Lewan Kobiaschwili Schalkes Geheimwaffe


Kobiaschwili ist der stille Star der Knappen. Denn im Licht der Öffentlichkeit sonnen sich bei Schalke 04 Lincoln, Ailton und Ebbe Sand.

Aber bei der Suche nach den Ursachen für den rasanten sportlichen Aufschwung in den vergangenen Monaten stößt man unweigerlich auf seinen Namen: Lewan Kobiaschwili. Der 27 Jahre alte georgische Nationalspieler gehört zu den "Dauerbrennern" im Knappen-Team und hat mit dem Wechsel von der linken Außenverteidiger-Position in das defensive Mittelfeld zu Saisonbeginn nun sein ideales Betätigungsfeld gefunden.

Aus der Tiefe nach vorn

"Diese Rolle entspricht meinen Stärken. Ich bin einer, der aus der Tiefe nach vorn stößt. Dazu habe ich in unserer neuen Spielordnung nun die Möglichkeit", sagt Kobiaschwili, der meist gemeinsam mit Christian Poulsen vor der Vierer-Abwehrkette agiert und sich im Wechsel mit dem Dänen immer wieder erfolgreich in die Offensive einschaltet. Neben seiner überragenden Technik verfügt "Kobi" über ein gutes Auge, ist dribbelstark, wendig und hat einen platzierten Linksschuss. In der laufenden Spielzeit erzielte er bereits zwei UEFA-Pokal-Tore und drei Treffer in der Bundesliga.

Ralf Rangnick lobte den fleißigen Musterprofi nach dem 2:1 über Arminia Bielefeld, als der Georgier zum wichtigen 1:1-Ausgleich traf, als Zuverlässigkeit in Person. "Solange ich hier Trainer bin, spielt Kobi in jeder Partie auf einem konstant hohen Niveau", sagte der Coach anerkennend über den Allrounder, der 2003 ablösefrei zum Revierclub kam. Rangnick verriet, dass der in Abstiegsnot geratene SC Freiburg, bei dem Kobiaschwili fünf Jahre lang erfolgreich spielte, den jetzigen Schalker mit Kusshand zurücknehmen würde. Der Co- Trainer der Breisgauer, Achim Sarstedt, habe schon aus Spaß angefragt: "Wenn ihr ihn nicht mehr wollt, holen wir ihn auch mit dem Fahrrad ab."

Defensiv, aber torgefährlich

Doch dass der Bundesliga-Zweite den "stillen Star" nicht mehr braucht, ist derzeit undenkbar. Längst gilt er als legitimer Nachfolger von Jiri Nemec. Der tschechische Kult-Kicker, Rudi Assauers Lieblingsspieler, agierte jahrelang als zweikampfstarker Abräumer vor der Abwehr, konnte ein Spiel "lesen" und von hinten aufbauen, strahlte aber wesentlich weniger Torgefahr aus als Kobiaschwili. "Auch ich habe meine Stärken in der Defensive und bin keine Nummer zehn", beschreibt der Georgier seine eigenen Qualitäten: "Aber ich kann mich auch mal nach vorn einschalten, weil ich weiß, dass ich dann von zwei Leuten Rückendeckung bekomme."

Nach den Strapazen der vergangenen Wochen sehnt der Familienvater, wie alle Teamkollegen, den Weihnachtsurlaub herbei. Dann fährt er mit seiner Frau Tamara und dem fünfjährigen Sohn Nicka nach Tiflis. In der georgischen Hauptstadt wohnen seine Eltern, Schwiegereltern und viele Freunde. "Darauf freue ich mich. Der wichtigste Tag bei uns ist der 31. Dezember. Dann gibt es die Geschenke." Zuvor aber will er in den beiden letzten Bundesligaspielen mit dafür sorgen, dass Schalke seine gute Ausgangsposition im Titelkampf nicht verspielt. Denn auch in seinem Hinterkopf reifen allmählich die Meisterträume: "Dieser Gedanke ist auch bei mir immer da."

Von Ulli Brünger/DPA


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker