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Manager-Ambitionen: Kahn kann alles

Probleme mit der Selbstvermarktung hatte Deutschlands Top-Torhüter selten. Nun überlegt Oliver Kahn lautstark, dass er doch ein toller Manager für den FC Bayern München wäre. Das Leben als Fußball-Profi sei schließlich fern der Realität.

Nationaltorhüter Oliver Kahn sieht sich als Idealbesetzung für den Managerposten beim FC Bayern München und damit als geeigneten Nachfolger von Uli Hoeneß. "Ich könnte mir im Großen und Ganzen keinen besseren Mann auf dieser Position vorstellen als mich", sagte Kahn in einem Interview der Zeitschrift 'Sportbild'. Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge reagierte gelassen auf Kahns Eigenwerbung. "Das spricht für sein Selbstvertrauen", sagte der Bayern-Chef am Mittwoch der dpa.

Rummenigge verwies auf die Vereinbarung, dass die Gespräche über das Thema zwischen den Münchner Verantwortlichen und dem Fußball-Nationaltorwart im kommenden Jahr stattfinden werden. Hoeneß hatte mehrfach das Jahr 2006 als Zeitpunkt für seinen Rückzug genannt. Bayern-Kapitän Kahn war als möglicher Nachfolger gehandelt worden.

Kahn denkt nach, wie das mit den Sponsoren funktioniert

Nach Ansicht von Kahn gibt nur wenige Kandidaten, die die "totale Identifikation mit diesem Verein" mitbringen. "Ich kenne alle Strukturen bei Bayern. Bin auch auf wirtschaftlichem Sektor nicht unerfahren", begründete der Vize-Weltmeister seine Selbsteinschätzung. Er ließ aber auch durchblicken, dass er auf dem Gebiet noch einiges lernen muss. "Ich denke nach, wie das mit den Sponsoren funktioniert. Oder wenn Spieler verpflichtet werden, frage ich den Uli, wie er das handhabt."

Der 34-Jährige äußerte sich auch zur Arbeitsweise des Leverkusener Managers Reiner Calmund. "Ich glaube, es wäre besser, wenn er sich etwas zurückzieht und die Spieler in die Verantwortung rausschicken würde. Calmund nimmt sich zu viel Kraft, macht sich kaputt", so Kahn.

Zeit für Neustrukturierungen

Zudem kündigte der Keeper die Neustrukturierung seines Lebens an. Auch die mögliche Trennung von seinem Manager Ludwig Karstens ist offenbar ein Thema. "Momentan wird einiges in meinem Leben neu geregelt. Auch in diese Richtung werden zurzeit Überlegungen angestellt", äußerte sich der Bayern-Kapitän.

Das Fußball-Leben ist ein Hochgeschwindigkeisttrip

Der Kapitän der Nationalmannschaft stimmte kritische Töne zum Leben eines Profi-Sportlers an. "Das Leben als Fußball-Profi ist ja keine Realität. Es ist wie ein Hochgeschwindigkeitstrip. Dann macht es zack - und alles ist vorbei", sagte Kahn. "Erfolg allein macht noch lange nicht glücklich", meinte er. 2006 möchte er seine aktive Karriere beenden. Trotz dieser Planung ist er sicher, dass er auch "bis 40 ohne körperliche Probleme spielen" könnte. Aber: "Die Herausforderung ist es, den Übergang vom Sportstar ins andere Leben zu schaffen. Ohne Reibungsverluste."

Kahn beklagte sich darüber, dass in der vergangenen Saison zu wenige Mannschaftskollegen Verantwortung übernommen hätten. "In diesem Jahr war es ganz extrem. Vieles lastete auf mir. Ich bin froh, dass Michael Ballack im Verlauf der Saison auch eine führende Rolle übernommen hat", sagte der Welttorhüter des Jahres 2002.

Makay-Transfer noch ungewiss

Unterdessen muss der FC Bayern weiter auf eine Entscheidung über eine mögliche Verpflichtung des Niederländers Roy Makaay vom spanischen Erstligisten Deportivo La Coruna warten. "Ich gehe nicht davon aus, dass es recht schnell über die Bühne geht", sagte Rummenigge. Zahlen kämen frühstens in der kommenden Woche auf den Tisch, wenn die Saison in Spanien beendet sei. Dann erst könne man absehen, ob ein Transfer machbar sei. Die Bayern hätten in der Angelegenheit "keinen Stress".

DPA

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