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Zum DFB-Abschied Von wegen "Maskottchen"! Warum wir Poldi nie vergessen werden

Lukas Podolski
Lukas Podolski läuft zum letzten Mal im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf.
Der Weltmeister wird das DFB-Team in Dortmund beim Klassiker gegen England sogar erstmals als Kapitän anführen. Podolski bezeichnete dieses Geschenk von Bundestrainer Joachim Löw als sensationell. "Mehr geht nicht bei seinem letzten Spiel", sagte Podolski. Seine 13 Jahre in der Nationalelf nannte Podolski "eine schöne und geile" Zeit. In seinen bislang 129 Länderspielen erzielte der Angreifer 48 Tore.

Aber auch neben dem Platz war Podolski immer für einen Volltreffer gut. Seine Sprüche sorgten immer wieder für Lacher - mal gewollt, mal unfreiwillig. Nur sein wohl berühmtester Spruch ist gar nicht von ihm. Trotzdem sind im Laufe der jahre einige Knaller zusammengekommen.
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Er tauchte auf zu einer Zeit, in der es dunkel war im deutschen Fußball: Als ungestümer Jungspund war Lukas Podolski eine Offenbarung für jeden Fan. Heute tritt er ab als vermeintliches "Maskottchen" einer Ära. Er wird uns viel mehr fehlen, als wir jetzt noch glauben.

Der Abschiedssong liegt auf der Hand: "Niemals geht man so ganz" von Trude Herr ist die ewige kölsche Abschiedshymne, die noch dem härtesten Domstädter die Tränen in den Schnauzbart tropfen lässt. "Irgendwas von dir bleibt hier", heißt es in dem Lied weiter, und auf keinen trifft das besser zu als auf Lukas Podolski. Das Loch, das er in den DFB-Kosmos rund um "Die Mannschaft" reißt, ist riesig.

Viele Bescheidwisser sehen das natürlich anders. Sie verweisen auf den begrenzten sportlichen Einfluss, den Podolski in den letzten Jahren im Nationalmannschaftstrikot genommen hat. Es sind dieselben Leute, die ihn vor jedem Turnier gegen irgendeinen Hype-Spieler aus der Startelf schwafeln wollten. Meistens ließ Bundestrainer Joachim Löw ihn trotzdem ran - fast immer zahlte er das Vertrauen zurück.

Lukas Podolski: Es ging nie um die "aktuelle Form"

Es ging bei Podolski nie um die "aktuelle Form", die er aus dem Verein mit zum DFB-Tross nahm. Die war, zugegebenermaßen, oft verbesserungswürdig: Weder bei den Bayern noch für Arsenal London erreichte er je wirklich das Level, das ihm zugetraut wurde. Aber mit dem Adler auf der Brust enttäuschte er fast nie.

Und hier kommt auch die emotionale Komponente ins Spiel, warum wir "Poldi" nie vergessen werden. Der inzwischen 31-Jährige wird gerne auf den ewigen Spaßvogel reduziert, der gegen Ende seiner Karriere auch mal despektierlich und vor allem zu Unrecht als "Maskottchen" bezeichnet wird.

Denn jeder, der 2004 dabei war, wird sich gut daran erinnern, wie schlecht es damals um den deutschen Fußball stand. Und wie mitten in dieser dunklen Ära plötzlich Podolski auftauchte: jung, ungestüm und mit einer einzigartigen "linken Klebe" ausgestattet. So einen hatten wir ewig nicht mehr gesehen, und er war erst 19. Es gab tatsächlich wieder Hoffnung. Dieser Lukas war ein Versprechen. Und wie er es einlöste, ist längst legendär.

Podolski begeisterte im Nationalteam von Beginn an: beim Confed-Cup 2005 (sein Tor gegen Mexiko steht exemplarisch für seine frühe Kompromisslosigkeit), mit seinen drei Toren gegen Südafrika im selben Jahr. Richtig wichtig war er aber bei den großen Turnieren: Bei der WM 2006 kürte ihn die Fifa noch vor Cristiano Ronaldo zum besten jungen Spieler des Turniers - was seine beiden Treffer gegen Schweden und der eiskalt verwandelte Elfmeter gegen Argentinien rechtfertigten.

Unabhängig von seiner Situation auf Vereinsebene gehörte er auch bei der EM 2008 und der WM 2010 zu den Fixpunkten der Mannschaft. Bei beiden Turnieren sorgte er für den so wichtigen guten Start im Turnier, 2008 mit zwei Treffern gegen Polen, 2010 nach nur acht Minuten mit dem Führungstreffer gegen Australien. Das sind die Momente, die sich ins kollektive Fan-Gedächtnis einbrennen. Momente, die für alle Rumpelfußballerjahre entschädigen.

"Die 10 wird fehlen und die Stimmung"

Podolski war in der Nationalmannschaft ab 2004 alles, was wir uns von ihm erhofften, was lange gefehlt hatte, was vielleicht sogar noch nie dagewesen war. Sein positives Wesen und seine Lässigkeit fielen im Vergleich zu den grimmigen Kahns und Ballacks der Vorgängergeneration zwar besonders auf, spielen aber in der sportlichen Bewertung nur eine untergeordnete Rolle. Diese Eigenschaften machen aber trotzdem den Unterschied aus: Sie sind der Grund, warum wir ihm auch manche lauffaule Leistung oder eine Ohrfeige für den "Capitano" verzeihen - weil wir ihn aufrichtig lieben. Die Bescheidwisser werden das nie verstehen. Sie sind zu kopfgesteuert.

Lukas Podolski ist der letzte seiner Art, eigentlich ist er auch der einzige seiner Art. Wie es in der Nationalmannschaft weitergehe, wurde Podolski vom Fachmagazin "Kicker" gefragt. "Die 10 wird fehlen und die Stimmung", antwortete er gewohnt knackig und fügte, ganz sicher mit einem Grinsen, hinzu: "Die 10 hat jetzt Mesut Özil." Wer denn jetzt für die Stimmung zuständig sei, hakte der "Kicker" nach. Podolskis Antwort: "Das wird schwer."

Niemals geht man so ganz. Irgendwas von "Poldi" bleibt hier. Er wird uns viel mehr fehlen, als wir jetzt vielleicht noch glauben. Aber eins wissen wir schon heute ganz genau: So einen gibt's nur einmal. So einer kommt nicht wieder.

Lukas Podolski

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