Nach 20 Minuten stellte Guardiola auf eine Vierkette um, weil das neue System gegen eine internationale Spitzenmannschaft wie ManCity nicht wie gewünscht funktionierte.

Die Bayern liegen voll im Plan

Das wirkte. Die Bayern beherrschten weitestgehend das Spiel, von WM-Jetlag keine Spur. Auch die Ausfälle von Schweinsteiger, Ribéry, Thiago, Badstuber, und Martinez kompensierten sie erfolgreich. Xabi Alonso, der Glückskauf, und David Alaba organisierten das Mittelfeld. Nur ein Manko gab es eben: die Chancenverwertung. Thomas Müller hatte schon in der ersten Minute das 1:0 auf dem Fuß, traf aber lediglich das Außennetz. Es folgten, vor allem in der ersten Halbzeit, zahlreiche weitere Torchancen, nur das Tor wollte nicht fallen. Es fehlte der entscheidende Kick. Lewandowski und Götze waren glücklos. Boateng war es, der in die Bresche sprang.

Die wichtigste Erkenntnis nach dem Champions League-Auftakt lautet deshalb: Die Bayern liegen voll im Plan, national wie international. Sie hatten sich ja gefürchtet vor einer Seuchensaison, in der man seine Zielen hinterherhinkt wie oft nach großen Turnieren, von denen die Spieler ausgepumpt heimkehren. Bei einem Remis hätte es große Diskussionen gegeben, wie das üblich ist beim FCB Bayern. Doch die Mannschaft funktioniert bislang. Und hat Siegeswillen. Das hat Boateng bewiesen.

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